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Theresia Walser
04/08/2014

Die Jüngste aus dem Walser-Clan

Die Dramatikerin über ihr Diktatoren-Gattinnen-Stück und ihre berühmte Familie.

von Barbara Mader

In Österreich gilt sie noch als Geheimtipp, in Deutschland ist Theresia Walser längst ein Theaterstar: 1967 in Friedrichshafen am Bodensee geboren, wurde die Dramatikerin mehrfach ausgezeichnet und schon früh in Kritikerumfragen zur "Autorin des Jahres" gekürt.

Walser stammt aus einer bemerkenswerten Familie: Sie ist die jüngste Tochter des Schriftstellers Martin Walser. Ihre älteste Schwester Franziska ist Schauspielerin, die beiden anderen, Johanna und Alissa, sind ebenfalls Schriftstellerinnen. Ihr Halbbruder ist der Journalist Jakob Augstein.

Derart künstlerisch vorbelastet, schlug Theresia Walser zunächst einen anderen Weg ein und wurde Altenpflegerin, bevor sie eine Schauspielausbildung absolvierte. In Wien sind derzeit zwei ihrer Stücke zu sehen. Das Kosmos Theater zeigt die wortgewaltige Existenzialismus-Groteske "Die Liste der letzten Dinge". Im Schauspielhaus feiert am Donnerstag ihr Diktatoren-Gattinnen-Stück "Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel" Österreich- Premiere.

KURIER: Frau Walser, abgesehen von Ihren Diktatoren-Gatten: Was haben Imelda Marcos, Margot Honecker und Leila-Ben Ali gemeinsam?

Theresia Walser: Alle drei haben großen Machtwillen. Und sie haben auch große Macht besessen. Von außen standen sie in der zweiten Reihe, aber es kann gut sein, dass die eine oder andere die wirkliche Drahtzieherin war. Sie waren mehr als Ehefrauen.

Manche Leute behaupten, die Welt wäre besser, wenn mehr Frauen an der Macht wären.

Ja, jetzt will man uns auch noch mit diesem Rucksack belasten ...

Glauben Sie, dass diese drei Frauen unter anderen Umständen das Böse auch alleine zuwege gebracht hätten?

Mit Sicherheit! Das war ja auch eine Motivation, dieses Stück zu schreiben. Ich habe ein ähnliches über drei Männer geschrieben, die sich darüber unterhalten, wie man Hitler darstellen kann und ob man das überhaupt darf ("Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm"). Ich habe ein ähnliches Stück für Frauen gesucht und die "Äpfel" geschrieben.

Zu welcher Antwort sind Sie gekommen? Kann und darf man Hitler darstellen?

Es ging mir gar nicht so sehr um die Antwort per se, sondern um die Diskussion, die viel mit dem Theater selbst zu tun hat: Das Sprechen darüber, wie man die Unmöglichkeit darstellt.

Zurzeit ist in Wien auch Ihr Stück "Die Liste der letzten Dinge" zu sehen. Darin geht es um zwei Frauen, die auf das Ende warten, ähnlich wie bei Beckett. Ist es Ihnen ein Anliegen, Frauen in die erste Reihe zu stellen?

Ja, naturgemäß, denn ich habe als Schauspielerin angefangen zu schreiben und wollte mir selbst Rollen schreiben. Erst nach und nach hab ich gemerkt, dass das Schreiben mir schon genügt, es bedeutet mir so viel, dass ich diese Rollen gar nicht mehr spielen muss.

In Deutschland wird Ihre Familie gerne als "Walser-Clan" bezeichnet. War Ihr erster Bildungsweg Altenpflege eine Reaktion auf diese starke künstlerische Vorgabe?

Das kann sein, dass das ein Abtauchen in eine andere Welt war. Ich denke schon.

Ist diese so berühmte Familie ein Bürde?

Das weiß ich nicht, ich kenne ja nichts anderes. Es wird einem aber oft von außen suggeriert, dass das eine Bürde zu sein hat. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit.

Über das Stück


„Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ soll der libysche Revolutionsführer Muammar al Gaddafi gesagt haben, und so nennt auch Theresia Walser ihr Stück über die abgehalfterten Diktatoren-Gattinnen, die bei einer Pressekonferenz über die geplante Verfilmung ihres Lebens sprechen sollen. Imelda Marcos, Witwe des philippinischen Diktators Ferdinand Marcos, Margot Honecker, Ministerin für Volksbildung der DDR und Witwe des Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, und Leila-Ben Ali, Ehefrau des 2011 gestürzten tunesischen Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali. Allen dreien ist gemeinsam, dass sie keineswegs nur repräsentativ tätig waren und ihnen das Bewusstsein für die Fatalität ihres politischen Handelns fremd geblieben ist. Sie präsentieren sich ohne Einsicht in ihre Taten, ohne Reue für ihre Opfer.
Sebastian Schug führt Regie bei der Österreich-Premiere am 10. April im Schauspielhaus. Mit Franziska Hackl, Katja Jung, Nicola Kirsch, Florian von Manteuffel.

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