Kultur
27.02.2015

In Turnschuhen gegen die Waffenlobby

US-Kultautor T.C. Boyle las am Donnerstag im Gartenbaukino aus seinem neuen Roman "Hart auf Hart".

Guten Abend meine Damen und Herren!" - bei seinem zweiten Wien-Besuch in eineinhalb Jahren begrüßt Autor T.C. Boyle das Publikum bereits auf Deutsch. "Hart auf Hart" heißt sein neuer Roman, an dessen Beginn er ein Zitat von David Herbert Lawrence stellt: "Die amerikanische Seele ist ihrem Wesen nach hart, einzelgängerisch, stoisch und ein Mörder. Sie ist noch nicht geschmolzen." Aus dieser pessimistischen Einstellung gegenüber der amerikanischen Gesellschaft und Politik macht der US-Erfolgsautor auch bei seiner Lesung im Gartenbaukino kein Geheimnis.

Im Gespräch mitFM4-Moderator Chris Cummins spricht er über die Absurdität des amerikanischen Waffengesetzes: In einer Gesellschaft, in der jeder einfach losgehen und Waffen kaufen kann, sei es wenig erstaunlich, dass diese auch in die Hände gestörter Gewaltäter geraten, erklärt Boyle. Und um einen ebensolchen geht es in seinem neuen Buch, das auf einer wahren Geschichte beruht: Adam, den Eltern und Lehrer bereits aufgegeben haben, plant, sich durch einen Amoklauf gewaltsam an der Gesellschaft zu rächen. Ein politisches Statement möchte der Schriftsteller mit dem Text aber nicht machen. "Meine Aufgabe als Autor besteht darin, spezifische Gefühle auszudrücken, und die Leser dazu zu ermuntern, sich selbst eine Meinung zu bilden", sagt Boyle im ausverkauften Gartenbaukino.

Lebhaft

Sein Auftritt ist weniger Lesung, sondern vielmehr eine Performance. Nach dem kurzen Einführungsgespräch erhebt sich der 66-Jährige, tritt in schwarzem Anzug und roten Turnschuhen ans Pult und liest das erste Kapitel seines Romans - schnell, lebhaft und immer wieder wild gestikulierend. Der 17 Jahre jüngere Dirk Stermann, der anschließend aus der deutschsprachigen Ausgabe liest, wirkt gegen den euphorischen Boyle wie ein müder, alter Herr. Das Publikum ist in jedem Fall begeistert. Denn obwohl auch sein neuer Roman eigentlich eine Geschichte von Gewalt und zerplatzten Träumen erzählt, schafft es Boyle mit viel Sprachwitz, seine Zuhörer zu erheitern.

Wie populär der Autor auch in Österreich ist, zeigt sich nicht zuletzt an der langen Schlange von Fans, die sich nachher um Autogramme anstellen. Boyle, nach zwei Stunden Lesung immer noch beschwingt und sympathisch, nimmt sich Zeit, Bücher zu signieren, auf Fotos zu posieren und mit allen Lesern persönlich zu plaudern.

Während "Hart auf Hart" hierzulande bereits auf den Bestseller-Listen zu finden ist, ist "The Harder They Come" (Titel der Originalausgabe) in Amerika übrigens noch gar nicht auf dem Markt. Wie Vielschreiber Boyle in einem Interview sagte, wollte der US-Verlag die Veröffentlichung von Boyles 25. Buch hinauszögern, um die Leser noch etwas auf die Folter zu spannen.

Was KURIER-Literaturkritiker Peter Pisa von "Hart auf hart" hält, lesen Sie hier.