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Bergmann hofft „nach wie vor“ auf Hinterhäusers Festspielauftritt

Die neue Intendantin Karin Bergmann nahm Stellung zu ihrer abgekühlten Beziehung zu Hinterhäuser und zu seiner Verankerung im diesjährigen Festspielprogramm.
PRESSEGESPRÄCH SALZBURGER FESTSPIELE "VORSTELLUNG DES NEU ZUSAMMENGESETZTEN DIREKTORIUMS": BERGMANN

Auch wenn Markus Hinterhäuser nicht mehr an der Spitze der Salzburger Festspiele steht, bleibt seine Präsenz im diesjährigen Festival allgegenwärtig. Der abgesetzte und beurlaubte Intendant steht sogar mit zwei Auftritten als Pianist im Festspielprogramm, eines davon soll bereits am Mittwoch, 29. Juli, stattfinden. Ob Hinterhäuser, der zuletzt medial auf Tauchstation war, tatsächlich auftritt, wurde bis zuletzt nicht bestätigt.

Die neue Intendantin Karin Bergmann nahm vergangenen Samstag im Gespräch mit Ö1 „im Journal zu Gast“ Stellung. 

Noch kein klärendes Gespräch

Das gesamte Programm stammt noch aus der Feder ihres Vorgängers – und Bergmann sieht ihre Aufgabe darin, dieses Programm in seinem Sinne umzusetzen. Ein persönliches klärendes Gespräch zwischen ihr und Hinterhäuser habe es bislang noch nicht gegeben. Dennoch hofft sie auf eine Annäherung. „Ich bleibe zuversichtlich, dass sich das vielleicht irgendwann wieder ergeben kann“, sagt Bergmann. Sie wäre mit Hinterhäuser „gerne wieder in Kontakt“, schließlich wäre er „ein ganz bedeutender künstlerischer Partner gewesen“.

Dass sie nun allein die Verantwortung trägt, sei ursprünglich gar nicht vorgesehen gewesen. Gerade deshalb wolle sie sich nicht über ein eigenes Profil definieren. „Es gibt von ihm ein hervorragend konzipiertes Programm. Ich muss mich nicht mehr profilieren. Ich werde dieses Programm hoffentlich in seinem Sinne umsetzen.“

Hinterhäuser im Programmheft

Dabei macht Bergmann keinen Hehl daraus, dass für sie die eigentliche kreative Arbeit bereits geleistet wurde. „Die Programmierung und die Planung ist die Kür. Die Umsetzung ist sozusagen die Pflicht.“ Diese Aufgabe sei zwar oft weniger glamourös und mit erheblichen Belastungen verbunden, dennoch empfinde sie sie als „eine wunderbare Aufgabe“.

Dass Hinterhäuser für die diesjährigen Festspiele prägend bleibt, soll auch nach außen sichtbar sein. Sein Name steht in sämtlichen Programmheften unmittelbar unter dem Direktorium, um seine Verantwortung für das künstlerische Programm zu dokumentieren. Zudem sei er weiterhin mit Künstlerinnen und Künstlern sowie mit Mitgliedern des Teams in Kontakt. „Das finde ich gut und richtig so“, betont Bergmann.

Hofft „nach wie vor“ auf Aufritt Hinterhäusers

Besonders hofft sie, dass Hinterhäuser auch als Pianist bei seinen beiden geplanten Konzerten auftreten wird. Das sei ihr „großer Wunsch“ und sie hoffe „nach wie vor, dass sich das jetzt auch bald positiv entwickelt.“ Ihre Hoffnung begründet Bergmann so: „Ich denke, er wird sein Publikum nicht enttäuschen.“ Vor allem wünsche sie sich, dass er sich dort „persönlich das abholen kann, was ihm zusteht – nämlich Ovationen für seine jahrzehntelange Arbeit hier“.

Auf Anfrage des KURIER verwies das Pressebüro der Festspiele lediglich darauf, dass die aktuell gültige Besetzung im Online-Kalender zu finden sei. Für den Liederabend mit dem Bariton Matthias Goerne am 29. Juli und das Konzert mit den Pianistenkollegen Igor Levit am 11. August war bis zuletzt Hinterhäuser angekündigt.

Wie groß die Verbundenheit vieler Künstler mit dem ehemaligen Intendanten ist, habe sich bereits bei der Ouverture spirituelle gezeigt. Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja habe ihr vor dem Konzert angekündigt, sich von der Bühne aus ausdrücklich bei Hinterhäuser bedanken zu wollen. „Das finde ich auch alles gut und richtig so.“

Auch für die Solidaritätsbekundungen zahlreicher Künstlerinnen und Künstler, die sich nach Hinterhäusers Abgang in offenen Briefen zu Wort gemeldet hatten, zeigt Bergmann Verständnis. Gleichzeitig verweist sie darauf, dass der erste offene Brief entstanden sei, bevor feststand, dass sie die Intendanz übernehmen würde. Mehrere Unterzeichner hätten ihr später gesagt, „wenn sie gewusst hätten, dass ich komme, hätten sie es anders formuliert“. Insgesamt seien die Vorgänge rund um den Führungswechsel für viele Beteiligte unübersichtlich gewesen.

„Großes Salzburger Affentheater“ im Festspielshop

Zur Debatte über die Hintergründe des Zerwürfnisses und zum Buch „Das große Salzburger Affentheater von Sven Hartberger äußert sich Bergmann zurückhaltend. Die Festspiele selbst könnten viele Fragen nicht beantworten, weil der Auflösungsvertrag mit Hinterhäuser eine Verschwiegenheitsvereinbarung enthalte. Die Kritik an mangelnder Transparenz richte sich ihrer Ansicht nach vor allem an das Kuratorium und die politisch Verantwortlichen.

Gleichzeitig richtet Bergmann den Blick bereits nach vorne. Das Programm 2026 trage noch deutlich Hinterhäusers Handschrift, für die kommenden Jahre werde sie schrittweise eigene Akzente setzen. Auf ihre langjährigen Erfahrungen am Burgtheater, an der Volksoper, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Schauspielhaus Bochum und am Theater an der Wien könne sie dabei ebenso zurückgreifen wie auf ihr weit verzweigtes Netzwerk in Schauspiel und Musiktheater. Konkrete Projekte wolle sie noch nicht verraten, bestätigte aber Gespräche mit Regisseurin Andrea Breth.

Aufwertung des Schaupiels

Inhaltlich möchte Bergmann vor allem das Schauspiel innerhalb der Festspiele wieder sichtbarer machen. Neben etablierten Regiegrößen sollen verstärkt junge Regisseurinnen und Regisseure eingeladen werden. Ihr Ziel sei ein Schauspielprogramm, das innerhalb der Festspiele wieder stärker wahrgenommen werde. „Wenn man weiß, dass der Jedermann eine der großen Säulen der Salzburger Festspiele ist, finde ich, dass das Schauspiel auch hier auf Augenhöhe mit Musik und Konzert zu erleben sein soll.“ Bergmann erinnerte auch an die Zeit, als Peter Stein von Gérard Mortier mit einem Sonderbudget fürs Schauspiel ausgestattet worden sei und in der Felsenreitschule „aufregende Theaterproduktionen präsentiert wurden“.

Offen für weiblichen „Jedermann“

Dass man den Jedermann auch weiblich besetzen könnte, kann sich Bergmann vorstellen: „Ich glaube auch, dass diese Rolle so belastbar ist, dass das funktionieren würde.“ Sie halte aber die Inszenierung von Robert Carsen, die sie heuer zum ersten Mal wirklich live gesehen habe, für „eine so hervorragende Aufführung“, dass sie in ihrer „überschaubaren Zeit hier in Salzburg“ nicht den Plan habe, das zu verändern. Die Besetzung werde ohnehin in Absprache mit dem Regisseur entschieden. Bergmann: „Schauen wir mal, was Robert Carsen da für Pläne hat. Philipp Hochmair hat heuer zum dritten Mal bewiesen, dass er diese Figur mit viel Leben erfüllt.“

Interimistische Spielstätte kommt

Die Umbauplänen für den „Festspielbezirk 2030“ würden sie peripher betreffen, sagt Bergmann, weil ab 2028 ist das Große Festspielhaus nicht mehr in dem Umfang zu bespielen sei wie jetzt. „Es wird auf jeden Fall während dieser Jahre eine interimistische Spielstätte geben müssen“, stellt die Intendantin klar. „Es wird sicherlich bald entschieden werden, welcher Platz das sein kann und dort wird dann auf jeden Fall  zahlreich und umfangreich Programm der Salzburger Festspiele stattfinden.“

Eine „neue Generation“

Ihre eigene Rolle versteht Bergmann allerdings ausdrücklich als Übergangsaufgabe. Nach Ablauf ihrer bis 2028 befristeten Intendanz strebt sie keine weitere Leitungsfunktion an. Sie werde zwar noch beratend zur Verfügung stehen, aber, „ich werde nicht mehr verantwortlich tätig sein“, stellt sie klar. Eine neue langfristige Intendanz solle auch Raum für „eine neue Generation“ schaffen.

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