Roland Geyer:  „Wenn in Wien die derzeitige Inzidenz von 94 noch weiter sinkt, erwarte ich mir entsprechende Lockerungen im Wiener Theaterleben“

© Theater an der Wien/Sabine Hauswirth

Oper
02/02/2021

Opernchef Geyer: "Besser vier Wochen spielen als gar nicht"

Theater-an-der-Wien-Chef Roland Geyer plädiert für eine Öffnung der Bühnen „spätestens Anfang März“

von Georg Leyrer

Wenn die Museen am 8. Februar wieder aufmachen dürfen, ist das für den Chef des Theaters an der Wien, Roland Geyer, ein „wichtiges Zeichen“. Aber „man öffnet damit nur die Begegnung mit toten Objekten. Wir Menschen wollen – geschützt und mit sicherem Abstand – Menschliches erleben. Deshalb müssen auch die großen Theater- und Konzerthäuser mit den genauso sicheren Präventionskonzepten unmittelbar nachfolgen“, sagt Geyer zum KURIER. Der Intendant spricht hierbei von „spätestens Anfang März“.

KURIER: Die Bühnen pochen darauf, dass es keine Fälle gegeben habe. Aber ist es nicht so, dass man einfach nicht weiß, ob es Fälle gegeben hat – weil das Contact Tracing seit vielen Monaten nicht mehr funktioniert?

Roland Geyer: Ich sehe das Risiko gering, weil unsere ausgeklügelten Präventionskonzepte funktionieren – sowohl im Publikumsbereich als auch in unserer Künstlerschaft. Wir haben zum Beispiel bei unserer letzten vor Publikum gespielten Produktion „Porgy and Bess“ mit einem rund hundertköpfigen Ensemble aus vier Kontinenten keinen einzigen positiven Fall bei regelmäßigen zweimaligen Tests pro Woche gehabt. Und es gab auch bei den zehn coronareduzierten ausverkauften Vorstellungen keine Ansteckungen oder Cluster im Publikum. Dazu gibt es eine aktuelle Studie des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts, die das Risiko einer Ansteckung mit FFP2-Maske im Schachbrettsitzplan mit nahezu Null beurteilt.

Aber was sagen Sie zum aktuellen Cluster in der Wiener Staatsoper (siehe unten, Anm.)?

Die Frage des Aufsperrens betrifft in erster Linie die Sicherheit des Publikums. Gerne stelle ich so bald als möglich diese Null-Fälle-These im Theater an der Wien wieder unter Beweis.

Die österreichischen Bühnen haben sich gemeinsam an die Regierung gewendet – da erwartet man ein lautstarkes Aufbegehren, es war aber eher eine Wiederholung bekannter Positionen. War das ausreichend?

Ich kann hier natürlich nur von meiner Perspektive aus sprechen, und ich finde es essenziell, dass die Theater früh öffnen, sogar mit dem Risiko, dass wir wieder als Erste bei einem nächsten Lockdown schließen müssten. Daher war das Positionspapier aus meiner Sicht nicht ausreichend, aber es wurde positiverweise ein Konsens in der großen Runde gefunden, der die vielen Interessen vereint.

Also aufsperren mit dem Risiko, wieder zuzumachen?

Besser jetzt aufsperren und vier Wochen spielen als gar nicht. Im Moment überbrücken wir die Coronatäler mit In-den-Screen-Starren, anstatt sie sicherheitsadäquat mit kulturellem Leben aufzufüllen.

Datum gibt es keines für die Bühnen. Wie werten Sie das?

Wie die Politik mit der selbst ernannten „Kulturnation Österreich“ umgeht, ist leider eine (Ent-)Täuschung. In guten Zeiten schmückt man sich gerne mit den schönen Künsten. Jetzt in der Krise wird zwar löblicherweise mit Ausgleichszahlungen und Überbrückungsgeldern das Überleben „almosiert“, aber man vergisst darüber, dass der Künstlerberuf vorwiegend kein monetärer, sondern ein berufener Job ist.

Aber steht nicht die Pandemie einfach dagegen?

Wenn die Politik mit dem Theater-Lockdown eigentlich nur die Mobilität der Bevölkerung reduzieren will, dann soll man das auch so sagen und nicht das Infektionsrisiko beim Theaterbesuch vorschieben. Paradoxerweise zeigt sich gerade, dass diese lauteren Versuche nur wenig fruchten und sich die Menschen im Gegensatz zum ersten Lockdown derzeit nur mehr minimal einschränken lassen.

Wie stehen Sie zum Eintrittstesten?

Prinzipiell befürworte ich das Eintrittstesten – gerade bei der Wiederöffnung – und es wird in Zukunft politisch nicht ohne gehen. Aber ich möchte trotzdem auch und langfristig auf die FFP2-Masken bauen – und vorerst beides verlangen. Wir haben dazu auch viele Rückmeldungen von unseren Abonnenten, die bereit wären, sich vor einem Opernbesuch testen zu lassen und FFP2-Masken zu tragen. Gerade in Wien gibt es ein sehr gutes Angebot für kostenlose Tests.

Und mittelfristig?

Wenn in Wien die derzeitige Inzidenz von 94 noch weiter sinkt, erwarte ich mir entsprechende Lockerungen im Wiener Theaterleben, sodass Andrea Breths Inszenierung vom „Feurigen Engel“ ab 17. März vor reduziertem Publikum stattfinden kann – denn Musiktheater muss wieder live erlebbar sein!

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