Egal, ob Oper oder Liedgesang: Jonas Kaufmann ist in beiden Metiers stets eine Klasse für sich

© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Kritik
10/01/2020

Staatsoper: Jonas Kaufmann als faszinierender Gestalter

Stehende Ovationen nach 20 Minuten Zugaben: Jonas Kaufmann begeistert als Liedsänger an der Wiener Staatsoper

Von Susanne Zobl

Was Jonas Kaufmann in diesen Tagen an der Wiener Staatsoper leistet, verdient Hochachtung. In Verdis fünfaktiger, französischer Fassung von „Don Carlos“ singt er die Titelpartie. Dazwischen übernahm er von Agnes Baltsa den Liederabend, da sie aufgrund der Reisebeschränkungen nicht kommen konnte.

Mit dem Pianisten Helmut Deutsch hatte er das Programm seines Albums „Selige Stunde“ (Sony) mit Liedern von Johannes Brahms bis Alexander Zemlinsky adaptiert. Schon zu Beginn, bei Schuberts „Musensohn“, war jede Diskussion darüber, ob ein Opernsänger die ideale Besetzung für das deutsche Kunstlied sein kann, obsolet.

Kaufmann sang ganz natürlich. Da spielte kein Star-Tenor seine hohen Qualitäten aus, da war ein echter Künstler, ein faszinierender Gestalter am Werk, der das Klangspektrum seiner Stimme nützte. Wenn sich die Kraft seines Tenors doch Bahn brach, dann fügte sich das ins Ganze.

Virtuos wandelte er zwischen den Welten von Mozart („Mailied“ und „Veilchen“) und Mahler („Ich bin der Welt abhanden gekommen“). Geschmeidig changierte er zwischen Frohsinn und Melancholie. Das war vollkommener Kunstgesang. Zartfühlend ließ er das „Wiegenlied“ von Brahms hören und führte auf den „Flügeln des Gesanges“ in Mendelssohn-Bartholdys märchenhafte Welt.

Bravourös meisterte er die Wechsel zwischen den Epochen und Stilen, zwischen Brahms, Hugo Wolf und Zemlinsky. Bei Strauss war er ganz in seinem Element. Helmut Deutsch, mit dem er seit 30 Jahren zusammenarbeitet, war ihm ein kongenialer Partner, der am Klavier ein veritables Klangfarbenspiel inszenierte. Stehende Ovationen nach 20 Minuten Zugaben.

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