Generation Y auf Hochgeschwin­dig­keits­flucht

Auf Anhieb top: Das Duo Kaufmann/Herberstein lieferte mit "Stadt - Land - Flucht" eine gelungene Bühnen-Premiere.

Als Kabarettduo sind Therese Herberstein und Florian Kaufmann ganz frisch zusammen. In ihrem ersten Programm mit dem schönen Namen "Stadt - Land - Flucht" natürlich, da sieht die Sache anders aus. Da sind die beiden schon seit zehn Jahren ein Paar. Ein (gelerntes) Schauspielerpaar, sollte man vielleicht hinzufügen - und das ist der eine Grund, weshalb ihr erstes Programm, mit dem die beiden im Wiener Casanova vergangene Woche Premiere feierten und am Sonntag den Grazer Keinkunstvogel gewannen, gleich auf Anhieb zum Erfolg wurde. Man merkt, dass die beiden "vom Sprechtheater" kommen.

Der zweite Grund: Statt der üblichen kleinen Geständnisse aus dem Spannungsverhältnis Manderl-Weiberl, die bei ähnlichen Bühnenkonstellationen viel zu oft durchgekaut werden, präsentieren Kaufmann-Herberstein (mit Ausnahme einer konsequent durchgestöhnten Bettszene) lieber die großen Ängste ihrer Generation, der Generation Y. Das sind jene Mittzwanziger bis Mittdreißiger, die zwischen Praktikum und Prekariat noch immer keine Idee haben, wo sie eigentlich hin wollen in ihrem Leben.

Also im konkreten Fall: Jobben in der Vintage-Boutique statt Schauspielengagement; Wohnen in Rudolfsheim-Fünfhaus statt Innenstadt-Bobo-Bezirk. Untermalt mit kurzen musikalischen Einlagen sezieren Herberstein und Kaufmann so ihr Leben in der Großstadt und richten auch schon mal den ausländischen Nachbar aus. Was jetzt natürlich nicht heißt, dass man rechts ist. "Weil ich wähle ja Grün, ich kann gar nicht rechts sein."

Vom Sprechtheater aufs Land

Weil der innere Bobo also so seine Probleme hat mit dem äußeren mitzuhalten, suchen die beiden in der zweiten Hälfte von "Stadt - Land - Flucht" ihr Seelenheil dann auf dem Land. "In echt" kommen Therese Herberstein und Florian Kaufmann nämlich gar nicht "vom Sprechtheater", sondern aus Graz (Umgebung) - und das ist ja aus Wiener Perspektive eigentlich auch Land. Und so gibt es ein Wiedersehen mit den alten Bekannten, samt und sonder präsentiert in saftigem Steirisch. Das Highlight: Die alte Nachbarsbäuerin, die sich ihr eigenes Theaterstück sogar von der EU finanzieren lässt.

10, 15, vielleicht sogar 20 solcher Typen leiht das Bühnenduo im Verlaufe des Abends so seine Stimme - vom Bühnendeutsch zum genial-lustigen Steirisch werden alle Dialekte zwischen Stadt und Land in Hochgeschwindigkeits-Slapstick-Einlagen durchexerziert. Einfach machen es sich Herberstein und Kaufmann dabei aber nicht. "Stadt - Land - Flucht" ist kein Kabarett mit Lachern aus dem Kleinkunst-Effeff - und gerade deswegen hinreißend komisch.

KURIER-Wertung:

(KURIER) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?