Ein Spiel im und mit dem Spiel: Für die österreichische Erstaufführung  der Oper „The Tempest“ von Thomas Adès stellt der kanadische Starregisseur die Mailänder Scala auf die Bühne der Wiener Staatsoper

© /Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

"The Tempest" am Ring
06/14/2015

Robert Lepage: "Wir müssen einen Event schaffen"

Regisseur Robert Lepage zeigt seine gefeierte Inszenierung von Thomas Adès’ "The Tempest" am Ring.

von Peter Jarolin

Am Sonntag verwandelt sich die Wiener Staatsoper für einige Stunden in die berühmte Mailänder Scala. Die ist nämlich der Schauplatz, an dem Regisseur Robert Lepage die Oper "The Tempest" des britischen Komponisten Thomas Adès spielen lässt. Dass es bei der bereits in Quebec und an der New Yorker MET – die Staatsoper ist Koproduzent – gefeierten Produktion auch opulent-stürmisch zugeht, liegt auf der Hand. Denn der frankokanadische Theatermagier Robert Lepage ist für seine visionären Bilderwelten bekannt und legt im KURIER-Gespräch ein Bekenntnis ab: "Wir müssen einen Event schaffen, ein Gesamtkunstwerk im Sinne Wagners."

Lepage präzisiert: "Das ist ganz ernst gemeint. Als Theaterschaffende haben wir uns doch ständig die Frage zu stellen: Warum sollten die Menschen ausgerechnet in unsere Aufführung gehen? Überlegen Sie doch, was für einen Aufwand ein Theater-oder Opernbesuch darstellt! Man muss Karten kaufen, die oft nicht billig sind. Man sollte sich schön anziehen, eventuell muss man einen Babysitter engagieren, nachher einen Platz in einem Restaurant bestellen, und oft verbringt man dann viele Stunden in einem Opernhaus, sitzt da, soll zuhören und auch noch mitdenken. Ich finde, da hat die szenische Seite geradezu die Verpflichtung auch für das Auge etwas Außergewöhnliches zu schaffen. Sonst kann man ja gleich zu Hause bleiben und sich eine CD einlegen."

Gesamtkunstwerk

Und warum sollten die Menschen ausgerechnet in "The Tempest" gehen? "Weil Thomas Adès hier eine Musik, eine Oper geschrieben hat, die bleiben wird. Weil wir exzellente Sänger haben und weil es auch wirklich etwas zu sehen gibt. Ich glaube, wir sind dem Ziel ‚Gesamtkunstwerk‘ recht nahe gekommen, obwohl das im Repertoirebetrieb nicht immer einfach ist."

Stichwort "Gesamtkunstwerk": An der New Yorker MET hat Lepage vor einigen Jahren eine viel diskutiere Inszenierung von Richard Wagners "Ring des Nibelungen" abgeliefert – angeblich der teuerste "Ring" aller Zeiten. Lepage: "Das weiß ich nicht. Aber es war für mich eine große Freude, dieses herrliche Monstrum auf der Bühne zu bändigen. Ich kann mich erinnern, dass man mir vorgeworfen hat, die Bühnentechnik habe zu viele Geräusche gemacht. Aber bitte was soll das? Bei einer Live-Aufführung sind echte Menschen auf der Bühne, die nicht nur singen, sondern auch Geräusche machen. Und wer von vornherein mit einer Partitur in die Oper kommt, um zu lesen, statt zu sehen und zu hören, der sollte besser zu Hause bleiben. Da wird er beim Lesen nicht durch das Leben an sich gestört."

An die überaus lebendige zeitgenössische Oper glaubt Lepage fast bedingungslos. "Sicher ist nicht alles gut, aber es gibt viele Werke, die es verdient haben, gezeigt zu werden. Neben ‚The Tempest‘ ist das etwa "L’Amour de loin" der finnischen Komponistin Kaija Saariaho. Diese Oper mache ich demnächst in meiner Heimat Quebec."

Und gibt es auch wieder Pläne für Wien? Immerhin hat Lepage vor zwei Jahren bei den Festwochen den ersten Teil seines Theaterzyklus’ "Playing Cards 1: Spades" präsentiert. Lepage lachend: "Ich würde sehr gern auch ,Playing Cards 2: Hearts" in Wien zeigen. Ich finde, dieser Teil ist noch besser geworden als der erste. Aber wir werden sehen. Im Moment bin ich mit meinem Solo beschäftigt. Bei ‚887 – Je me souviens‘ stehe ich auf der Bühne und beschäftige mich mit sehr persönlichen Erinnerungen an meine Kindheit in den 1960er-Jahren. Das ist etwas ganz Intimes, es muss ja nicht immer alles groß sein."

Adès: „The Tempest“

Werk Die Oper „The Tempest“ („Der Sturm“) des englischen Komponisten Thomas Adès basiert auf dem gleichnamigen Stück von William Shakespeare und wurde 2004 im Londoner Royal Opera House Covent Garden uraufgeführt. Das Libretto stammt von Meredith Oakes.

Produktion Die Regie am Ring kommt aus Quebec und von der New Yorker MET, wo sie 2012 Premiere hatte. In Wien dirigiert Adès.

Besetzung Es singen u.a.: Adrian Eröd (Prospero), Audrey Luna (Ariel), Stephanie Houtzeel (Miranda), David Daniels (Trinculo), Thomas Ebenstein (Caliban), Pavel Kolgatin (Ferdinand), Herbert Lippert (König von Neapel).

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