Flotte Doku über Tarantino: „QT 8: Quentin Tarantino – The First Eight“

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Fernsehen
06/05/2020

Tarantino-Doku: „Wie ein übereifriger, extrovertierter Hengst“

Auf Arte läuft ein kleiner Quentin-Tarantino-Schwerpunkt: Eine Doku von Tara Wood und „The Hateful Eight“

von Alexandra Seibel

Der berühmte „Twist-Contest“ in „Pulp Fiction“: Uma Thurman und John Travolta legen jenen legendären Tanz hin, der wohl die gesamten 90er-Jahre hindurch auf jeder zweiten Party nachgehopst wurde. Travolta wedelt mit den Knien hin und her und macht dabei mit zwei Fingern die Schere vor seinen Augen, Uma Thurman schüttelt ihre schwarze Perücke.

Und wer steht neben der Kamera und wackelt begeistert mit dem Hintern? Quentin Tarantino, natürlich, der Regisseur von „Pulp Fiction“.

Dererlei heitere Aufnahmen von den Dreharbeiten zu „Pulp Fiction“ und anderen Tarantino-Filmen finden sich in Tara Woods flotter Doku „QT 8: Quentin Tarantino – The First Eight“ (Freitag, 22.10 Uhr, Arte).

Tara Wood, die mit „21 Years: Richard Linklater“ bereits eine Doku über den „Before Sunrise“-Regisseur gedreht hat, schmiedete nun ein Werkporträt über Quentin Tarantino und seine ersten acht Filme. Ursprünglich hatte sie ihre Doku an Tarantinos Stammfilmschmiede, die Weinstein Company verkauft. Nach den Missbrauchsvorwürfen gegen Harvey Weinstein konnte sie die Rechte erst nach längerem Rechtsstreit zurückbekommen.

Zahlreiche Weggefährten, Schauspieler und Bewunderer von Tarantino kommen zu Wort: Ihre Satzschnipsel werden mit Filmausschnitten zu einem bunten Teppich der Tarantino-Verehrung verwebt.

Christoph Waltz ist gleich der Erste, der sein Loblied auf den 57-jährigen Regisseur anstimmt, bevor die anderen – von Samuel L. Jackson über Kurt Russell bis Jennifer Jason Leigh – in den Chor der Begeisterung einstimmen.

Golden Girls

Wood teilte ihr Werk in drei Abschnitte: „Die Revolution“ beginnt mit Tarantinos bahnbrechenden Drehbüchern (wie „True Romance“ und „Natural Born Killers“), die mit ihrer komplett neuen und aufregenden Stimme das Filmbiz aufhorchen ließen.

Nachdem es sich damals bei Tarantino um einen weitgehend unbekannten Video-Archivar handelte – „Mir erschien er wie ein übereifriger, extravertierter Hengst“ –, ließ man ihn nicht Regie führen. Daher ließ er seinen gefeierten Erstlingsfilm „Reservoir Dogs“ weitgehend in einem Raum spielen und drehte ihn für nur 20.000 Dollar: Die hatte er sich mit einer Rolle als Elvis-Imitator in der Serie „Golden Girls“(!) verdient.

Unter den Kapiteln „Harte Frauen und Genre-Kino“ und „Gerechtigkeit“ arbeitet sich Wood durch das faszinierende Tarantino-Oeuvre, spickt es mit witzigen Animationssequenzen und reichert es mit Anekdoten an. So erzählt Michael Madsen lustige Schnurren über die Dreharbeiten zu „Reservoir Dogs“ und darüber, wie es ihm spontan einfiel, in ein abgeschnittenes Ohr hinein zu reden. Tarantino selbst wird nicht interviewt, sondern nur mit Sätzen wie „Wenn ich einen Film drehe, könnte ich dafür sterben“ zitiert. Kritische Stimmen gibt es so gut wie keine, dafür ist Tara Woods Doku viel zu sehr Love-Fest.

Sonntags steht dann Quentin Tarantinos achter Film auf dem Programm: „The Hateful Eight“ (21.45 Uhr, Arte)