Tosender Applaus für "Frau ohne Schatten"

StOp
Foto: Michael Poehn / Wiener Staatsoper Adrianne Pieczonka als famose Kaiserin in Robert Carsens Regie.

Kritik: Endlich steht das märchenhafte Werk "Die Frau ohne Schatten" wieder auf dem Programm der Staatsoper.

Fast zehn Jahre ist es her, dass "Die Frau ohne Schatten" von Richard Strauss zuletzt an der Staatsoper zu hören war. Nun steht dieses 1919 in Wien uraufgeführte märchenhafte Werk rund um Geister und Menschen, das Strauss und vor allem sein Librettist Hugo von Hofmannsthal in der Nähe der "Zauberflöte" gesehen hatten, ebenhier endlich wieder auf dem Programm.

In der psychologischen, ja freudianischen Deutung von Regisseur Robert Carsen – die wurde zwar bei der Premiere 1999 ausgebuht, ist aber nach wie vor faszinierend, nicht nur im Vergleich zur Nicht-Regie von Christof Loy 2011 bei den Salzburger Festspielen.

Und mit Franz Welser-Möst am Pult des Staatsopernorchesters, das dieses Werk definitiv spielt wie kein anderer Klangkörper.

Grandios

Die Farbenpracht, die Dynamik, die großen Bögen sind mitreißend. Und die Soli (von Konzertmeister Rainer Küchl und dem Ersten Solocellisten Franz Bartolomey) sind schlicht grandios! Welser-Möst selbst ist ein intensiver, die Genialität der Partitur fein herausarbeitender Gestalter, der von Aufzug zu Aufzug auch mehr Emotion zulässt.

Bei den Sängern überzeugt jenes Paar am meisten, das schon zuletzt unter Christian Thielemann in Salzburg für Jubel gesorgt hatte: Die hochdramatische, enorm präsente Evelyn Herlitzius als Färberin und der mächtige, aber stets lyrisch bleibende Bariton Wolfgang Koch als ihr Mann Barak. Adrianne Pieczonka ist eine elegante, wortdeutliche Kaiserin. Robert Dean Smith hat als Kaiser große Mühe, sich gegen die orchestrale Kraft durchzusetzen und fällt ab. Birgit Remmert setzt als Amme immerhin einige beachtliche Akzente. Unter den Sängern der kleineren Partien stechen Wolfgang Bankl (Geisterbote) und Norbert Ernst (in mehreren Rollen) heraus.

Das Publikum applaudierte, als hätte es die erfolgreichste Premiere seit langem erlebt.

KURIER-Wertung: **** von *****

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(kurier) Erstellt am
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