© © Ulrich Seidl Filmproduktion

Fotografie
12/02/2014

Bewegende Standbilder seelischer Abgründe

Die Wiener Galerie OstLicht widmet dem heimischen Regisseur Ulrich Seidl eine Ausstellung.

von Marco Weise

Man kennt sie, die Bilder aus Ulrich Seidls Filmen. Sie gehen einem nicht mehr oder nur schwer aus dem Kopf, lassen einen meist ratlos und schockiert zurück. "Ich liebe es, hautnahe Bilder zu machen. Menschen in ihrer Physis ungeschminkt zu zeigen. Gerade darin, in dem Ungeschönten, liegt für mich so etwas wie Schönheit", sagt der heimische Regisseur über seine Arbeiten.

Ab 4. Dezember werden in der Wiener Galerie OstLicht (Absberggasse 27) 60 ausgewählte Standbilder ausgestellt. "Stills 1998 – 2014" nennt sich die Ausstellung, die die letzten 15 Jahre von Seidls Karriere in den Mittelpunkt rückt. Gezeigt werden Fotos aus "Models", "Hundstage", "Import Export", "Brüder, lasst uns lustig sein", der "Paradies"-Trilogie und zuletzt "Im Keller". Alle Ausstellungsexemplare sind käuflich erwerbbar – einen "echten Seidl" gibt es ab 1900 Euro.

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Entblößung

Zu sehen sind jene Protagonisten, die sich in Seidls Filmen selbst inszenieren und sich unter Anweisung des Regisseurs vor der Kamera seelisch wie körperlich entblößen. Man sieht Sex-Touristinnen am Strand von Kenia, alte Menschen, die im Krankenbett auf den Tod warten, dicke Kinder mit hängenden Bäuchen im Turnsaal oder ein Sado-Maso-Pärchen in der Montur und bei der Arbeit. Der Reiz besteht für Seidl darin, Welten und Lebensentwürfe zu entdecken, die einem sonst eher verborgen bleiben. Dieses Verborgene besucht Seidl seit Jahren mit seiner Kamera. Er dokumentiert neurotische Zwänge, das Scheitern, das Obszöne und geht in den Tiefen unserer Seele spazieren.

Dass seine Alltagsbeobachtungen mitunter für Skandale sorgen, beweist er in seiner aktuellen Arbeit. Stichwort: "Nazi-Keller". In diesem Film ist der fotografische Blick des Regisseurs besonders ausgeprägt: Seidl lässt die Protagonisten bewegungslos und über Minuten in einer Position verharren und erzeugt so Standbilder seelischer Abgründe.

Info: Ulrich Seidl: "Stills 1998– 2014" von 4. 12. bis 14. 2. 2015 in der Wiener Galerie OstLicht.

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