© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Kultur
12/10/2018

Uraufführung: Das sagen die Kritiker zu „Die Weiden“ an der Staatsoper

Heimische Pressestimmen zum neuen Werk von Johannes Maria Staud und Durs Grünbein.

"Aufklärung mit dem Holzhammer" titelte der KURIER seine Kritik zur "durchwachsenen" Staatsopern-Uraufführung von "Die Weiden" von Johannes Maria Staud und Dürs Grünbein

Internationale Kritiken zur prominenten Premiere waren am Montag (noch?) keine erschienen. Der KURIER hat die heimischen Pressestimmen zur Uraufführung zusammengefasst.

Der Standard

"Schließlich wirkt, was gut begonnen hat, jedoch wie eine Oper, die sich selbst den Strom abgedreht hat. Weder die aufsteigenden Fluten noch das Drama der zwei Liebespaare können hier noch Bühnenleben einhauchen. "Die Weiden" werden also als mahnendes Erinnerungsstück wichtig bleiben, als aufrüttelnde Geschichte mit aufklärerischer Absicht. Allerdings auch als Stück, das von der gewichtigen und aktuell wichtigen Thematik fast erdrückt wurde – trotz des subtilen Orchesters unter Ingo Metzmacher. Die Staatsoper aber hat sich mit dem Stück als engagierter Zeitgenosse in ungemütlichen Politzeiten zurückgemeldet."

Die Presse

"Hand aufs Herz: „Die Weiden“, das erste großformatige Auftragswerk der Ära Meyer, entpuppte sich als zu zahm für eine Erregung und zu zäh für einen Triumph. […] Was ist das nun: Eine naturmystische Parabel? Eine aktuelle Satire? Dass sich das Stück solchen Kategorisierungen entzieht, ist kein Vorteil: Das zu lange Libretto will zu viel zur gleichen Zeit. Manchmal staksen die Figuren auf sprachlichen Kothurnen durch die Au, mal drohen sie im Morast der Banalität zu versinken. Auch die Inszenierung kann sich nicht zwischen dem Konkreten und Abstrakten entscheiden."

 

 

Salzburger Nachrichten

"Komponist Johannes Maria Staud und Librettist Durs Grünbein versprachen eine „Reise in das Herz eines zerrissenen Europas“. Tatsächlich scheint eine Oper über den politischen Rechtsruck in Europa kaum einen besseren Uraufführungszeitpunkt zu haben als jetzt, wo es auf den Straßen von Paris tobt und immer noch Pegida-Anhänger durch Dresden ziehen. In Stauds Tondichtung wird genau dieses Unbehagen laut. Viel Schlagwerk, elektronische Zuspielungen, Livepassagen und verfremdete Stimmen schaffen Atmosphäre und könnten […] dem Soundtrack eines Horrorfilms entstammen. […] Was Staud musikalisch schafft fehlt im Libretto von Durs Grünbein. In sein Textbuch ficht er zwar Originalzitate politischer Funktionäre ein, bleibt über weite Strecken aber dramaturgisch schwach."

Kleine Zeitung

"Zwischen plumper Faschismus-Satire und unheimlichem Geister-Reigen. „Die Weiden“ von Johannes Staud leiden an ihrer Heterogenität und an der Regie. […] Die satirisch-abgründige Gesellschaftsanalyse hat in Österreich Tradition, nicht nur Thomas Bernhard hat gezeigt, wie man Groteske, Analyse und politische Mahnung vernäht. Gemessen an solchen brillanten Überzeichnungen ist Durs Grünbeins Text plump. Obwohl von allerhand Natursymbolik durchtränkt, bleiben „Die Weiden“ bis zum Ärgernis unsubtil. […] Mit Geräuschen, faszinierenden Bläserpassagen, Elektronik und entfesseltem Schlagzeug kreiert Staud Klangszenen, die tiefer blicken lassen als das platte Geschehen. […] Das Orchester unter dem famosen Ingo Metzmacher liefert immer wieder grandiose Abschnitte und sinistre Spannung. Regisseurin Andrea Moses, die schon viel bessere Stücke ruiniert hat als „Die Weiden“, verschärft mit ihrer naturalistisch-grotesken Bebilderung die Probleme des Stücks, das sich nicht zwischen Satire und Gespensterreigen entscheiden will."

Kronenzeitung

"Was Durs Grünbein in Anlehnung an klassische Horrorliteratur von Algernon Blackwell, Joseph Conrad und vor allem H. P. Lovecraft – er bewunderte Hitler – und seinen rassistischen Ideen bieder zusammengebraut hat, lässt nichts aus. Umweltfragen und Blut-und-Boden-Romantik, Politphrasen, Demagogie und Fremdenhass und, und, und. Sie werden da zu einem griffigen Libretto, das sich vielschichtig gibt, aber letztlich einschichtig und in vielem banal bleibt. Mehr enttäuscht aber Johannes Maria Staud, dessen Musik hier relativ wenig Eigenleben zeigt: zerfasert und zerfranst, Phrasen, die man nie im Kopf behält, werden durch bieder-banale Songs aufgepeppt, die aber bloß wie blasse Kurt-Weill-Imitationen wirken."

Wiener Zeitung

"Der Vorhang fällt, der Schlusston schwindet, und es kriecht aus der Stille -  ein matter Applaus. Gewiss, er legt ein wenig zu, wenn die Hauptdarsteller an die Rampe treten, und wenn die beiden Opernschöpfer ihr Gesicht zeigen, schieben sich zwei, drei Buhs und Bravos über den dünnen Applausfilm. Insgesamt aber eine dürftige Ausbeute für die erste große Uraufführung der Wiener Staatsoper seit 2010, für einen Abend, der ein Triumph, ein Fiasko, mindestens aber ein Eklat zu werden versprach. Das Auftragswerk der Wiener Staatsoper leidet unter erheblichen Mängeln: Dem Libretto fehlt das Niveau, der Musik streckenweise der Elan, dem Gesang die Textdeutlichkeit und der Regie jedes Feingefühl."

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