Shootingstar Anna Prohaska: "Großes Kino"

Anna Prohaska wird von deutschen Medien gern als "Berlins Dream-Girl" bezeichnet. Sie meint dazu lachend: "Den Jugendbonus kann ich mir bald abschminken"
Foto: Patrick Walter/DG

CD der Woche: Sie ist jung, hübsch und kann wirklich singen: Mit "Sirène" legt Anna Prohaska ein hinreißendes, mutiges Album vor.

Anna Prohaska ist anders. Sehr anders sogar. Denn welche aufstrebende Sängerin käme schon auf die Idee, ihr Debüt-Album bei der Deutschen Grammophon (DG) dem Thema Meerjungfrauen zu widmen. "Daran ist Michael Köhlmeier schuld", lacht die Sopranistin. "Ich durfte im Gläsernen Saal des Musikvereins mit Köhlmeier einen Abend zu diesem Mythos musikalisch bestreiten. Und wir haben dazu so viel Musik gefunden, dass wir etliche Nummern weglassen mussten. Das war so schade. Als mich die DG unter Vertrag genommen hat, war mir sofort klar: Das muss meine Debüt-CD werden."

Prohaska weiter: "Außerdem denke ich, die Menschen wollen nicht die hundertste Mozart-Arien-Aufnahme hören, sondern sind auch offen für etwas Neues", erklärt Prohaska, die bei den Salzburger Festspielen gerade als Despina in Mozarts "Così fan tutte" (siehe Kritik Seite 35) auf der Bühne steht. Flotter Nachsatz: "Aber natürlich hätte das auch ein echter Ladenhüter werden können. Das Risiko war schon groß."

Anna Prohaska wird von deutschen Medien gern als "Berlins Dream-Girl" bezeichnet. Sie meint dazu lachend: "Den Jugendbonus kann ich mir bald abschminken" Foto: Patrick Walter/DG Anna Prohaska wird von deutschen Medien gern als "Berlins Dream-Girl" bezeichnet. Sie meint dazu lachend: "Den Jugendbonus kann ich mir bald abschminken"

Ein Ladenhüter wird diese Einspielung sicherlich nicht. Zu gut ist das, was Prohaska mit "Sirène" bietet. Lieder von John Dowland bis Gustav Mahler, von Henry Purcell bis zu Haydn, Schubert, Schumann, Wolf und Bizet singt die 28-jährige, in Wien aufgewachsene "Wahl-Berlinerin", deren "familiärer Stützpunkt" aber das elterliche Haus in Salzburg ist.
Und Prohaska singt all die Nummern wunderschön. Ihr schlanker, heller, ausdrucksstarker Sopran passt perfekt zu den Stimmungen der einzelnen Piecen; am Klavier fügt sich Eric Schneider gut und diskret in den verinnerlichten Gesang ein.

"Ja, da geht es um Liebe und um Schmerz", sagt Prohaska. "Und darum, wie weit man für seine Liebe gehen würde. Das sind die Themen in der klassischen Musik und im Leben. Ich finde, Oper ist einfach ganz großes Kino."

Filmfreak

Anna Prohaska wird von deutschen Medien gern als "Berlins Dream-Girl" bezeichnet. Sie meint dazu lachend: "Den Jugendbonus kann ich mir bald abschminken" Foto: Patrick Walter/DG Anna Prohaska wird von deutschen Medien gern als "Berlins Dream-Girl" bezeichnet. Sie meint dazu lachend: "Den Jugendbonus kann ich mir bald abschminken"

Stichwort Kino. Filme sind neben dem Theater Prohaskas große Leidenschaft. "Ich habe immer davon geträumt, einmal bei der Oscar-Verleihung über den Red Carpet zu gehen und das live erleben zu dürfen. Vorerst aber sehe ich mir halt alle nominierten Filme an und fiebere dann via TV die ganze Oscar-Nacht mit."
Welche Pläne hat Prohaska sonst noch? "Ich bin im Ensemble der Staatsoper unter den Linden glücklich, präsentiere ,Sirène' aber im April im Musikverein. 2013 werde ich dann im Theater an der Wien zwei sehr unterschiedliche Partien aus zwei sehr unterschiedlichen Epochen singen. Denn ich liebe ,mein' Wien."

KURIER-Wertung: ****
* von *****

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(kurier) Erstellt am
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