ESC-Vertreter Cosmó: "Ich will Österreich stolz machen"
Fährt mit dem goldenen Papierschiff von Vorjahressieger JJ zum ESC: Cosmó.
„I fahr’ zum ESC, oder?“ – leicht ungläubig reagierte Sänger Cosmó am Freitagabend in der ORF-Show „Vienna Calling“, als sein Sieg verkündet wurde. Der 19-Jährige konnte sich mit dem Lied „Tanzschein“ beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest durchsetzen und wird im Mai für Österreich auf der Bühne der Wiener Stadthalle stehen.
„Es ist immer noch ein bisschen surreal“, sagt Benjamin Gedeon, wie der Sänger mit bürgerlichem Namen heißt, im Telefongespräch mit dem KURIER. „Aber so langsam sickert’s durch.“
Geschrieben hat er den eingängigen Dance-Pop-Hit für seine Mama, die gerne tanzt: „Sie war so stolz. Für sie bin ich immer noch der kleine Ben, und dass ich da auf der Bühne gestanden bin und sie mir zugesehen hat, war für sie auch ein unwirklicher Moment“, erzählt er.
"Eine große Ehre, aber auch eine Verantwortung"
Dass der gebürtige Ungar, der im Burgenland aufgewachsen ist und in Wien Zahnmedizin studiert, nun für Österreich beim größten Musikwettbewerb der Welt singt, sei „eine große Ehre, aber auch eine große Verantwortung und ich werde mein Bestes geben. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen.“
An Bühnenerfahrung mangelt es Gedeon nicht: 2022 stand er im Finale der Castingshow „The Voice Kids“ und wurde von Popstar Álvaro Soler gecoacht. Mit „The Thumbs“ hat er seine eigene Band, er spielt Gitarre und Klavier.
Cosmó kann die Siegesmeldung im ersten Moment nicht fassen.
Was die Wochen bis zum großen Event an Vorbereitung und Terminen für ihn bereithalten werden, wisse der Sänger noch nicht genau. ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz hatte am Freitag ob des bevorstehenden Pensums angekündigt, er werde sich „manchmal anscheißen dazwischen“.
„Ich bin sehr froh, dass ich so ein liebes Team habe, das mich da durch diese wilde Reise durchführt“, meint Gedeon dazu. „Ich gehe mit einer motivierten und positiven Grundstimmung in dieses Getümmel.“
"Ich habe zwei Stunden geschlafen"
Auch wie seine Show auf der großen Bühne aussehen soll, sei noch offen. „Mein Ablauf nach dem Auftritt (bei „Vienna Calling“, Anm.) war kurz mit der Band schreien, ein paar Interviews geben, zwei Stunden schlafen und frühstücken. Da war noch keine Zeit, irgendetwas zu konkretisieren“, so der Musiker.
Fest stehe jedoch: „Bei der Performance wird auf jeden Fall getanzt, was das Zeug hält.“ Das führt Gedeon zur Beantwortung der Frage nach den Chancen, die er sich für den deutschsprachigen Beitrag ausrechnet: „Tanzen ist eine internationale Sprache, die jeder auf seine eigene Art und Weise spricht und das finde ich wunderschön.“
Von "The Voice Kids" zum ESC: Cosmó.
Die Botschaft seines Songs, der entstand, nachdem sich ein Clubbesuch als fade Stehpartie entpuppt hatte, sei jedenfalls: „Mehr Liebe, mehr Respekt – und mehr Tanzen.“
"Wenn Europa mittanzt, wäre das ein Wahnsinn"
Die passenden Moves dafür hat Gedeon bei seinem Auftritt gleich selbst mitgeliefert, an einem Abend im Dezember habe er die Choreografie seiner Mama präsentiert: „Sie war schon im Halbschlaf, aber als sie dann probiert hat, das nachzumachen, hat es geklappt. Und ich habe mir gedacht: Wenn’s die Mama im Halbschlaf kann, dann hoffentlich auch das Publikum“, lacht er.
Auch wenn Cosmó (kurz für Cosmopolitan) ein Solo-Act ist, stünden viele Leute dahinter: „Ich bin nur das Gesicht, aber die vielen Hände, die mitarbeiten, sind Sandro, Julia, Raphael und Levi von meiner Band. Ich bin froh, sie bei ,Vienna Calling‘ auf der Bühne gehabt zu haben. Das war ein schönes Gefühl.“
Cosmó singt "Tanzschein" beim ESC-Vorentscheid.
Auf eine zu erreichende Platzierung will sich Gedeon nicht festlegen: „Ich hoffe, Österreich stolz machen zu können und zeigen zu können, was das Land draufhat. Nicht nur musikalisch, sondern auch tänzerisch. Wir haben den Walzer, Ballett, alles Mögliche. Hier in Österreich wird auf jeden Fall getanzt und das möchte ich Europa zeigen. Wenn Europa dann auch mittanzt, wäre das ein Wahnsinn.“
Die Entscheidung
12 Acts traten beim Vorentscheid „Vienna Calling“ an. Die Wahl trafen eine Fachjury und das TV-Publikum gemeinsam. In die Top 3 der Gesamtwertung schafften es Lena Schaur, Bamlak Werner und Cosmó, der sich durchsetzen konnte.
Die Quote
Durchschnittlich 457.000 sahen ab 20.15 Uhr „Die Show“ in ORF1 (Marktanteil: 20 %), beim Voting waren 470.000 dabei (30 %).
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