Kindheitserin­ne­run­gen an den Ku-Klux-Klan

Author Toni Morrison laughs during an interview ab…
Foto: AP/Bebeto Matthews Toni Morrison erhielt 1993 den Nobelpreis für Literatur

In "Heimkehr"geht es nun um Alltagsrassismus in den Fünfzigern, wo Schwarze im Bus hinten sitzen müssen.

Es ist 42 Jahre her, dass Toni Morrison ihren bahnbrechenden ersten Roman veröffentlichte. "Sehr blaue Augen" erzählt eine Geschichte von Selbsthass und Inzest in der schwarzen Community. Alles würde gut, glaubt ein Mädchen, wenn es nur blaue Augen hätte.

Gewalt und die psychologischen Folgen der Sklaverei zählen seit mehr als vier Jahrzehnten zu den großen Themen der heute 83-jährigen Literaturnobelpreisträgerin. Morrisons wortgewaltige Anklagen von Rassismus und Sexismus würden sie, so schrieb die New York Times, zur "Nationalschriftstellerin" machen – wenn denn Amerika so etwas hätte.

Widersprüchlich

In "Heimkehr" (2012 in den USA unter dem Titel "Home" erschienen) geht es nun um Alltagsrassismus in den Fünfzigern, wo Schwarze im Bus hinten sitzen müssen und von Weißen höchstens auf die Veranda, aber nie ins Haus gebeten werden.

Drei Freunde aus einem rassistischen Kaff in Georgia ziehen in den Korea-Krieg, nur einer von ihnen, Frank Money, kehrt zurück.

Was für eine "Heimkehr".

… Foto: cover Toni Morrison: 'Heimkehr'. Aus dem Englischen von Thomas Piltz. Rowohlt. 160 Seiten. 19,50 Euro. Morrisons neues Buch ist schmal geraten. Sie braucht nicht viel Platz, um Großes zu erzählen. Auf zwei Ebenen (in der Rahmenhandlung treibt Protagonist Frank die Erzählerin an: "Schreib das!") berichtet Morrison von widersprüchlichen Heimat-Gefühlen. Die Verzweiflung überwiegt über die Geborgenheit, wenn du deine Kindheit auf Baumwollfeldern verbringst. Wenn deine früheste Erinnerung jene an den Ku-Klux-Klan ist, der deine Familie und alle anderen Schwarzen aus deinem Dorf in Texas vertrieben hat. Wer nicht gehen wollte, wurde ermordet, wie der Nachbar, den sie an seiner alten Magnolie aufgehängt und dem sie die Augen ausgestochen haben.

Was bleibt, ist die Flucht in den Krieg. Für ein Land, das einen, wenn man zurückkommt, zum Dank ins Irrenhaus sperrt, weil man traumatisiert ist und sein Leben nicht mehr auf die Reihe bekommt. Frank Money scheint es gerade noch geschafft zu haben, als erfährt, dass seine kleine Schwester in Gefahr ist. Cee, sein Ein und Alles, gerät in die Hände eines Arztes, der an ihr Menschenversuche unternimmt. Kaum zu glauben, dass in dieser Geschichte am Ende doch noch so etwas wie Geborgenheit Platz hat.

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(kurier) Erstellt am
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