Das Theater an der Wien: der Bühneneingang

© Kurier/Gerhard Deutsch

Kommentar
04/27/2020

Theater an der Wien bittet um Spenden (und wer wirklich um seine Existenz bangt)

Trenkler Tratsch: Die Vereinigten Bühnen Wien, ein stadteigener Konzern, bitten in der Corona-Krise selbst Arbeitslose um Geld.

von Thomas Trenkler

600.000 Menschen sind derzeit arbeitslos, weitere 900.000 wurden in Kurzarbeit geschickt, sie bekommen daher bis zu 20 Prozent weniger Gehalt. Keine rosigen Zeiten. Hilfsorganisationen bitten daher um Unterstützung – für die Ärmsten.

Auch Eltern, mit denen Ihr Tratschpartner befreundet ist (er darf nur mehr halbtags arbeiten, sie hat als Autorin nun kein Einkommen), bekamen einen personalisierten Bettelbrief zugeschickt. Bereits in der Überschrift signalisiert der freundlich lächelnd abgebildete Briefschreiber: „Bitte helfen Sie uns in dieser schweren Zeit!“

Weiter unten steht in fetten Buchstaben, dass diese Krise „verheerende finanzielle Auswirkungen“ haben werde – auch für das Haus, für das er sich verwendet. „Die Wucht, die uns hier treffen wird, ist noch gar nicht richtig abzuschätzen.“ In dieser „Notlage“ bittet der Briefschreiber den Adressaten „als Freund“ – ja, tatsächlich! – „herzlich um Unterstützung“. Der Mann bettelt aber nicht, wie andere, um ein Almosen: Er schlägt gleich einmal eine Spende von 60 Euro vor.

Mit diesem Geld werden jedoch keine Schutzmasken gekauft oder Not leidende Menschen unterstützt: Franz Patay bittet um Zuwendungen für das Theater an der Wien, dessen Logo er als Briefkopf verwendet.

Aufgrund der im März verordneten Schließung würde, so Patay, „ein großes Budgetloch“ entstehen. In einer Presseaussendung bezifferte er den Einnahmeverlust bis Ende Juni mit einer Million Euro. Die Kosteneinsparungen (z.B. bei Strom und Reinigung) hat er jedoch nicht erwähnt. Zudem ist das Personal – mit Ausnahme von „Schlüsselkräften“ – in budgetschonender Kurzarbeit.

Abgesehen davon gehört das Theater am Naschmarkt zu den Vereinigten Bühnen Wien. In den anderen beiden Häusern der VBW, dem Ronacher und dem Raimund Theater, werden normalerweise Musicals gezeigt. Patay ist zwar als Geschäftsführer für alle drei Bühnen verantwortlich. Er wirft sich aber bloß für das renommierte Theater an der Wien in die Schlacht. Ihr Tratschpartner kann über den Grund nur mutmaßen: Vielleicht sind kommerzielle Musicals für spendenwillige Personen kein besonderer Anreiz, um in die Tasche zu greifen. Doch auch wenn man nur die Oper für unterstützungswert halten sollte: Die Spende fließt nicht direkt an das Theater an der Wien, sondern, wie man dem beigelegten Erlagschein entnehmen kann, auf das VBW-Konto.

Hinzu kommt, dass die VBW als Teil der Wien Holding der Stadt Wien gehören. Sie sind der mit riesigem Abstand größte Subventionsempfänger im Kulturbereich: Heuer erhält der Konzern die gleiche Summe wie im Vorjahr (40,2 Mio. Euro), obwohl weit weniger Vorstellungen geplant waren, da das Raimund Theater bis zum September wegen Sanierungsarbeiten geschlossen ist.

Wie die Erfahrung lehrt, steht die Stadt wie ein Einser zu den VBW. Man muss sich keine Sorgen um den Fortbestand machen. Die VBW brauchen daher auch nicht tricky um Spenden betteln.

Unterstützung brauchen all jene Kulturinstitutionen und Künstler, die nicht unter der Schirmherrschaft der Stadt stehen und tatsächlich um ihre Existenz bangen müssen. Zu denen gehört u.a. auch Michael Niavarani, der das Globe und das Simpl bespielt hat – ohne Unterstützung des Steuerzahlers.

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