Eine Mutter, die nach einer Schönheits-OP nicht wieder zu erkennen ist: Die hervorragende Susanne Wuest in dem Horrorfilm "Ich seh Ich seh" von Veronika Franz & Severin Fiala.

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Ich seh Ich seh
01/06/2015

"Die Frau werden, die sie gerne wäre"

Susanne Wuest spielt in dem österreichischen Horrorfilm "Ich seh Ich seh" eine unheimliche Mutterrolle.

von Alexandra Seibel

Wenn eine Frau unheimlich aussehen kann, dann Susanne Wuest. Bestens passt die Wiener Schauspielerin in das packende Horror-Spielfilmdebüt "Ich seh Ich seh" (Kinostart: Freitag) von Veronika Franz und Severin Fiala. Darin spielt sie eine Frau, die nach einer Schönheitsoperation zu ihren Kindern in ein einsames Haus zurückkehrt. Doch die Zwillingssöhne bezweifeln, dass sie die richtige Mutter ist.

Susanne Wuest im Gespräch über Gesichter, Ohrfeigen und Kakerlaken.

KURIER: Frau Wuest, in Peter Kerns "Mörderschwestern" spielten Sie einen Todesengel. In "Ich seh Ich seh" verkörpern Sie eine Mutter, die nach einer Schönheitsoperation von ihren Zwillingssöhnen nicht mehr erkannt wird. Haben Sie eine besondere Nähe zum Horrorfilm?

Susanne Wuest:Meine Rolle in "Ich seh Ich seh" hat tatsächlich etwas mit "Mörderschwestern" zu tun. Veronika Franz und Severin Fiala haben eine großartige Doku über Peter Kern gedreht. Aus dieser Zusammenarbeit heraus entstand die Idee, dass ich, die "Mörderschwester" einen Horrorfilm drehen müsste. Das war zuerst ein Scherz, aber die beiden hatten schon lange den Plan, so etwas zu machen. Dann haben sie diese wunderbare Geschichte geschrieben.

Sie haben ein sehr einprägsames, ungewöhnliches Gesicht. Inwiefern hat sich das auf Ihre Rollenangebote ausgewirkt?

Ich empfinde mein Gesicht ja als normal, weil ich es kenne (lacht), aber die Leute sagen mit oft, dass ich ein eigenartiges Gesicht habe. Als ich zu spielen begann, hat mir das die Sache erschwert. Ganz offensichtlich wurden viele Rollen, die man als Schauspielerin in ihren 20ern spielt, nicht mit meinem Gesicht assoziiert: Liebesgeschichten mit hübschen Mädchen ... diese Jobs habe ich alle nicht bekommen. Das erste Drama, wo es gleich geklappt hat, war die Rolle in "Antares" von Götz Spielmann. Das war für mich die "Reifeprüfung".

Wie haben Sie sich in die Rolle der düsteren Mutter der Zwillingsbuben eingelebt?

Für mich steht diese Frau an einem Punkt in ihrem Leben, wo sie sich wünscht, sie hätte in den letzten zehn Jahren ganz vieles anders gemacht. Die Frau geht durch eine Scheidung und hat schweren Liebeskummer. Diese Form der Verletztheit würde ich nicht automatisch mit einer Midlife-Crisis in Verbindung bringen, aber es hat ein bisschen etwas davon: Man steht da und denkt "Ich möchte von vorne anfangen". Damit habe ich die Figur begonnen, mit dem Gefühl: "Jetzt geht es um mich. Jetzt möchte ich tun, was ich will."

Diese Gefühle erzeugen Konflikte mit der Rolle als Mutter?

Genau. Das ist etwas, worüber man meiner Meinung nach in der Öffentlichkeit viel mehr sprechen sollte: Was es heißt, Mutter zu sein. Es gibt diese mediale Besessenheit mit schwangeren Frauen – vor allem, wenn sie in der Öffentlichkeit stehen – und dieser Vorstellung von der perfekten Familie. Ich kenne Frauen, die nach der Geburt lange brauchten, sich in die Mutterrolle einzufinden. Und das wird in Relation dazu, wie toll es ist, Mutter zu sein, nur wenig besprochen.

Welche Rolle spielt in der Situation die Schönheitsoperation?

Die Mutter will Tabula rasa machen und die Frau werden, die sie gerne gewesen wäre. Dieser Wunsch, die letzten zehn Jahre aus dem Gesicht zu wischen, ist so stark geworden, dass sie komplett von vorne anfangen will. Es ist dieser verzweifelte Wunsch: Wenn man die Fassade renoviert, kommt der Rest nach.

Was waren die schwierigsten Regieanweisungen für Sie?

Es gab Dinge, die mich viel Überwindung gekostet haben – zum Beispiel, einem Kind eine Ohrfeige zu geben. Das fand ich extrem schwer.

Und die Kakerlake, die Ihnen in den Mund klettert?

Das war super (lacht). Ich habe die Kakerlaken von klein auf gekannt – es waren zwei – und sie werden im Filmabspann auch als Stunt-Schaben namentlich genannt: Eine hieß Mathilder, die andere Nermal. Ich betreute die beiden ein paar Monate und jetzt wohnen sie beim Maskenbildner. Dass mir die Küchenschabe in den Mund klettert, haben wir lang trainiert. Aber sie kannte mich. Fremde hat sie angefaucht, mich nicht.

Wie war die Zusammenarbeit mit den beiden Buben?

Für mich war es ideal. Ich finde, dass diese Kinder (Lukas und Elias Schwarz, Anm.) großartige Spielpartner sind, weil für sie jeder Moment wie neu ist – und das ist toll. Nach jeder heftigeren Szene haben die Buben und ich uns umarmt. Es war ein wunderbares Aufeinander achten.

Mögen Sie selbst Horrorfilme? Ja sehr, vor allem, wenn sie eine psychologische Basis haben wie "Ich seh Ich seh". Es ist ein bisschen wie scharf essen: Man kann immer noch eins drauflegen.

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