Schöner Wohnen mit Bosch

Die Gemäldegalerie zu gast im Theatermuseum,<br />
Nove…
Foto: /Lisa Rastl Die Gemäldegalerie zu Gast im Theatermuseum: Bosch-Altar (Rückseite) und Bild von Jonas Burgert

Die Schätze der Akademie der bildenden Künste gastieren nun im Theatermuseum.

Man werde die nächsten drei Jahre "friedlich zusammenwohnen", sagte Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums (KHM), zu dem auch das Theatermuseum gehört.

Neu in der Wohngemeinschaft ist die Gemäldegalerie und das Kupferstichkabinett der Akademie der Bildenden Künste: Wegen der Generalsanierung des Gebäudes am Schillerplatz musste ein Ausweichquartier für die herausragenden Bestände, allen voran Hieronymus Boschs "Weltgerichtstriptychon", gefunden werden. Theatermuseum-Chef Thomas Trabitsch war anfangs wenig begeistert von der neuen Mitbewohnerin, was er bei der Pressekonferenz nicht verhehlen konnte – letztlich sei es aber eine befruchtende Situation für alle geworden.

Dass die Bundesimmobiliengesellschaft, die für das Ersatzquartier aufkommen muss, dem KHM-Verbund nun monatlich 9000 € Miete für die 970 ² Fläche überweist, ist nicht zuletzt eine willkommene Budget-Entlastung für das Museum.

Verstecktes Juwel

Die Gemäldegalerie der Akademie, seit jeher ein am touristischen Radar unterrepräsentiertes Juwel, hat im Palais Lobkowitz gleich neben Albertina und Staatsoper nun jedenfalls ein kleineres, aber würdiges Quartier bekommen. Boschs wunderbare Altartafel steht nun frei vor einer halbrunden Saalwand, flankiert von Meisterwerken altniederländischer und altdeutscher Malerei.

PG GEMÄLDEGALERIE DER AKADEMIE DER BILDENDEN KÜNST Foto: APA/GEORG HOCHMUTH Dass an der gegenüberliegenden Wand ein riesiges Bild des deutschen Malers Jonas Burgert als zeitgenössisches Statement hingeknallt wurde, muss man nicht mögen: Zwar ergeben die in Bosch-Manier ineinander verkeilten Tiere, Leiber und Trümmer, die laut Burgert auf das wilde Seeleninnere einer in der Mitte porträtierten Person verweisen, ein durchaus tolles Bild – während die Bilder des Niederländers aber eine ins Detail gehende Betrachtungsweise verlangen, braucht es für Burgerts Bild eine Distanz, die sich in dem recht schmalen Saal nicht ganz ausgeht.

Rubens-Grapscher

Rubens, der zweite Star der Akademie-Galerie, wäre für derlei Theatralik ein besserer Partner gewesen. Er darf zwei Säle weiter strahlen, mit dem wunderbaren Bild der "Drei Grazien" und dem Werk "Boreas entführt Oritheiya", einem Zeugnis sexueller Machtausübung aus mythologischer Vorzeit.

Thomas Ender, Spitze von Europa, 1817, Aquarell, V… Foto: /Akademie der Bildenden Künste Wien Das Kupferstichkabinett bespielt im Theatermuseum einen Korridor mit wechselnden Ausstellungen. Den Anfang machen Zeichnungen und Aquarelle von Thomas Ender, der 1817/’18 bei der Brasilien-Expedition dfer Fregatte "Austria" mitreiste: Aus der Masse an Blättern, die Ender anfertigte, wählte Kurator René Schober Bilder der Überfahrt, die auch das Leben an Bord zeigen.

Die Mission der Sammlung, einen kunsthistorischen Crashkurs zu bieten und die Institution der Akademie hochzuhalten, geht in den neuen Räumen nicht verloren. Doch abseits dieser historischen Funktion fällt ein anderer Nutzen ins Auge, der unserer Epoche entgegenkommt: Für Wien-Besucher und Einheimische, die nicht die Zeit oder Ausdauer für einen langen Museumsbesuch aufbringen können, ist die Gemäldegalerie ein hervorragendes Angebot.

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?