"Il Trovatore": Stuart Neill und Melba Ramos singen am Gürtel

© Barbara Palffy/Volksoper

Volksoper
11/15/2013

"Bei allem Respekt: Paul Potts ist sicher kein Tenor"

Premiere.Top-Tenor Stuart Neill gibt den Manrico in einer Fast-Neuproduktion von Giuseppe Verdis "Il Trovatore".

von Peter Jarolin

Zwei ungleiche, verfeindete Brüder, die nichts von ihrer Verwandtschaft wissen, aber die selbe Frau lieben. Und eine Zigeunerin, die nur auf eines aus ist, auf blutige Rache. Das ist – in groben Zügen – der Stoff, aus dem Giuseppe Verdi seine Oper „Il Trovatore“ geformt hat.

Zur 200. Wiederkehr von Verdis Geburtstag wagt sich die Wiener Volksoper nun ab kommenden Samstag (16. 11.) an dieses szenisch eher schwer umsetzbare und noch schwerer zu singende Meisterwerk heran. Regisseur Dietrich W. Hilsdorf bringt seine bereits in Bonn erprobte Inszenierung nach Wien; für die Partie des Manrico konnt der amerikanische Tenor und Verdi-Profi Stuart Neill gewonnen werden.

„Als Manrico vom Dienst sehe ich mich nicht“, lacht der in Georgia geborene Künstler, der den Manrico auch bereits in der Arena di Verona verkörpert hat. „Mir es ist bei jeder Neuproduktion wichtig, die Figur wirklich zu erfassen und das zu erzählen, was der Komponist wollte. An Routine glaube ich nicht.“

Keine Höhenangst

„Natürlich wartet das Publikum auf all die gefürchteten Spitzentöne“, so Neill weiter. „Aber es geht nicht nur um die allein. Wir wollen glaubhaft eine Geschichte erzählen, und diese Regie macht den Zusehern auch die Handlung klar. Denn, zugegeben, der ,Troubadour‘ ist in dieser Hinsicht sehr komplex.“

Auf sein Volksopern-Debüt freut sich an der allen internationalen Häusern gefragte Tenor. „Ich liebe Verdi, aber auch die Belcanto-Komponisten, Mozart, Strauss und auch Wagner.“ Mit Wagner will sich Neill jedoch Zeit lassen. „Ich habe viele Anfragen bekommen. Ja, ich könnte Wagner auch singen, wenn ich mit intensiv genug mit seiner Sprache beschäftige.“

Aber: „Wenn man einmal bei Wagner gelandet ist, wird man immer in diese Schublade gesteckt. Deswegen warte ich auch noch mit meinem Rollen-Debüt als ,Otello‘. Ich will weiterhin das ,leichtere‘ Repertoire pflegen.“

Dem Regietheater steht Neill, der 1995 an der Staatsoper sein Debüt als Arturo in Bellinis „I Puritani“ gab, eher kritisch gegenüber. „Das geht sich nur in seltenen Fällen aus. Ich verstehe auch nicht, warum man immer glaubt, sich dem untersten Niveau anpassen zu müssen. Im Gegenteil: Wir sollten das Niveau weltweit wieder heben. In jedem Lebensbereich.“

Neill weiter: „Mich hat einmal jemand gefragt, was ich beruflich denn so mache. Ich antwortete, ich sei Tenor. Als Replik kam: ,Ach so, wie Paul Potts!‘ Doch bei allem Respekt: Paul Potts ist sicher kein Tenor! Aber genau darin liegt das Problem. Wir haben Tausende Casting-Shows, die angeblich große Talente oder gar Stars hervorbringen. In Wahrheit werden die Menschen dadurch nur verblödet. Da sollte man etwas tun.“

Und was würde der Vater zweier Töchter seinen Kindern raten, sollten sie Sängerinnen werden wollen? Neill lacht: „Wenn ihr wirklich für die Kunst leben wollt und genug Talent habt – okay, versucht es. Wenn es euch aber um das Geld geht: Dann bitte heiratet einen Anwalt oder einen Zahnarzt. Da seid ihr viel besser dran.“

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