Sterben für Gott? Adam Driver (li.) und Andrew Garfield werden als Jesuiten-Pater in Japan verfolgt

© /Constantin

"Silence": Missionare und Märtyrer
03/02/2017

"Silence": Missionare und Märtyrer

Martin Scorsese ringt in seinem Märtyrer-Drama mit Glaubensfragen.

von Alexandra Seibel

Ein kleiner Fußtritt auf das Jesus-Bild genügt, schon ist das Leben gerettet.

Die Versuchung ist groß. Rundherum hängen Menschen mit Kopf nach unten in eine Grube. Eine Ritze am Hals lässt sie langsam verbluten. Schreien und Stöhnen. Der japanische Inquisitor lächelt freundlich: Steigen Sie auf das Bild. Ist doch nur eine Formalität. Mir ist es egal, was Sie wirklich denken.

Für den gequälten Jesuiten-Pater ist es jedoch nicht egal: Soll er seinem Glauben – zumindest nach außen hin – abschwören? Soll er damit das Leben der anderen retten? Oder verrät er Gott? Solche Fragen stellt sich ein portugiesischer Missionar, der im Japan des 17. Jahrhunderts von der Obrigkeit gefoltert wird.

Jahrzehntelang hat Martin Scorsese sein Priester-Drama im Herzen getragen, ehe er es verwirklichen konnte. Vielleicht hat es auch deswegen so lange gedauert, weil viele Produzenten seinen Jesus-Skandal um "Die letzte Versuchung Christi" in Erinnerung hatten.

In "Silence", basierend auf Shūsaku Endōs Roman von 1966, reisen Andrew Garfield ("Spider-Man") und Adam Driver ("Star Wars") als Missionare in die japanischen Sümpfe, um dort verfolgte Christen zu stärken und einen verschollenen Pater (Liam Neeson) zu suchen. Scorsese erzählt im eleganten, klassischen Hollywood-Stil ohne seine signifikant langen Kamerafahrten. Gekonnt verankert er die Glaubenskämpfe in der nebelverhangenen Landschaft Japans, deren gleichgültige Schönheit die Grausamkeiten der Folter noch verstärkt.

Wann grenzt tiefer Glaube an Fundamentalismus? Wie verzahnt sich Missionierung mit kolonialem Machtstreben? Ist der Tod der größte Beweis seiner Liebe zu Gott oder bloß sinnloses Opfer?

Scorsese stellt diese Fragen mit großer Aufrichtigkeit. Seine Antworten bleiben profund ambivalent.

INFO: USA/TW/MX 2016. 161 Min. Von Martin Scorsese. Mit Andrew Garfield, Adam Driver.

KURIER-Wertung:

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