Kultur
16.11.2017

"The Big Sick": Taxifahrer mit Uber-Schmäh

Comedian mit pakistanischer Herkunft verliebt sich gegen den Willen seiner Familie.

Eine gute romantische Komödie findet sich seltener, als man glauben möchte. Trotzdem muss man nicht unbedingt auf "Harry und Sally" oder gar Woody Allens "Stadtneurotiker" zurückgreifen, um herzeigbare Romcoms zu finden.

In der jüngeren Gegenwart reicht schon ein Blick auf die Filme von Judd Apatow, die dieser als Regisseur ("Dating Queen", "Beim ersten Mal") oder Produzent ("Brautalarm") lieferte. Wie zuletzt auch "The Big Sick", deren Produktion Apatow übernahm und damit einen Sommer-Hit beim Sundance-Festival landete.

Wer sich bei HBO-Serien wie "Silicon Valley" auskennt, wird auch gleich den amerikanisch-pakistanischen Hauptdarsteller und Comedian Kumail Nanjiani wiedererkennen. In "The Big Sick" spielt sich Nanjiani selbst in seiner eigenen wahren Liebesgeschichte, die davon erzählt, wie er seine zukünftige Ehefrau Emily (dargestellt von Zoe Kazan) kennen lernte.

Das Humorniveau von "The Big Sick" bleibt wohltemperiert und unaufgeregt. Brüllende Schenkelklopfer befinden sich keine darunter, eher verbale Peinlichkeiten. Meist bestehen sie darin, dass Menschen einen Witz machen, den keiner versteht ("That’s a joke!") oder umgekehrt, jemand etwas ernst meint, was alle für einen Witz halten ("Wie stehen Sie zum 11. September?").

Stand-up

Nicht ganz zufällig spielt Nanjiani einen wechselhaft erfolgreichen Stand-up-Comedian in Chicago, im Nebenberuf arbeitet er als Fahrer bei Uber. Seine pakistanische Familie ist nicht begeistert. Für sie rangiert der Beruf des Komikers noch unter dem des IS-Terroristen ("That’s a joke!"). Vor seinen Eltern markiert Nanjiani den treuen Muslim, der täglich im Keller betet (wo er sich in Wirklichkeit YouTube-Clips ansieht).

Bei jedem familiären Abendessen muss er eine potentielle Heiratskandidatin abwimmeln. Diese wird ihm "ganz zufällig" von seiner aufdringlichen Mutter zugeführt: Sie will ihn in einer traditionell arrangierten Ehe verheiratet sehen und verschreibt den Bewerberinnen "Akte X" , um die Chancen bei ihrem Sohn zu erhöhen.

Unmöglich daher für Nanjiani, ihr zu erzählen, dass er sich eigentlich in eine weiße Amerikanerin – Emily – verliebt hat.

Aber Emily will ohnehin keine Beziehung. Zumindest behauptet sie das jedes Mal steif und fest, nachdem sie mit Nanjiani im Bett war. Irgendwann bricht der romantisch-komische Teil mittendrin ab und wendet sich scharf Richtung Drama.

Emilys Eltern tauchen in Chicago auf und sind vorerst schlecht auf den pakistanischen Boyfriend zu sprechen. Besonders Holly Hunter als Emilys Mutter hat eine Stimme wie ein Schwert und schneidet damit gerne durch Nanjianis entschuldigendes Gestammel.

"The Big Sick" schlägt überraschend wenige Humorfunken, sondern vor allem Dramatik aus kulturellen Differenzen; im Gegensatz zu landesüblichen Culture-Clash-Komödien, die sich fast durchgehend aus Kulturunterschieden finanzieren.

Aber irgendwann rollt auch Nanjiani seinen unbenutzten Gebetsteppich ein. Mit Exit ins Happy End.

INFO: USA 2017. 120 Min. Von Michael Showalter. Mit Kumail Nanjiani, Zoe Kazan, Holly Hunter.

KURIER-Wertung:

Superhelden-Verehrung im Überwältigungskino

Jetzt, wo Marvel seine "Avengers" hat, lässt sich auch die Konkurrenz nicht länger lumpen. Nun schreiten auch die Superhelden von DC Comics zur Teambildung und formieren sich zur "Gerechtigkeitsliga" (Zugegeben: "Justice League" klingt besser.) Als direkte Fortsetzung von "Batman vs Superman" – wir erinnern uns: Superman ist tot! – entfesselt erneut Regisseur Zack Snyder sein gewohnt tonnenschweres Überwältigungskino. In brütenden Untergangsszenarien präpariert Snyder die muskelbepackten Leiber seiner Superhelden – am liebsten zu Hardrock-Musik – heraus und lässt sie bevorzugt in Zeitlupe gegen das Böse antreten. Verstärkung bekommt Ben Affleck als Batman dabei von Wonder Woman, Aquaman, The Flash und Cyborg.

Gal Gadot hat erst kürzlich bewiesen, dass sie als Wonder Woman einen gesamten Superhelden-Blockbuster zum Erfolg tragen kann. Sie zählt auch weiterhin zu den Lichtblicken in einem weitgehend seelenlos bleibenden Action-Tumult. Flash erinnert ein wenig an Spider-Man, hat dafür aber viel New Yorker Witz. Der Rest der Truppe bleibt unprofiliert. Dafür bekommt Ben Affleck als Fledermaus die beste Pointe des Films. Was er denn für eine Superheldenkraft besitze, will Flash wissen: "Ich bin reich."

Ärmlich

Richtig ärmlich hingegen nimmt sich der Gegenspieler der "Justice League" aus. Er nennt sich Steppenwolf, trägt das Geweih eines Widders und bleibt innerhalb der Bösewichtkategorie ziemlich verwechselbar. Joker ist er definitiv keiner.

Steppenwolf möchte ein paar glühende Boxen zueinanderbringen, um seine ganze Kraft zu entfachen und spricht so trübe Sätze wie: "Wo ist meine Mutterbox?"

Übrig bleiben eine Handvoll Menschlein wie Amy Addams als Superman-Witwe und Diane Lane als trauernde Mutter. Doch obwohl es sich bei diesen "Zivilisten" um hervorragende Schauspielerinnen handelt, bleiben sie Randfiguren. Auf Stand-by für die Fortsetzung.

INFO: USA 2017. 120 Min. Von Zack Snyder. Mit Ben Affleck, Gal Gadot, Jason Momoa, Amy Adams.

KURIER-Wertung:

Und täglich grüßt der Serien-Killer

Der Thriller beginnt mit dem Universal-Logo, das stoppt und neu startet – so als würde der Name des Hollywoodstudios immer wieder den Globus umkreisen. Ein – zugegeben – witziges Opening für einen Film, bei dem das Publikum wieder und wieder dasselbe vorgesetzt bekommt: Eine Art von "Und täglich grüßt das Murmeltier" im Horrormilieu. Einen Film also, in dem sich die Ereignisse immer wiederholen. Offenbar eine augenzwinkernde Einsicht, dass das Publikum bereitwillig Geld für Action-Spektakel ausgibt, von denen eines aussieht wie das andre.

Um diese Erkenntnis in Verkaufszahlen zu gießen: "Blade Runner 2049" wurde von diesem in mehrfacher Hinsicht billigen Horror-Thriller vom Spitzenplatz der Charts verdrängt. Produziert wurde er mit bescheidenem Budget von rund vier Millionen Euro. Die Story dreht sich um eine junge Frau, die an ihrem Geburtstag immer wieder denselben Albtraum durchlebt. Das Schlimme daran: Er endet jedes Mal mit ihrer Ermordung durch einen maskierten Killer. Immer wieder erwacht sie am Morgen desselben Tages und denkt zunächst an einen alkoholbedingten Hangover – bis sie am Abend wieder von einem unkenntlichen Angreifer erstochen wird. Die Spannung für den Zuschauer ergibt sich aus den Fragen: Wie kommt sie aus dieser Zeitschleife wieder heraus?

Aber im Grunde genommen ist die Wiederholung des Ewiggleichen ohnehin die Meta-Idee der meisten Horrorfilme, in denen immer wieder möglichst blutrünstig getötet wird. Dagegen ist "Happy Death Day" ein fast schon origineller Subgenre-Beitrag. "Happy Birthday!" kann man da nur sagen.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: USA 2017. 96 Min. Von Scott Lobdell. Mit Jessica Rothe, Israel Broussard.

KURIER-Wertung: