Wenn einen die Sinnsuche auf Speed überfordert

Anatomie des Faultiers
Foto: /Sven Albertini Tobias Artner, Michaela Schausberger und Johanna Wolff (v.l.n.r.).

Das Stück "Anatomie des Faultiers" im KosmosTheater will einfach zu viel.

Hätte der faule Willi in der aktuellen, gerne zweckorientierten Welt noch einen Platz im Bienenstock? Oder würde er aufgrund einer Kosten-Nutzen-Analyse aussortiert werden? Um diese und ähnliche Fragen drehte sich das vom Theaterkollektiv YZMA auf die Bühne gebrachten Stück.
Es beginnt ruhig, mit Orgeltönen und einem Zitat von Walter Benjamin. Mit der anfänglichen Ruhe ist dann aber Schluss. In den folgenden eineinhalb Stunden turnen die Schauspieler (allesamt gut) mit Knie- und Elbogenschützern ausgestattet auf Matten herum, matchen sich beim Quizduell und ziehen sich zum Nachdenken in ein Häuschen zurück, was dem Publikum via Video zugeschaltet wird. Sie agieren dabei wie auf Drogen – aufgezogen und überdreht. Es wird andauernd geredet, über Philosophen, deren Theorien, die Zeit und ihre Vergänglichkeit.

Die Themen reihen sich rasant aneinander. An einem roten Faden kann man sich aber nicht festhalten. Am Ende liegen die Schauspieler erschöpft herum. Man würde sich gerne dazulegen. Einfach an die Decke schauen und alle Termine absagen. Weniger ist eben oft mehr. Eine Reduktion aufs Wesentliche hätte auch dem Stück gut getan. Nur nicht übernehmen – das wusste schon der faule Willi.

Termine: Di., 26.1. bis Sa., 30.1., 20 Uhr.

(kurier) Erstellt am
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