Staatspreis für Clemens J. Setz: Höchste Würdigung für einen, der für die Außenseiter brennt
Clemens J. Setz
Er ist einer der wichtigsten österreichischen Schriftsteller unserer Zeit. Ob er vom Schreiben leben könne, fragte der KURIER den Grazer Clemens J. Setz 2025. „Nur phasenweise. Ich mache alles Mögliche. Auch Mathematiknachhilfe.“
Vielleicht wird Setz, 43, in nächster Zeit weniger Nachhilfe geben müssen. Er erhält den mit 30.000 Euro dotierten Großen Österreichischen Staatspreis, die höchste künstlerische Auszeichnung der Republik.
Wie er wurde, was er ist, beschrieb Setz in seinen 2025 erschienenen Aufzeichnungen „Das Buch zum Film“. Auch wenn darin, wie Setz dem KURIER sagte, möglicherweise nicht alles stimme: „Ich fürchte, ich war trotz allem sehr verlogen.“
Sicher stimmt: Der junge Mann, der Setz mit 18 war, war belesen und wollte unbedingt gelesen werden, wie er im Vorwort schreibt.
Dabei war bis zu kurz davor keine Rede von Literatur. „Bis ich 16 war, habe ich gar nicht gelesen und saß nur vor dem Computer. Dann habe ich davon Migräne bekommen. Ich war auf kaltem Entzug und habe etwas gesucht, das mich unterhalten kann.“ Jazz und Klavierspielen unterhielten den jungen Setz, bald fand er zu Ernst Jandl, und von ihm zu Friederike Mayröcker, bei der er von Marcel Proust las. Mit dessen Schwermütigkeit und Reduziertheit konnte er sich immer identifizieren.
Setz studierte Mathematik und Germanistik, jobbte unter anderem als Portier, las: Gedichte von Ezra Pound, Erzählungen von Max Frisch. Aus dem einen holte er Inspiration für’s andere.
Liebe für Außenseiter
Originell, sprühend, experimentierfreudig, voll Empathie für Außenseitertum. Das ist die Kurzbeschreibung seines vielfältigen Wirkens. 2011 wurde Setz für seinen Erzählband „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet; sein Roman „Indigo“, erschienen 2012, stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Infolge schrieb Setz über erfundene Sprachen (er absolvierte auch einen Klingonisch-Kurs), er porträtierte Sprach- und andere Erfinder. Für den Roman „Monde vor der Landung“ über den Erfinder der Hohlwelt-Theorie Peter Bender wurde er 2023 mit dem Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet.
Setz übersetzt auch viel, etwa die wunderbar verschrobenen Gedichte des von ihm sehr bewunderten Dichters Edward Gorey.
Zwischendurch meinte Setz: Nie wieder Gedichte in Buchform. Trotzdem hat er immer wieder Poesie zwischen Buchdeckeln versteckt. Noch dazu Poesie, die einem Konkurrenzmedium zum gedruckten Wort entstammt: Dem Internet, genauer Twitter, wo Setz Gedichte veröffentlichte und letztlich auf dem Old-School-Medium Papier verewigte.
Im Interview beklagte er, heutzutage stehe weniger das Erlebnis Buch im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses als der, der es geschrieben habe. Der Autor habe Vorbild zu sein. „Wer ein Buch kauft, wählt gleichsam ein politisches Amt.“
An dieser Stelle eine uneingeschränkte Wahlempfehlung: Stimmen Sie für Setz!