Kultur 25.05.2018

Sarah Maldoror, die Matriarchin des afrikanischen Kinos

"Sambizangar" von Sarah Maldoror erzählt von dem Beginn der Befreiungskämpfe in Angola © Bild: Österreichisches Filmmuseum

Afrikas Kinopionierin, die in Frankreich geborene Regisseurin Sarah Maldoror, im Gespräch.

Sarah Maldoror gilt als die Matriarchin des afrikanischen Kinos. Während der berühmte senegalesische Filmemacher Ousmane Sembène den Titel „Vater des afrikanischen Kinos“ trägt, ist Maldoror die erste schwarze Frau, die einen Spielfilm gedreht hat. Deutlich weniger bekannt als Sembène und andere Vertreter des afrikanischen Kinos, blieb ihr Filmwerk schmal und ging teilweise verloren.

Maldoror hat ihre Wurzeln im karibischen Guadeloupe und wurde am 19. Juli 1929 in Frankreich geboren. Eigentlich hieß Sarah mit Nachnamen Ducados, doch benannte sie sich nach dem französischen Radikalwerk „Die Gesänge des Maldoror“ von Lautréamont. Als Waise verbrachte Maldoror eine wüste Kindheit in einem brutalen Erziehungsheim: „Für meine Mutter war Kultur das Mittel, um zu überleben“, erzählt Annouchka De Andrade – gemeinsam mit ihrer Mutter zu Gast im Österreichischen Filmmuseum.

Kultur bedeutete für Maldoror zuerst die Ausbildung zur Schauspielerin in Paris und Auftritte in kleinen Rollen. Irgendwann hatte sie es satt, die Rolle des schwarzen Dienstmädchens zu übernehmen und gründete mit Freunden ihre eigenen Theatergruppe.

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Matriarchin des afrikanischen Kinos: Sarah Maldoror © Bild: Österr. Filmmuseum / © Eszter Kondor

Filmausbildung in Moskau

Wie sie selbst zum Film kam?

„Sobald man Schauspielerin ist, bekommt man Lust, Kino zu machen“,sagt Sarah Maldoror im KURIER-Gespräch. Umflammt von einem weißen Afro, spricht die 88-jährige alte Dame immer noch mit robuster Stimme: „Kino ist immer ein politischer Akt. Jeder kann sich darin ausdrücken.“

Sie selbst erhielt Anfang der 60er Jahre ein Stipendium für eine Filmausbildung in Moskau, wo sie übrigens auch Sembène traf: „Moskau war damals offen und hat Afrikaner aufgenommen, um sie auszubilden“, erinnert sich Maldoror. Zwar wurde sie auch dort mit Rassismus konfrontiert, doch eröffneten sich auch neue Perspektiven: „Dorthin studieren zu gehen, hatte fast etwas Revolutionäres: Man war am Gipfel aller Möglichkeiten, was eine kreative Ausbildung betraf.“

Ihre Karriere im Film begann Maldoror als Regieassistentin von Gillo Pontecorvo und dessen legendären Revolutionsfilm „Schlacht um Algier“ von 1966: „Es ging darum, unsere Geschichte selbst zu erzählen, das war das allerwichtigste.“

Heute hat sich neben dem afrikanischen Autorenkino (womit meist das Filmemachen in den Ländern südlich der Sahara gemeint ist) vor allem in Nigeria seit den 1990er-Jahren eine boomende Filmindustrie entwickelt. Als Sarah Maldoror 1972 ihren charismatischen Spielfilm „Sambizanga“ drehte, ging es ihr vor allem um die Anfänge der Befreiungsbewegung in Angola. „Sambizanga“ (Montag, 21.00 Uhr, Filmmuseum) erzählt von der Verhaftung eines Bauarbeiters, der im im Dienste der Portugiesen gefoltert wird: „Zuerst haben die Europäer, die Weißen die Geschichte Afrikas erzählt. Aber dann haben schwarze Filmemacher das Wort ergriffen und ihre Geschichte erzählt“, sagt Sarah Maldoror, die bis heute aktiv ist und an einem Projekt über Kolonialismuskritiker Frantz Fanon arbeitet: „Das Kino ist unerlässlich. Man kann nicht leben, ohne ins Kino zu gehen.“

INFO: Bis 30. Mai im Österreichischen Filmmuseum; 26.5., 19.00 Uhr, Präsentation im Depot, Breitegasse 3.

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( kurier.at , Sei ) Erstellt am 25.05.2018