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Kultur
07/01/2012

Toooor! Alle lieb(t)en König Fußball

Zeit, Bilanz zu ziehen: Die Fußball-EM interessierte in Österreich bis zu 1,7 Millionen Zuschauer – darunter viele Junge und Frauen.

von Anna Gasteiger

Das bisher meistgesehene Spiel der EM war (wenig überraschend) der Halbfinalknüller Deutschland gegen Italien. Durchschnittlich sahen 1,399 Millionen ORF-Seher die Begegnung am vergangenen Donnerstag. Dazu kommen weitere 340.000, die das Spiel im deutschen Fernsehen verfolgten – zusammengerechnet ergibt das die beachtliche Summe von etwa 1.740.000. Nicht eingerechnet sind jene Menschen, die das Spiel beim Public Viewing sahen.

Besonders hoch waren die Marktanteile bei den ganz jungen Zuschauern . ORFeins erreichte mit dem Match durchschnittlich 51 Prozent der über 12-Jährigen – und 62 Prozent der 12-bis 29-Jährigen. Unter den Top-5-Spielen der EM liegen drei, an denen die deutsche Nationalmannschaft war.

80 Prozent der österreichischen Männer und 77 Prozent der österreichischen Frauen hätten in den letzten Wochen zumindest eine Minuten eines EM-Spiels gesehen, rechnet der ORF. Anders ausgedrückt: Nur 20 bzw. 23 Prozent waren Totalverweigerer (oder zogen ARD/ ZDF konsequent vor).

ORF-General Alexander Wrabetz freut sich über die "beeindruckenden Zahlen". Und darüber "dass wir auch mit kulturellen Highlights wie der Sommernachtsgala aus Grafenegg oder der umfangreichen Berichterstattung zur Schicksalswahl in Griechenland beim Publikum punkten konnten."

Seherinnen

Ein Klischee trifft (fast) nicht mehr zu: dass nur Männer Fußball schauen. Bei der EM lag der Anteil weiblicher Seher durchschnittlich bei 39 Prozent. Deutlich höher, als bei anderen Fußballbewerben. Die Bundesliga erreicht im Schnitt 30 Prozent, die Champion`s League 33 Prozent. Auffallend ist auch, dass Frauen selektiver schauen als Männer. Während sich für die EM-Vorrundenspiele nur 38 Prozent der Zuseherinnen erwärmen konnten, sahen 47 Prozent die zweite Hälfte des Halbfinalspiels Deutschland gegen Italien am Donnerstag.

Stolze 76,8 Prozent Marktanteil – das entspricht knapp 28 Millionen Zuschauern – erreichte das Match in Deutschland . Es war damit auch dort das meistgesehene Spiel der heurigen EM. Den Rekord hält aber immer noch das WM-Finale Deutschland/ Spanien 2010.

ORF: Der Sprache wegen

Trotz Thomas Königs alemannischen Näselns; trotz Boris Jirkas spitzer Torschreie; trotz Michael Roschers atemloser Erregtheit; trotz Oliver Polzers entgleisenden Wortwitzes; trotz dem Herbert Prohaska seinen Fallfehlern; trotz Rainer Pariaseks selbstverliebten Dauerschmunzelns; trotz Bernhard Stöhrs Sakkos; trotz "Gernots Verlängerung"; trotz höchst seltsamer Studiografiken: Ich schau Fußball lieber im ORF als auf deutschen Sendern. Warum? Das lässt sich leicht anhand eines Beispiels erklären: Eine Fußball-Party unter Intellektuellen. Alle beschließen, man müsse ARD schauen. Nach 20 Minuten wird kleinlaut zum ORF gewechselt. Weil man lieber eine Sprache hört, die man selber auch beherrscht. Und im Übrigen haben die sehr anständige Arbeit geleistet. – Guido Tartarotti

ZDF, ARD: Der Substanz wegen

Das Match der Kommentatoren endet Remis. Auf der Skala zwischen Qualität und Unerträglichkeit schöpfen alle drei Sender aus dem Vollen. "Waldis Klub", ein als launiger ARD-Stammtisch getarntes Peinlichkeits-Sedativum, wäre eine Konter-Chance für den ORF gewesen . "Gernot’s Verlängerung" ist statt dessen ein grandioses Eigentor. Holger Badstuber beim Frühstück zuzusehen, kann nicht öder sein. Die Überlegenheit von ARD und ZDFoffenbart sich aber in den Vorberichten, die viel näher am Ball sind, und in den Analysen. Was die Experten dort zu sagen haben, ist nicht nur flotter formuliert, sondern auch substanziell. Die grafische Aufbereitung der Spieltaktik ist detaillierter und umfangreicher. Für Liebhaber des Fußballs ist ein TV-Besuch beim Nachbarn daher ein aufg’legter Elfer. – Michael Hufnagl

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