Hinterhäuser hat alles verantwortet – und wurde verstoßen
Schon der feierliche Eröffnungsakt am Vormittag wird zum Problem der diesjährigen Festspiele – wenn auch anders als voriges Jahr mit der Störung der Rede des Vizekanzlers durch einen Demonstranten – doch mit einer tieferen Bedeutung und länger vernehmbaren Folgen. Denn wenn auch der feierliche Eröffnungsakt vom Land Salzburg inaugiert ist, und die Frau Landeshauptfrau daher die Hauptrollenträgerin ist, sind es jedoch die Festspielpräsidentin, der Kulturminister, der Festredner und am Ende der Bundespräsident, die die Eröffnung der Spiele verkünden.
Ioan Holender.
Alle loben, was demnächst stattfinden wird, alle freuen sich darauf beziehungsweise werden dazu aufgerufen, die bis Ende August vorgekochten Speisen entsprechend zu genießen. Doch wer ist der Koch, der auch das Vorwort des Festprogrammes konzipierte? Bei wem kann man sich bedanken für die Zusammenstellung aller hoch gelobten Köstlichkeiten? Der Koch ist weg, nachdem er alles vorgekocht hat. Er musste die Küche stante pede nach Ostern verlassen und darf nie mehr wiederkommen, weil er sich dem Geldgeber gegenüber unmöglich benommen hat, indem er sein Wohlwollen dem Festspiel-Kuratorium gegenüber nicht entsprechend gezeigt hatte.
Brav und gefällig
Doch bei wem, wenn nicht bei dem, der sie ausgewählt und das Programm gestaltet hat, wollen sich die Engagierten bedanken? Ob der Kurtág, dem zum Hundertsten in Salzburg gedacht wird, wie auch die Bartoli zum viel früheren oder Dirigenten, Regisseure, Sänger und Schauspieler sowie Autoren und Komponisten. Ja aber derjenige, der alle geholt hat und alles bestimmt hat, der ist weg. Alle freuen sich und loben das, was er uns zum Konsumieren hinterlassen hat, und Engagierte freuen sich, dabei gewesen zu sein, und möchten ihren Dank jenem gegenüber äußern, der sie engagiert hat. Doch der ist weg. Endgültig, denn er hatte sich schlecht benommen. Er hat die höchste Instanz, die Hauptfrau des Landes, beleidigt. Diese interessiert nicht, was und wie gekocht wird, sondern nur, dass der Koch brav und gefällig ihr gegenüber sein soll, und das war er wohl nicht. In Conclusio: wir konsumieren, genießen und kritisieren die Salzburger Festspiele, doch den Verursacher von alledem gibt es hier nicht mehr.
Zum Autor:
Ioan Holender war von 1992 bis 2010 Direktor der Wiener Staatsoper und gestaltete danach eine Kultursendung auf ServusTV.
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