"Steirerkind": Leiche am Slalomhang

Steirerkind
Foto: ORF/Stefan Haring Sandra Mohr (Miriam Stein) und ihr Vorgesetzter Sascha Bergmann (Hary Prinz).

Mit "Steirerkind" (20.15/ORFeins) geht die Landkrimi-Reihe in die zweite Runde.

Auf ein Neues: Nach dem ersten kompletten Durchlauf – inklusive Ausflug nach Südtirol – startet die ORF-"Landkrimi"-Reihe heute, Samstag, in die zweite Runde. Den Anfang macht wieder die Steiermark: Die junge Kripobeamtin Sandra Mohr (Miriam Stein) und ihr Vorgesetzter Sascha Bergmann (Hary Prinz) werden für ihren zweiten Fall mit dem Titel "Steirerkind" nach Schladming beordert. Der Einsatzbefehl kam von ganz oben, denn zwei Tage vor dem Nightrace in Schladming ist der österreichische Cheftrainer der Herren-Slalom-Mannschaft, Karl Wintersperger (Rainer Wöss), nicht mehr auffindbar. Schlimmes wird befürchtet.
Und Schlimmes tritt auch ein, als die Slalomstangen gesetzt werden und dabei die Leiche des Cheftrainers unter der Schneedecke auftaucht. Es war Mord. Neider und Feinde sind schnell zur Stelle, wenn es um die Frage möglicher Verdächtiger geht.

Gedreht wurde der zweite Steirer Landkrimi "Steirerkind" vergangenes Jahr vor und während des Nachtslaloms auf der Schladminger Planai, zu dem am kommenden Dienstag (23. Jänner) wieder 50.000 Besucher erwartet werden. "Schladming platzt zu dieser Zeit aus allen Nähten. Wir haben versucht, die Menschenmassen einzubinden, uns unter die Fans zu mischen. Gedreht wurde zum Beispiel bei der Startnummernauslosung, aber auch während des Rennens. So hatten wir lauter echte Fans, wodurch es oft sehr chaotisch und anstrengend war. Aber das ist ja das Tolle an dem Beruf, dass man manchmal unter extremen Bedingungen arbeiten muss oder darf", sagt Miriam Stein im KURIER-Interview über die Drehtage.

Selbstkritisch

Ihre wackeligen Slalomschwünge musste die 29-jährige Schauspielerin mit österreichischen Wurzeln (siehe Info) aber nicht vor laufender Kamera hinlegen. "Dafür, dass ich halb Österreicherin, halb Schweizerin bin, bin ich eine erstaunlich schlechte Skifahrerin (lacht). Ich komme zwar jeden Hang runter, aber es schaut nicht gerade schön aus", sagt Miriam Stein, die man als selbstkritisch bezeichnen kann. "Es gibt keinen Drehtag, an dem ich nach Hause gehe und mir denke: ,Wow, heute warst du aber richtig gut.‘ Es geht so schnell beim Drehen, da arbeitet der Tag abends in mir nach. Ich denke oft darüber nach, was ich nicht alles hätte besser machen können."

Der Regisseur Wolfgang Murnberger habe ihr dann aber ein Gefühl von Sicherheit gegeben. "Ich schätze ihn sehr und vertraue ihm. Er versucht immer, das Beste aus einer Geschichte rauszuholen", sagt Stein. Gelungen ist ihm das auch bei "Steirerkind", ein unterhaltsamer Landkrimi, bei dem einander Mohr und Bergmann wieder herrlich auf die Nerven gehen.

Interview mit Miriam Stein

"Ich bin ziemlich wählerisch"

Die Schauspielerin Miriam Stein über die "Landkrimi"-Reihe, die #MeToo-Bewegung und Provinz-Klischees.

Steirerblut
Foto: ORF

Was dabei herauskommt, wenn Sport und Fiktion sich zusammentun, kann man beim elften Fall der erfolgreichen „Landkrimi“-Reihe in ORFeins sehen. Zum zweiten Mal ermitteln Hary Prinz und Miriam Stein in der Steiermark. Der  Tod von Karl Wintersperger (Rainer Wöss),  Cheftrainer der Herren-Slalom-Mannschaft gibt den Ermittlern im Umfeld des  Nightrace in Schladming so manches Rätsel auf. Sandra Mohr und Sascha Bergmann stoßen im Rahmen ihrer Ermittlungen – auf und abseits der Piste  – auf zahlreiche Neider, Feinde, also mögliche Mörder des Trainers.

KURIER: Wie waren die Dreharbeiten rund um den Nachtslalom in Schladming?
Miriam Stein: Es war sehr kalt. Und Schladming platzt zu dieser Zeit aus allen Nähten. Wir haben versucht, die Menschmassen einzubinden, uns unter die Fans zu mischen. Gedreht wurde zum Beispiel bei der Startnummernauslosung, aber auch während dem Rennen. So hatten wir lauter echte Fans, wodurch es oft sehr chaotisch und anstrengend war. Aber das ist ja das Tolle an dem Beruf, dass man manchmal unter extremen Bedingungen arbeiten muss oder darf.

Sind Sie eine gute Skifahrerin?
Dafür dass ich halb Österreicherin, halb Schweizerin bin, bin ich eine erstaunlich schlechte Skifahrerin (lacht). Ich komme zwar jeden Hang runter, aber es schaut nicht gerade schön aus, und ist wahrscheinlich auch nicht ganz ungefährlich. Zum Glück musste ich im Rahmen der Dreharbeiten nicht vor laufender Kamera Skifahren.

Steirerblut Foto: ORF

Haben Sie sich eigentlich die anderen Landkrimis angesehen?
Ich halte es da mit dem Spruch „Konsumiere nicht die Drogen mit denen du dealst.“ (lacht). Ich verbringe tatsächlich sehr wenig Zeit vor dem Fernseher. Und so habe ich mir auch tatsächlich noch keinen anderen Landkrimi angesehen. Ins Kino gehe ich sehr gerne.

Was ist für Sie das Besondere am Kino?
Ich finde es schön, einen Film auf großer Leinwand zu sehen. Der Kinobesuch hat auch Eventcharakter. Man verabredet sich mit Freunden, geht vor dem Kino vielleicht gemeinsam essen und danach etwas trinken, tauscht sich über den Film aus. Ins Kino zu gehen finde ich kommunikativer, fernsehen hat oft etwas passives.

Wie sieht es mit Serien aus? Ihr Mann, Volker Bruch, hat ja in der erfolgreich gestarteten Serie „Babylon Berlin“ die Hauptrolle übernommen...
Die Serie gefällt mir sehr gut. Sie ist auf allen Ebenen gelungen und ich habe keinen einzigen Kritikpunkt anzubringen, obwohl ich grundsätzlich ein sehr kritischer Mensch bin. Ich habe den Entstehungsprozess der Serie mitbekommen und habe  von Anfang an geahnt, dass da etwas Tolles im Entstehen ist. Ich hoffe, dass sich durch dieses Projekt weitere Kollaborationen zwischen öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten wie der ARD und Bezahlsendern wie Sky ergeben.

Nach welchen Kriterien suchen Sie sich eigentlich die Rollen aus?
Ich bin ziemlich wählerisch. Die Figur muss mich interessieren, ich muss sie verstehen, ihr Handeln nachvollziehen können. Aber mir ist auch das gesamte Drehbuch, die ganze Geschichte wichtig. Ich muss beim Lesen das Gefühl haben, dass da etwas erzählt wird, was spannend ist. Als nächster Schritt kommt dann hinzu, dass ich mit dem Regisseur offen und ehrlich über Alles reden kann, dass wir an einem Strang ziehen.

Sind Sie sehr selbstkritisch?
Ja. Es gibt keinen Drehtag, an dem ich nach Hause gehe und mir denke: „Wow, heute warst du aber richtig gut.“ Es geht so schnell beim Drehen, da arbeitet der Tag Abends in mir nach und ich denke oft was ich nicht alles noch anders hätte machen können.

War es von Anfang an klar, dass eine Fortsetzung des steirischen Landkrimis geben wird?
Dass eine Reihe daraus wird, war nicht geplant. Der erste Teil, „Steirerblut“, hat der ARD aber so gut gefallen, dass sie eine Reihe daraus machen wollten.  Steirerkind ist nun der zweite Teil. Als ich gehört habe, dass bei der Fortsetzung erneut Wolfgang Murnberger die Regie übernehmen wird, war klar, dass ich auch bei weiteren Teilen dabei bin. Denn ich schätze ihn, und vertraue ihm sehr. Er versucht immer, das Beste aus einer Geschichte rauszuholen.

Es wird im Krimi mit Provinz-Klischees gespielt. Kennen Sie diese eigentlich aus eigener Erfahrung?
Nicht wirklich. Ich bin in Wien aufgewachsen. Ich war zwar immer wieder zu Besuch am Land, urlaubsmäßig, bei meinem Vater. Aber es ist natürlich etwas Anderes, am Land aufzuwachsen, seine gesamte Kindheit und Jugend dort zu verbringen. Ich denke für Kinder ist es großartig, als Teenager will man dann wahrscheinlich irgendwann weg, in die Großstadt.

Und im Alter zieht es einen dann wieder zurück aufs Land...
(lacht) Ja, genau. Ich glaube es ist leider menschlich, dass man nie dort sein will, wo man gerade ist. Wenn man am Land ist, will man in die Stadt. Und wenn man in der Stadt ist, sehnt man sich nach der ländlichen Idylle. Man sollte einfach lernen, dort zufrieden zu sein, wo man gerade ist.

Wie ist es Ihnen mit dem steirischen Dialekt gegangen?
Beim zweiten Teil hatte ich einen Ratgeber an meiner Seite, den Klaus. Der ist ein Freund einer guten Freundin von mir und zufällig auch Steirer. Er hat mir das ganze Drehbuch im steirischen Dialekt vorgelesen und die Aufnahme geschickt. Das war sehr hilfreich. Da der zweite Teil eine Koproduktion zwischen ORF und ARD ist, wurde ich  allerdings immer wieder ermahnt, nicht zu steirisch zu sprechen, damit man danach für das deutsche Fernsehen nicht wieder zu viel synchronisieren muss. Da wir Schauspieler - es sind ja sehr viele österreichische dabei – aber nicht hochdeutsch sprechen wollten, mussten wir einen Kompromiss finden. Die Sprachfindung ist bei Koproduktionen auch das schwierigste Thema. Ich finde, dass österreichische Filme auch im österreichischen Dialekt gedreht werden sollten. Aber ich verstehe auch die ARD, die den Film mitfinanziert hat und ihn danach nicht extra synchonisieren lassen will. Daher haben wir versucht einen Mittelweg zu finden, was uns diesmal auch gelungen ist. Es mussten nur wenige Passagen synchronisiert werden. Nicht so wie beim ersten Teil, bei dem die ARD noch nicht an Bord war. Dafür wurde extra eine deutsche Fassung hergestellt.

Steirerblut Foto: ORF Sascha Bergmann (Hary Prinz) und Sandra Mohr (Miriam Stein) Kollege Bergmann macht immer wieder Anspielungen – sexueller Natur. Immer wieder versucht er es bei Sandra Mohr zu landen. Aus aktuellem Anlässen kommt einem da automatisch die #MeToo-Bewegung in den Sinn.
Als ich den Film gesehen habe, habe ich nicht an die MeToo-Debatte gedacht. Grundsätzlich darf man im Film ja zum Glück alles. Außerdem ist meine Figur, die Sandra Mohr, eine starke Persönlichkeit, die mit Bergmanns Machosprüchen ganz gut umgehen kann und stets Konter gibt. Und in meinen Augen ist Bergmann auch komplett harmlos. Der klopft ja nur Sprüche und würde nie jemanden zu irgendetwas zwingen oder seine Macht ausnutzen.

Haben Sie schon einmal negative Erfahrungen gemacht?
Zum Glück ist mir als Schauspielerin und in meinem ganzen Leben noch nie so etwas widerfahren. Bislang habe ich auch unter Kolleginnen nichts von Übergriffen gehört. Ich hoffe, dass es dabei bleibt und im deutschsprachigen Raum nicht plötzlich noch irgendwelche Geschichten ans Licht kommen, von denen noch keiner etwas weiß.

Wie sehen Sie die Debatte rund um die #MeToo-Bewegung?
Man muss bei dieser Debatte aufpassen, dass das nicht außer Kontrolle gerät und es mit einer allgemeinen Verunsicherung endet. Es wäre schade wenn es schon als sexuelle Belästingung angesehen wird, wenn einem ein Mann nachpfeift, eine Angstgesellschaft übrig bleibt, in der jedes Kompliment eines Mannes bereits als sexueller Übergriff gesehen wird. Bei meinem letzten Dreh war ich erstaunt als der Tonmann, der mich verkabelte, meinte das könnte sonst auch eine Frau machen, er will da nicht in eine unangenehme Situation kommen, wegen Metoo und so. Zur Erklärung, beim Verkabeln wird ein Mikrofon und ein kleiner Sender unter meinem Kostüm eingebaut und natürlich kommt es da zu Körperkontakt, allerdings weiß ich, dass das sein Job ist, mehr nicht. Da war ich schon sehr erstaunt, dass er nun Angst hat, da einen Strick draus gedreht zu bekommen. Aber natürlich  finde ich es  gut und wichtig, dass durch diese Aktion betroffene Frauen den Mut finden, darüber zu sprechen, die Gesellschaft hellhörig wird und Männer, die ihre Macht ausgenützt und Frauen sexuell belästigt haben zur Verantwortung gezogen werden.

(kurier) Erstellt am
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