© APA/AFP/CHRIS DELMAS

Interview
07/18/2020

Tom Hanks über Donald Trump: "Der Sturm ist da"

Der Schauspieler im Interview über die US-Wahl, Corona und seinen neuen Film „Greyhound“.

von Elisabeth Sereda

Tom Hanks war gerade dabei, mit einem Dreh in Australien zu beginnen, als er und Ehefrau Rita Wilson die ersten prominenten Corona-Infizierten wurden. Aus heutiger Sicht hatten beide einen leichten Verlauf. Nach seiner Rückkehr in die USA wollte er die Promotion für sein Kriegsdrama „Greyhound“ beginnen, das in die Kinos kommen sollte. Die Pandemie durchkreuzte diese Pläne, und der Film landet auf dem Streamingdienst Apple TV+.

Im Interview spricht Hanks nun über den Film, die neue Realität, Black Lives Matter und das Virus.

KURIER: Wie haben Sie die vergangenen Monate überstanden?

Tom Hanks: Wir gehen alle durch dasselbe durch. Das ist eine große Angleichung, denn niemand ist davor geschützt, niemand kann der Gefahr entkommen. Aber die meisten Menschen leiden viel mehr als ich, ich bin unendlich dankbar, dass ich ein Level an Sicherheit habe, auf das die wenigsten zählen können. Ich war zwar auf seltsame Art das Versuchskaninchen, aber jetzt kann auch ich mir nicht sicher sein, dass ich noch immun bin. Wir sind wieder am Anfang, soviel ich lese und höre. Ich leiste halt meinen Teil, indem ich Schecks an Charitys ausstelle, damit Menschen geholfen werden kann, die nicht genug zu essen haben.

Wie schafft es Ihre Frau Rita Wilson, eine Brustkrebsüberlebende, die dann Corona überstanden hat, so positiv zu bleiben, und auch noch Musik zu machen?

Meine Frau findet ihre innere Stärke in ihrem puren Glücksgefühl. Sie liebt es, Musik zu schreiben, zu singen, zu kreieren. Was sie in den letzten 10 Jahren geschafft hat, ist in Summe vergleichbar mit den Beatles und Carly Simon. Für mich ist das manchmal ermüdend, aber sie ist nicht zu stoppen. Also trage ich ihr den Lipgloss hinten nach und sage ihr, wo sie ihr Handy hingelegt hat.

Sprechen wir über Ihr neues Werk, „Greyhound“, ein Kriegsfilm auf hoher See, in dem Sie wieder mal einen Kapitän spielen, auch wieder den Retter. Was zieht Sie zu solchen Rollen hin?

Es gibt eine gewisse Art von Film, die mich anzieht, das stimmt. Und nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Zuschauer. Natürlich habe ich auch Rollen wie Robert Langdon im „Da Vinci Code“ gespielt, ein Abenteuer, das es uns leicht macht, für zwei Stunden der Realität zu entfliehen. Aber ich gehe ins Theater, ich lese ein Buch und ich denke gern nach. Ich werde in einer Woche 64, und ich möchte immer noch herausgefordert werden. Von den Filmen, die ich mache und denen, die ich sehe.

Auf einmal ging der Film ins Streaming. Wollten Sie das?

Dass unser Film nicht ins Kino kommt, dass er nicht so gezeigt werden kann, wie er es verdient, bricht mir das Herz. Wir hätten am 8. Juni ins Kino kommen sollen, eine Woche nach „Top Gun“. Die perfekte Premiere zwischen zwei Blockbustern. Und dann begann die Pandemie, die alles veränderte, und wir mussten entscheiden, was wir machen würden. Eine Plattform finden, die von genug Menschen gesehen wird, damit unser Film nicht zu einem Museumsstück über die Jahre 1940, 1942 verkommt.

2016 fragte ich Sie, ob Sie glauben, dass Donald Trump ein zweiter Berlusconi werden könnte. Sie sagten, „Nein, ich habe Vertrauen in die Menschheit.“ Wie denken Sie heute?

Heute weiß ich, dass wir unseren Teil tun müssen. Es gibt ein Zitat des irischen Staatsmannes und Philosophen Edmund Burke: „Das einzige, was für den Triumph des Bösen nötig ist, ist, dass gute Menschen nichts tun.“ Ich denke, manchmal kriegt Amerika die Regierung und die Politiker, die es verdient. Wir haben in Kürze die Chance zu entscheiden, ob der US-Präsident dem Eid, den er geschworen hat, auch Rechnung getragen hat. Meiner Meinung nach hat er das nicht. Die wichtigste Wahl unseres Lebens ist immer die nächste. Der, der den Wind sät, wird den Sturm ernten. Und der Sturm ist da.

Haben Sie die Proteste überrascht und glauben Sie an nachhaltige Veränderungen der Gesetze?

Die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten wurde von weißen Männern unterschrieben, von denen die Hälfte Sklavenbesitzer und Millionäre waren, die keine Steuern zahlen wollten. Wie hätten die also ein Amerika für alle Amerikaner erschaffen können? Und wir haben uns nicht verändert. Bis jetzt. Denn jetzt haben wir die Arbeit vor uns, das Motto zu erfüllen, auf dem unser Land aufgebaut ist, nach dem aber bisher nie gehandelt wurde. George Floyd steht für ein Ereignis, das nicht nur in Tragödie gewickelt ist, sondern auch in der Hoffnung, dass wir es diesmal endlich richtig machen.

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