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10/17/2012

"Skyfall": Ein moderner, verletzlicher Bond

Furiose Action, aber auch melancholische Momente holen den neuen James-Bond-Film "Skyfall" aus dem Tief heraus. Daniel Craig als angeschlagener Agent.

von Alexandra Seibel

James Bond mit zitternden Händen. James Bond, der danebenschießt. James Bond, schlecht rasiert und mit blutunterlaufenen Augen. James Bond – reif für die Pension?

Heuer feiert der Filmheld James Bond sein 50-Jahr-Jubiläum – Anlass für den neuen Film "Skyfall" (Kinostart: 1. November), den britischen Geheimagenten auf seine Feldtauglichkeit zu überprüfen. Der letzte Bond-Film "Ein Quantum Trost" fiel bei der Kritik durch. Kann sich Bond in "Skyfall" nun von diesem Sturz erholen?

Er kann. Gleich zu Beginn setzt der neue "Bond"-Regisseur Sam Mendes ein furioses Action-Intro. Maximale Beschleunigung in kürzester Zeit. Daniel Craig, tadellos im Maßanzug, zischt mit seinem Motorrad ganze Stockwerke hinauf, rast über die Häusergiebel Istanbuls und taucht in den Basar ein. Zuletzt fährt er mit einer Planier-Raupe(!) über Dächer von Autos – die auf einen dahinrasenden Zug geladen sind.

Doch dann wendet sich das Blatt. Depression setzt ein. Bond trinkt zu viel und tut sich selber leid. Zurück in der Geheimdienstzentrale MI6 in London muss er zu einer Art Agenten-Matura antreten – und fällt durch.

Cyber-Terror

Mit "Skyfall" beschreitet Regisseur Mendes neues "Bond"-Terrain. Zum einen versucht er anzuliefern, was der klassische "Bond"-Film verspricht: Exotik, Action, hübsche Frauen. Zum anderen lässt er Bond im Heute ankommen, im Schattenreich des Cyber-Terrorismus und der menschlichen Abgründe.

Zwar liefert die Kamera von Roger Deakins wunderbare, visuell überaus einfallsreiche Bilder aus dem nachtschwarzen Schanghai oder dem schottischen Hochmoor. Doch über alles ist der Schleier der Melancholie gezogen. Persönliche Traumata der Agenten liegen wie Albträume über dem Geschehen. Denn das Angriffsziel des Bösen ist das Herz des britischen Geheimdienstes selbst, inmitten von "Homeland" London.

Deswegen schaukeln wir leider auch nicht auf einer Yacht in der sonnigen Karibik, sondern zwängen uns durch die Unterwelt britischer U-Bahnschächte. Auch Bond muss mal "Dritter Mann" spielen.

Sowohl unter dieser psychologischen Schwere wie auch seiner gewaltigen Länge ächzt zuweilen der ganze Film. Natürlich hat Mendes dazwischen immer wieder komische Entspannung eingebaut. Bissige Dialoge, lässige Scherze und Nostalgie-Hinweise auf alte Bond-Autos oder -Gadgets (schießende Füllfeder!) fordern die Lacher heraus. Und besonders Javier Bardem stemmt seine Rolle als semmelblond gefärbter Bösewicht mit maliziöser Lust.

Insgesamt also ein moderner Bond, ein verletzlicher Bond und ein Klassiker formidabler Unterhaltung – wenn auch mit kleinen Tiefs.

KURIER-Wertung: **** von *****

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