Zwei Schwestern (Henriette Confurius  und Hannah Herzsprung) verlieben sich in denselben Mann. Oje!

© © WDR/ Bavaria /Frédéric Bati

Die geliebten Schwestern
06/22/2016

Die Utopie einer Liebe zu dritt

Der deutsche Beitrag für die Oscars 2015 ist heute Abend auf ARTE zu sehen.

von Marco Weise

"Die geliebten Schwestern" des deutschen Regisseurs Dominik Graf hatten bei der Premiere keinen leichten Stand. Als der Film Mitte 2014 in die Kinos kam, interessierten sich nur wenige dafür – die Erlöse an den Kinokassen waren überschaubar. Kunstvoll in Szene gesetzt, prächtig ausgestattet, poetisch und sensibel erzählt, lobten die einen. Zu lang, zu blutleer und zu papieren, klagten Kritiker. Auch beim Rennen um den Auslands-Oscar 2015 blieben "Die geliebten Schwestern" in der Vorauswahl auf der Strecke.

Einfach wird es das intensive Kostümepos auch bei seiner TV-Ausstrahlung an diesem Mittwoch auf ARTE (20.15 Uhr) nicht haben, denn parallel werden gleich zwei Vorrundenspiele (Schweden – Belgien und ItalienIrland) der EURO 2016 in Frankreich gezeigt.

Dabei ist die Dreiecksgeschichte, die in Weimar des 18. Jahrhunderts spielt, durchaus sehenswert. Es geht darin um zwei Schwestern (gespielt von Hannah Herzsprung und Henriette Confurius), die sich im Sommer 1788 in denselben Mann verlieben: den Schriftsteller Friedrich Schiller (Florian Stetter). Regisseur Dominik Graf zeigt eine heitere Ménage à trois, die anfangs noch funktioniert, leidenschaftlich und stimmig über die Bühne geht, aber die emotionale Balance gerät nach und nach aus dem Gleichgewicht: Einer der Liebenden muss ja irgendwann auf der Strecke bleiben.

Worte

"Über Gefühle reden, über Liebe zu dritt reden, planen, ein wenig intrigieren, um freie Bahn zu haben. Drei kluge Menschen, jeder von ihnen kompliziert, jeder auf andere Art", sagt Dominik Graf. "Wir leben in einer Zeit, in der scheinbar alles möglich ist, wenn es um Beziehungen geht. Aber diese Geschichte zeigt uns, was wir alles an emotionalem Reichtum seit Schiller verloren haben. Die Hauptrolle im Film spielen die Worte. Es geht darum, wie über Gefühle gesprochen und geschrieben wird", meint der Filmemacher. Und wo Gefühle sind, da ist der Herzschmerz nicht weit. Dieses Hin und Her macht "Die geliebten Schwestern" zu einer Liebesgeschichte mit Sturm- und-Drang-Phasen. Tolle Kostüme und talentierte Schauspieler lassen den Zuschauer dann auch gänzlich in dieses Drama eintauchen. Da können Zlatan Ibrahimović und Co. wohl nur schwer Paroli bieten.

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