Kultur 11.01.2018

Viennale-Chefin Eva Sangiorgi: Jetzt endlich international

Eva Sangiorgi übernimmt ab März die Leitung der Viennale © Bild: APA/ROLAND SCHLAGER

Kunst Stoff. Die Italienerin Eva Sangiorgi folgt Hans Hurch als Chefin des Wiener Filmfestivals.

Die neue Leiterin des Wiener Filmfestivals Viennale heißt Eva Sangiorgi. Diese Entscheidung wurde von Kulturstadtrat Mailath-Pokorny bekannt gegeben. Damit folgt die 39-jährige Italienerin auf Hans Hurch, der vergangenen Juli verstorben war.

"Ich bin sehr berührt und werde mein Bestes geben", versprach Sangiorgi, die 2010 in Mexico City das profilierte Festival Ficunam gegründet hatte und seitdem als künstlerische und kaufmännische Direktorin leitet. Ab März wird die Bologneserin, die Kommunikationswissenschaften und Kunstgeschichte studierte, nach Wien übersiedeln und bereits für die heurige Viennale die Verantwortung übernehmen.

Ihr Vertrag läuft für drei Jahre. Sangiorgi wurde aus insgesamt 30 Bewerbern ausgewählt, von denen zwölf aus dem Ausland kamen.

Der Kulturstadtrat betonte die Wichtigkeit einer internationalen Besetzung "in Zeiten nationalistischen Aufkommens" und will die Bestellung als "Signal einer weltoffenen Kulturpolitik" verstanden wissen, "die über den Tellerrand hinaus blickt: Abschottung ist Provinzialismus."

Mailaths Argument ist allerdings nur bedingt nachvollziehbar: Kein Mensch hätte jemals Langzeitdirektor Hans Hurch, geboren in Schärding, Oberösterreich, Provinzialismus vorwerfen können oder wollen. Im Gegenteil. Insofern mutete es seltsam an, dass die Geschäftsführung der Viennale – noch während das aktuelle Bewerbungsverfahren lief – medial bereits ihre Präferenzen für die zukünftige Direktion ventilierte: Man wünsche sich eine "internationale Lösung", ließ man verlauten, also eine Person, "die nicht mit den Wiener Cliquen verbunden ist."

Laufend

Dieser Wunsch ist durchaus legitim. Allerdings stellt sich die Frage, ob man mit derartigen Äußerungen nicht ein laufendes Verfahren präjudiziert, indem man beispielsweise potentielle Bewerber oder Bewerberinnen mit diesen Einschränkung abschreckt.

Auf der Pressekonferenz wurden Nachfragen zu diesem Thema von Seiten des interimistischen Viennale-Leiters Franz Schwartz und der Geschäftsführerin Eva Rotter eisern abgewehrt: Man habe "die Beste der Besten" ausgewählt und sich in keiner Weise von der Nationalität beeinflussen lassen. Trotzdem müssen kritische Fragen über das öffentliche Gebaren der Viennale-Geschäftsführung erlaubt sein.

Vielversprechend

Ungeachtet dieser Querelen scheint sich die Auswahlkommision jedenfalls für eine interessante und vielversprechende Kandidatin entschieden zu haben. Eva Sangiorgi gilt als renommierte Festivaldirektorin und international anerkannte Filmkuratorin. Dass sie als eine, die von außen kommt, frischen Wind in das Wiener Festival bringen kann, ist ihr unbedingt zuzutrauen.

Sie habe in den letzten Jahren regelmäßig die Viennale besucht und sehr geschätzt, betonte Sangiorgi in einer einnehmenden, ersten Vorstellungsrunde: "Ich habe großen Respekt vor diesem Projekt und fühle mich geehrt, daran teilzunehmen."

Zukunftspläne

In ihrer zukünftigen Programmierung der Viennale plane sie, auf Kontinuität zu setzen, wolle aber innerhalb des Programms nachjustieren. Dazu gehöre etwa die Auflösung der Unterteilung in Dokumentar- und Spielfilme, die sich ihres Erachtens erübrigt habe. Weiters wolle sie Kooperationen wie die mit dem Österreichischen Filmmuseum fortsetzen und durch verstärkte Kontakte mit Bildungseinrichtungen jüngere Zuschauer ins Kino holen.

Besonderes Augenmerk will Eva Sangiorgi auch auf Produktionen von unbekannten Regisseuren legen, die am Anfang ihrer Karriere stünden. Während des Festivals sollen allabendlich Gespräche zwischen Filmschaffenden und dem Publikum stattfinden. Am 25. Oktober geht es los.

( kurier.at ) Erstellt am 11.01.2018