Kultur
14.08.2018

TV-Tagebuch: Pilz' Belästigungs-Da capo ohne Erkenntnisgewinn

Nach 50 Minuten Sommergespräch mit Peter Pilz war man so schlau wie zuvor. Aber ein bisschen genervter.

* Disclaimer: Das TV-Tagebuch ist eine streng subjektive Zusammenfassung des TV-Abends.*

Es war keine Überraschung. Der ORF hatte angekündigt, dass Peter Pilz selbst nach all den Skandalen, Vorwürfen und personellen Rochaden am Fragestuhl bei Nadja Bernhard und Hans Bürger in der Wachau platznehmen und seine Partei, die eigentlich keine sein wollte, vertreten werde.

Seine bloße Anwesenheit bei dem Sommergespräch sorgte dennoch für ein diffuses Gefühl von Überraschtheit. Ja, es ist tatsächlich möglich. Ein Belästigungsskandal (ob bewiesen oder nicht) beendet heute nicht mehr zwangsläufig eine Politiker-Karriere.

Vielleicht die einzige große Erkenntnis des TV-Abends.

Alles noch einmal von vorne

Schlag 21.05 Uhr saß Pilz  also da, bestellte ein Wasser „ohne Kohlensäure, bitte“ und  wurde auch prompt mit der Frage konfrontiert, warum er, und nicht Maria Stern, die schon in einer Woche statt ihm den Parteivorsitz übernehmen soll, zum Gespräch gekommen sei. „Das war ihre Entscheidung und nicht meine“, erklärte Pilz.

Nach exakt 4:36 Minuten kam das Gespräch beim Thema Belästigungsvorwürfe an.  

Bernhard: „Wie hat ihr Umfeld darauf reagiert?“, „Würden Sie das heute noch immer so sagen?“, „Haben Sie daraus gelernt?“

Pilz: „Ich habe nie ein Schriftstück gesehen“, „Ich habe immer ein Verfahren gefordert und keines bekommen“, „Ich habe das detailliert dokumentiert“

Zusammengefasst: Das Publikum hörte auf Frage- und Antwortseite einmal mehr ausführlich, was es schon gehört hatte, bekam dafür eine Menge Aufnahmen eines Weingartens im Dämmerlicht serviert - Kontrastprogramm zu den Gesprächen im Glaskasten vor dem Parlament im letzten Jahr quasi.

Die Macho-Skala

Der Listengründer wollte sich schließlich auch nicht, wie von Bürger angeboten, auf einer Skala von 1 bis 10 zwischen Macho und Feminist einordnen, erleichterte genau das den Zuschauern aber sogleich durch folgenden Dialog mit Nadja Bernhard, die ihn eigentlich zu neuen Mobbingvorwürfen der Ex-Liste-Pilz-Abgeordneten Martha Bißmann befragen wollte:

Bernhard: „Ich würde Sie wirklich darum bitten, einfach meine Frage zu beantworten, was Sie dazu sagen.“

Pilz: „Und ich stelle Ihnen jetzt eine ganz einfache Gegenfrage.“

Bernhard: „Wieso stellen Sie mir jetzt eine Gegenfrage?“

Pilz: „Weil ich das will.“

Und dann stellte Pilz eben seine Gegenfrage. Konkret: Wie hätte er denn mobben sollen, wenn er doch nicht einmal dem Parlamentsklub angehörte? Davon abgesehen habe es im Klub permanent Leaks gegeben, sodass man  kaum noch ein offenes Wort hätte sprechen können. Seit Bißmann und ein weiterer Mitarbeiter ausgeschieden seien, sei das nun wieder besser.

Kaum Zeit für Zukunft

Nach knapp 28 Minuten Interview hatte man sich irgendwann doch an parteiinternen Querelen, Pilz‘ Moralvorstellungen, der Umbenennung der Partei, etc. abgearbeitet. Und die Zukunft? Und Inhalte?

Über all die Monster-Themen wie Klimawandel, Zuwanderung, der laut Pilz „völlig missglückten“ österreichischen Ratspräsidentschaft oder den EU-Wahlen 2019 mussten Bürger und Bernhard mit dem schon etwas geplagt wirkenden Listengründer in der kurzen noch verbleibenden Sendezeit sprechen. Und man erfuhr: Ja, zu einigen „überlebenswichtigen Themen“, wie dem Klimawandel, habe man von der Liste Pilz noch nichts gehört. Betonung auf noch. Ja, man werde bei den EU-Wahlen antreten, ein Kandidat stehe aber noch nicht fest. Nein, Zuwanderung dürfe nicht unkontrolliert ablaufen, das Entscheidende sei aber, vor Ort zu helfen. Und nein, die Liste Pilz werde nie mit der FPÖ koalieren.

Bürger versuchte es zum Schluss noch einmal vergebens mit einer Frage nach der Einordnung auf einer Skala zwischen Steirer und Europäer, Bernhard erkundigte sich (vorsichtiger formuliert) danach, ob sich Pilz schon auf die Pension freue. Pilz wiederum versuchte noch irgendwie flott seine wichtige Rolle im Kampf gegen die „Rechtsregierung in Österreich“ unterzubringen, zu seiner Arbeit in den U-Ausschüssen kam er nicht mehr, für die erwartete Inszenierung als Grandseigneur der Opposition blieb ihm schlicht keine Zeit.

Das alles musste so schnell gehen, denn da war ja noch der Karikaturist, der während des Gesprächs (warum nochmal?) mitgezeichnet hatte, und am Ende sein Werk präsentierte. Das konnte man im Fernsehen zwar kaum sehen, und weder Pilz noch die Moderatoren wussten so recht, was sie darauf sagen sollten, Sprachlosigkeit blieb einem nach diesem Sommergespräch aber ohnehin als einzige Option.