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Kritik
09/21/2019

"Rusalka" im Theater an der Wien: Irrende im Reich der bösen Traumdeutung

Kritik. Antonín Dvoráks „Rusalka“ an der Wien.

von Peter Jarolin

Diese Produktion gehe ihm richtig unter die Haut, meint Günther Groissböck im großen KURIER-Interview. Eine Meinung, die der Großteil des Premierenpublikums jedoch eher nicht teilen dürfte. Zwar gab es für Regisseurin Amélie Niermeyer nur ein schwaches Buh; der Applaus für das Leading Team fiel aber fast noch schwächer aus. Und dies aus gutem Grund.

Ja, diese Geschichte rund um die titelgebende Nixe, die aus Liebe zu einem Prinzen zur Frau werden möchte, dafür ihre Stimme opfert und bitter enttäuscht wird, ist sicher nicht nur ein Märchen. Und ja, man kann in dieser Oper – an der Wien wird selbstverständlich in tschechischer Sprache gesungen – viele Aspekte der Tiefenpsychologie, der Traumdeutung herauslesen. Nur wenn man das macht, sollte dies auch erkenntlich sein, irgendeinen Sinn ergeben.

In der Klinik

Genau das passiert in Niermeyers Deutung aber nur in Ansätzen. Christian Schmidt hat dafür ein steriles Allerwelteinheitsbühnenbild (Kostüme: Kirsten Dephoff) ersonnen, das irgendwo zwischen psychiatrischer Klinik, mondänem Loft, Wassertümpel (Vorsicht: wirklich nass!), Tiefgarage und Treppenlandschaft angesiedelt ist. Quasi ein braches Niemandsland.

Und in diesem spielt es sich ab. Da gibt es eine Zombiegesellschaft, eine auf Diva getrimmte Hexe, einen bebrillten Wassermann im Professoren-Look, einen auch nackt über die Bühne schlurfenden Prinzen und eine anfangs als Teeniegirl gezeichnete Rusalka. Dazu kommen viel Blut, viel Video und viele Grausamkeiten. Das ist zwar nett anzusehen, bleibt letztlich aber nur ein buntes, wirres Stückwerk. Schade!

In der Beliebigkeit

Ähnliches gilt für Dirigent David Afkham, der am Pult des wackeren ORF Radio-Symphonieorchester oft mit der Balance zwischen Bühne und Graben kämpft und einen spannungsarmen Dvorák anbietet. Bleiben also die Sänger. Und hier wissen vor allem Günther Groissböck und Maria Bengtsson zu brillieren. Einen vokal wie darstellerisch besseren Wassermann wie Groissböck wird man weltweit kaum finden; auch Bengtsson singt ihre Rusalka mit betörender Schönheit. Da kann Ladislav Elgr als Prinz nicht ganz mithalten.

Tadellos: Kate Aldrich, Natascha Petrinsky, Markus Butter und Johannes Bamberger. Ein Freude: Juliette Mars, Ilona Revolskaya, Mirella Hagen, Tatiana Kuryatnikova sowie der gute Arnold Schoenberg Chor.