Viel Applaus für Spielmann-Film in San Sebastian
Mit großem Applaus ist der österreichische Film "Oktober November" am Montagabend im Wettbewerb des 61. Filmfestivals von San Sebastian begrüßt worden. Doch während der Regisseur Götz Spielmann und die Darsteller Nora von Waldstätten, Ursula Strauss und Sebastian Koch im Kursaal gefeiert wurden, äußerten sich die Kritiker am Dienstag eher zwiegespalten. Während es für die Schauspieler durchwegs Lob gab, bemängelten Journalisten die "fehlende Energie" des Films und die "banale Geschichte".
Martinez stimmt mit dem spanischen Radiojournalisten Pedro Palacios überein, dass die schauspielerische Leistung grandios gewesen sei, vor allem aber die Hauptfigur Sonja (von Waldstätten) recht gefühlskalt bleibe. "Es handelt sich um Figuren, die beschrieben werden, aber Du erwartest die ganze Zeit etwas, was niemals kommt", meint Palacios. Er findet es schade, dass der Zuschauer zudem nicht erfährt, welche Meinung eigentlich der Regisseur zu den von ihm aufgeworfenen, existenziellen Fragen nach Identität hat.
Wolfgang Martin Hamdorf, Filmkritiker vom Deutschlandradio, fand die Leistung der Schauspieler und das Thema beeindruckend. "Spielmann schafft es aber leider nicht, trotz der wunderbaren Schauspieler und Thematiken, die eigentlich jeden berühren, eine Dramaturgie zu schaffen, die dann auch mitreißt". Für Geri Krebs von der Schweizer Neue Zürcher Zeitung war Spielmanns Film im Vergleich zu seinen früheren Produktionen wie "Antares" und "Revanche" hingegen eine "einzige Enttäuschung". Er habe sich mehr erwartet: "Der Film hat zwar tolle Schauspieler und Drehorte, aber auch eine sehr banale und vorhersehbare Geschichte", so der Schweizer Journalist.
Spielmann: "Verkünde keine Wahrheiten"
"Es geht um das zentrale Thema der Identität. Wer bin ich? Bin ich so, wie ich sein kann? Bin ich der, der ich sein will?", erklärt Regisseur Götz Spielmann am Rande des Filmfestivals im APA-Gespräch seinen Film. Er habe bewusst darauf verzichtet, Antworten zu geben. "Warum sollte ich den Zuschauern Antworten auf existenzielle Fragen geben? Die findet jeder für sich selbst. Ich bin kein Wissenschafter, der Wahrheiten verkündet, und auch kein Priester oder Politiker. Filme sind nicht dafür da, Zuschauer intellektuell zu bevormunden. Viel wichtiger ist es, Fragen sichtbar zu machen", so Spielmann in der nordspanischen Küstenstadt, dessen Festival neben Cannes, Berlin und Venedig zu den wichtigsten internationalen Filmfestivals gehört.
Wie zuvor auf dem Filmfestival in Toronto, wo "Oktober November" Weltpremiere feierte, habe er auch in San Sebastian die Erfahrung gemacht, dass viele Leute tief betroffen aus dem Kino kommen, während andere mit dem Film nichts anfangen könnten: "Ich habe schon bemerkt, dass der Film relativ kontrovers aufgenommen wird. Aber dort, wo er ankommt, da bewegt er etwas. Das ist doch das Schönste, was einem als Filmemacher passieren kann."
Nun bleibt abzuwarten, wie der Film bei der Festivaljury angekommen ist, die am kommenden Samstag die "Goldene Muschel" vergibt. "Oktober November" ist Spielmanns erster Film seit dem Oscar nominierten "Revanche" und wird in Österreich erstmals bei der Viennale zu sehen sein.
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