© Österreichische Nationalbibliothek/Pichler

Ausblick
09/30/2021

Wer Visionen hat, sollte in die Nationalbibliothek gehen

Diverser, digitaler, offener: „Vision 2035“ in der ÖNB

von Georg Leyrer

Die Österreichische Nationalbibliothek ist, natürlich, ein Speicher der hiesigen Identität. Und steht nun, wie das ganze Land, vor der Herausforderung, dass sich diese Identität – und alles, was sie umgibt – verändert.

Daher hat ÖNB-Direktorin Johanna Rachinger der geschichtsträchtigen Institution eine Vision verschafft. Schon wieder; denn eine gab es schon. Die brachte die ÖNB vor einem Jahrzehnt auf den Weg ins digitale Zeitalter, seitdem wurde viel Wissen digitalisiert und zugänglich gemacht. Der Zeitrahmen war das Jahr 2025.

Nun blickt man bis ins Jahr 2035 – und auf all die Themen, die uns jetzt schon beschäftigen und bis 2035 umso mehr. Die allgegenwärtige Digitalisierung, natürlich. Aber auch ihre Begleitmusik, wie die Frage nach vertrauenswürdigem Wissen. Oder danach, wie Menschen beigebracht werden kann, dieses Wissen zu suchen – und zu finden. Oder nach der ökologischen Verantwortung. Und auch die Frage danach, ob und wie man Menschen an die ÖNB heranholt und diese darin abbildet, die da bisher weniger berücksichtigt wurden.

Maschinen lesen

Es geht also darum, wie „das Wissen für die Welt von morgen aufbereitet sein wird“ und aufbereitet werden muss, sagt Rachinger.

Man will dafür Räume öffnen – „physisch, digital und ideell“.

Das soll einhergehen mit einer Verstärkung des Selbstbildes als lehrende Bibliothek: Dieser Tage beginnen die Bauarbeiten zu einem Schulungszentrum am Heldenplatz, wo Wissen vermittelt werden soll; auch auf neue Arten und an neue Zielgruppen. Eine dieser Zielgruppen ist auch der Computer. Denn ebenfalls auf dem Programm steht, das Wissen der ÖNB so aufzubereiten, dass Maschinen damit etwas anfangen können. Dazu braucht es Schnittstellen und weitere Digitalisierung.

Ziel sind Entdeckungen in den ÖNB-Beständen, die nur durch automatisierten Datenbergbau großen Maßstabs gemacht werden können: So viel, wie der Computer, können Menschen gar nicht lesen.

Doch der Computer kann vom Menschen noch lernen: Ebenfalls am Plan stehen Projekte der Bürger-Wissenschaft (wo Freiwillige etwa Handschriften entziffern und transkribieren).

Es geht ums Vernetzen, ums Digitale, um Zusammenarbeit, um Wissen vor Ort und von der Ferne. „Für alle Menschen, die mehr wissen wollen“, sagt Rachinger. Die schauen, wenn sie zu Besuch kommen (2019 waren es 900.000), vielleicht auch im Haus der Geschichte vorbei: „Das wird sicher nicht zugesperrt“, sagt Rachinger.

Nicht aufgesperrt wurde der in der vorigen Vision erhoffte Tiefspeicher am Heldenplatz. Stattdessen lagern in einer Außenstelle Bücher, die bereits digitalisiert wurden. Denn die müssen nicht per Lastwagen hin- und herverschafft werden: Auch Klimaschutz ist Teil der Vision.

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