© Kurier/Jeff Mangione

Kultur
05/24/2019

So waren AnnenMayKantereit in Wien

Die deutsche Band spielte das erste von drei ausverkauften Konzerten in der Wiener Arena.

von Nina Oberbucher

Guten Abend, Ibiza!

So begrüßen AnnenMayKantereit am Donnerstag das Publikum in Wien – und haben die Zuschauer gleich auf ihrer Seite. Auch die Getränkeempfehlung für den Abend (an der Bar gebe es ein Mischgetränk aus Red Bull und Wodka, das den Namen einer balearischen Insel trage) wird mit Begeisterung aufgenommen. 

Es ist das erste von insgesamt drei aufeinanderfolgenden Konzerten in der Arena, die bereits vor Monaten ausverkauft waren – noch bevor das jüngste Album "Schlagschatten" veröffentlicht war. AnnenMayKantereit, benannt nach den drei Gründungsmitgliedern, hatten 2016 mit ihrem Debüt "Alles Nix Konkretes" und wohl vor allem dank der markanten rauen Stimme von Sänger Henning May die Charts erobert. Ihre Texte über Liebeskummer, Kühlschränke und Altbauwohnungen sorgten dabei durchaus für gemischte Gefühle.

May betrifft die mit einer Europakarte geschmückte Bühne der Arena Ukulele spielend. Mit "Marie" eröffnet die Kölner Pop-Rock-Band den Abend, fast nahtlos geht es über zu "Nur wegen dir". Die ersten Nummern sind energiegeladen und rockig, die Stimmung gut. 

Als May mit Ferdinand Schwarz einen besonderen Gast ankündigt, wissen die Fans bereits, was jetzt kommt: "Jaa, der Trompeten-Typ!" Mit "Weiße Wand" – ein Song über das eigene privilegierte Leben und den Rechtsruck – schlägt die Band etwas leisere und politischere Töne an. Und richtet dann ein paar Worte zur EU-Wahl an das Publikum: "Lasst mal alle wählen gehen", weil das ist "super, super wichtig". Und wieder weiter im Programm.

Es wird generell nicht viel geredet an dem Abend und wenn, dann klingen die Ansagen zwischen den Songs eher nach einer schüchternen Schulband ("Äh, der nächste Song ist ...) als nach einer Gruppe, die gerade ein ausverkauftes Open-Air-Konzert spielt. Was man ja aber auch ganz sympathisch finden kann. 

In der Mitte des Sets zieht es sich ein wenig, und das, obwohl Melodica, Keyboard und Launchpad Abwechslung reinbringen sollen. Nicht alles klingt perfekt gespielt und dann gibt es auch noch einen verpatzten Einsatz. Drummer Severin Kantereit nimmt's mit Humor: "Nach dem Konzert wird wieder hin- und hergeschoben, wer verkackt hat", scherzt er.

Als die Band dann ankündigt, dass es "wieder etwas fröhlicher" werden soll, scheint das Publikum dankbar. Für "Jenny, Jenny" kommen Congas zum Einsatz, "21, 22, 23" widmet May "Beatsteaks"-Sänger Arnim Teutoburg – und da ist auch die anfängliche Energie wieder zurück. Spätestens bei "Pocahontas" singen alle mit.  

Für die Zugabe begeben sich AnnenMayKantereit mitten ins Publikum, auf einen der Balkone, und spielen den noch unveröffentlichten Song "Ozean". Mays Bitte, jetzt doch mal kurz die Handys wegzugeben, wird bis auf ein paar Ausnahmen sogar brav befolgt. 

Dann geht die Band noch einmal zurück auf die Bühne. May performt alleine "Barfuß am Klavier" an ebenjenem Instrument, zum Abschluss gibt es den Hit "Ich gehe heute nicht mehr tanzen". Das Publikum ist begeistert, May tänzelt noch einmal mit angewinkelten Armen über die Bühne und für einen kurzen Moment vergisst man sogar, dass hier eben "müde von gestern" auf "Netflix-Western" gereimt wurde. 

Wer keine Tickets mehr für die Arena-Shows ergattern konnte, hat übrigens bald die Chance, AnnenMayKantereit live in Wien zu sehen: Im Februar 2020 spielt die Band in der Wiener Stadthalle, der Vorverkauf beginnt am Montag.