Egon Schiele "Stadt am blauen Fluss (Krumau)" (Ausschnitt): Das Bild kommt am 5. November 2014 bei Christie's in New York zur Versteigerung.

© Christies New York

Schiele-Versteigerung
11/02/2014

Leopold Museum kritisiert Christie's scharf

Das Auktionshaus habe ein demnächst zu versteigerndes Schiele-Gemälde unzulässigerweise als Raubkunst deklariert.

Wenige Tage vor der Versteigerung von Egon Schieles "Stadt am blauen Fluss (Krumau)" bei Christie's in New York hat das Wiener Leopold Museum das Auktionshaus scharf kritisiert. Christie's übernehme "offenbar bewusst eine lückenhafte und falsche Provenienzkette", äußert das Museum am Wochenende sein Unverständnis über die Kennzeichnung des Werks aus der Sammlung Fritz Grünbaums als Raubkunst.

Dies sei eine "mutwillige Unterdrückung der Tatsachen", heißt es in der Aussendung des Museums. "Die Werke Fritz Grünbaums waren nie Raubkunst." Im Zuge der gemeinsamen Provenienzforschung des Kulturministeriums und der Leopold Museum-Privatstiftung habe eindeutig nachgewiesen werden können, dass viele Werke Schieles aus der Sammlung Grünbaum nach dem Zweiten Weltkrieg von dessen Schwägerin Mathilde Lukacs an einen Schweizer Kunsthändler verkauft wurden.

Restitutionsfälle

Der Ärger des Leopold Museums entzündete sich an einer Pressekonferenz im Museum of Jewish Heritage in New York, die am Freitag im Vorfeld der Versteigerung abgehalten wurde. Die Werke aus der Sammlung Grünbaum, darunter Schieles Gemälde "Tote Stadt III", seien dabei als Restitutionsfälle behandelt worden. Für den Fall, dass seitens der Grünbaum-Erben weiter behauptet werde, dass das Leopold Museum nicht rechtmäßiger Eigentümer des Gemäldes sei, behält sich die Privatstiftung rechtliche Schritte vor, heißt es in der Aussendung. Auch die Einträge von Werken aus der Sammlung Leopold auf der Webseite lostart.de seien "inakzeptabel", handle es sich bei den Objekten doch weder um verschollene noch um Raubkunst.

Die Besitzer von "Stadt am blauen Fluss (Krumau)" (1910) hatten sich zuvor mit den Grünbaum-Erben geeinigt, sich den Erlös der Versteigerung zu teilen. Das Werk wird auf bis zu 1,2 Millionen Dollar (941.000 Euro) geschätzt und wird am 5. November in New York bei Christie's versteigert. Einen Tag zuvor kommt bei Sotheby's in New York Schieles "Sitzende mit angezogenem linken Bein" (1917), einst ebenfalls im Besitz von Grünbaum, unter den Hammer. Sotheby's bietet das Werk allerdings ohne Hinweis auf Raubkunst oder Kompensationszahlungen an, wie dieNew York Times berichtete. Das Auktionshaus bezieht sich dabei auf einen US-Gerichtsentscheid, wonach die Erben früher Ansprüche hätten anmelden müssen.

Der 1880 in Brünn (Brno) geborene Grünbaum war Kabarettist, Schauspieler und Autor. Er wurde 1941 als 60-Jähriger im Konzentrationslager Dachau bei München ermordet. Grünbaum besaß eine große Sammlung auch mit Werken anderer Größen der Kunstgeschichte. Laut den Anwälten von Dunnington, Bartholow & Miller befanden sich allein mehr als 80 Schiele-Werke in der Wiener Wohnung Grünbaums, als dieser von der Gestapo wenige Tage nach dem sogenannten Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland festgenommen und deportiert wurde. Die Sammlung wurde "arisiert", also geraubt.

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