The Cure in Wien: Tolles Konzert, miese Halle

Cure
Foto: KURIER/Franz Gruber Robert Smith, 57: Seine Cure sind eine One-Man-Show.

Robert Smith und seine Band überzeugten beim Wien-Konzert.

Als musikalischer Marathon entpuppte sich das Cure-Konzert Mittwoch in der Marx Halle in Wien. Rund drei Stunden stand Robert Smith, Mastermind der  britischen Goth-Kult-Band mit seinen Musikern auf der Bühne und ließ keine Wünsche der Fans offen. Nicht von Programm her, das alle Hits wie  „Lullaby“, „Never Enough“ und „Pictures Of You“ inkludierte, sonst im Wesentlichen aus den Single-Veröffentlichungen zusammengesetzt war und so ein Querschnitt durch die besten Songs der Gruppe war.

Auch nicht von der Ausführung her: Zwar wirken The Cure heutzutage nach vielen Besetzungswechseln wie eine Begleitband des Solo-Künstlers Robert Smith. Aber auch wenn sich diese Musiker - mit Ausnahme des Längstdienenden, Bassist Simon Gallup -  dezent im Hintergrund halten, sind sie mit ihrem Können extrem wichtig für Smith. Versiert und präzise setzen sie Feinheiten der variantenreichen rhythmischen Strukturen um, die ihr Boss in seine Songs geschrieben hat. Herausragend dabei: Drummer Jason Cooper und Gitarrist Reeves Gabrels, der erst seit 2012 dabei ist, aber seine entfesselten, rasenden Soli davor 13 Jahre lang für David Bowie spielte.

Ebenso bemerkenswert ist Robert Smith selbst. Natürlich ist das Struwwelpeter-Haar schütterer geworden und der rote Lippenstift nicht mehr so knallig, wie anno dazumal. Die Stimme des 57-Jährigen aber hat sich kein bisschen verändert. Immer noch ist sie sehnsüchtig, mysteriös und angstvoll. Immer noch so stark in Ausdruck und Charakter, dass sie die 10.000 Besucher in der ausverkauften Marxhalle schnell in ihren Bann zieht. Und das muss sie auch leisten können. Denn – und auch da hat sich nichts geändert – Smith steht nach wie vor das ganze Konzert lang stoisch vor dem Mikro und spricht kaum etwas zwischen den Songs. Faszinierend, wie er so Begeisterung entfacht, obwohl er selbst alles andere als begeistert wirkt.

Perfekt dazu: Die reduzierte Show mit tollen Lichteffekten und einer LED-Wand, die mit stilisierten Landschaften und (für Goth-Helden erstaunlich bunten) Farb-Abstraktionen nur Highlights setzt. Sonst zeigt sie das Live-Geschehen auf der Bühne. Oft auch gar nichts, weil es nicht notwendig ist. Das, was da an musikalischer Qualität von der Bühne kommt, braucht keine optische Aufwertung.

So war der einzige Schwachpunkt des Konzerts der Austragungsort Marx Halle. In dem flachen, öden Schlauch-Bau ohne geeigneter Infrastruktur kann von 10.000 Besuchern vielleicht ein Drittel halbwegs gut sehen. Schon der Einlass brachte Wartezeiten bis zu 45 Minuten. Drinnen mit viel zu wenigen Getränkeständen und Toiletten hieß es für die Fans dann nochmals - und immer wieder - Geduld bewahren. Aber zumindest war der Sound hier wenn schon nicht optimal, doch besser als bei anderen Konzerten in dieser ehemaligen Rinderhalle. 

KURIER-Wertung:

(KURIER) Erstellt am
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