© Tyler Mitchell

Kultur
07/16/2020

Tyler Mitchell: Visionen einer unbeschwerten Welt

Der US-Fotograf visualisiert einen Alltag, in dem Hautfarbe und Herkunft keine Rolle mehr spielen

von Marco Weise

Im September 2018 schoss der damals erst 23 Jahre alte Tyler Mitchell als erster afroamerikanischer Fotograf das Cover in der über 100-jährigen Geschichte der US-Ausgabe der Modezeitschrift "Vogue". Es zeigt die (schwarze) Pop-Sängerin Beyoncé mit einer üppigen Blumenkrone und in einem weißen Kleid von Gucci – wunderschön. Dieses mittlerweile legendäre und andere Bilder dieser Session machten Tyler Mitchell zu einem der wenigen international anerkannten Fotografen mit afroamerikanischen Wurzeln, die in der üblicherweise weiß codierten Welt der Mode-Fotografie Fuß fassen konnten.

Nun veröffentlicht der im US-Bundesstaat Georgia aufgewachsene Künstler mitten in die Black-Lives-Matter-Bewegung hinein ein Fotobuch mit dem Titel „I Can Make You Feel Good“ (Prestel).

Im Zentrum der knapp über 200 Seiten stehen junge Afroamerikaner, die entspannt auf Picknickdecken in grünen Wiesen liegen, das Leben und das süße Nichtstun genießen, einen Drachen steigen lassen, schaukeln und den Hula-Hoop-Reifen um die Hüften kreisen lassen.

Visualisiert werden dabei jene Freiheiten, die sich Tyler Mitchell für junge Schwarze Männer und Frauen in der heutigen Zeit wünscht. Es sind Bilder, die in scharfem Kontrast zu den Ereignissen der letzten Wochen stehen: Seit in Minneapolis ein weißer Polizist den wehrlos am Boden liegenden schwarzen Türsteher George Floyd mit seinem Knie zu Tode würgte, entbrannte die Diskussion über Rassismus und völlig willkürliche Polizeigewalt – nicht nur in den in den USA. Vor dem Hintergrund der weltweiten Proteste gegen tödlichen Rassismus wirken die Fotos von Mitchell surreal und wie aus einer anderen Zeit – aus der Zukunft.

Schwarz und Weiß

Sind die Aufnahmen als eine Art Vision einer besseren Zukunft zu verstehen, in der junge Schwarze das Gleiche tun und lassen können wie weiße Jugendliche?
„Ja und nein“, antwortet Tyler Mitchell auf diese Frage im KURIER-Interview. „Es gibt Bilder, die aufwendig inszeniert wurden. Andere wiederum sind Schnappschüsse, die völlig ungeplant entstanden sind. Sie porträtieren oft fast idyllische Szenen, in denen junge Schwarze einfach eine gute Zeit miteinander verbringen – unbekümmert und unbeschwert“.

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Ausgangspunkt für „I Can Make You Feel Good“ waren Bilder von Fotografen wie Ryan McGinley und Larry Clark, die junge weiße Models – teilweise nackt – beim Spaßhaben in der Natur zeigen. „Das sind wunderschöne Bilder, coole, sinnliche Alltagsszenen mit selbstbewussten jungen Menschen, die ihre Freizeit genießen. Aber zu sehen sind immer nur weiße Menschen“, sagt Mitchell.

Für ihn war das ein Aufruf zum Handeln – er wollte eine Welt schaffen, in der Schwarze ebenso frei sind. „Ich würde es weniger als Gegenerzählung bezeichnen, sondern als eigenständige visuelle Ebene. Eine ,black utopia’, wenn Sie so wollen“, sagt der Fotograf.

Mit seinen Bildern erschafft Mitchell eine Art Traumwelt, in der Hautfarbe und Herkunft keine Rolle mehr spielen, in der ein Leben ohne Diskriminierung und Rassismus, ohne Polizeigewalt und Ungleichheit möglich ist. Seine im soeben vorgelegten Fotoband versammelten Arbeiten sind wichtiger denn je. Es sind Bilder, die befreien sollen.

Zur Person: Tyler Mitchell
Der 25-Jährige wurde in Atlanta, Georgia, geboren und lebt mittlerweile in   Brooklyn. Berühmt wurde er, weil er  Beyoncé  für die September-Ausgabe (2018)  der US-Ausgabe der „Vogue“ fotografieren durfte.

Tyler Mitchell: I Can Make You Feel Good. Prestel. 206 Seiten. 120 farbige Abbildungen. 56, 60 Euro.

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