Kultur
05.12.2011

Rudolf Buchbinder brillierte in Grafenegg

Kritik: Der Starpianist und Intendant des Musik-Festivals Grafenegg sorgte für ein grandioses "Heimspiel". Jubel.

Jetzt ist das Musik-Festival Grafenegg wirklich eröffnet. Nach Beethovens Neunter mit den Tonkünstlern und Dirigent Andrés Orozco-Estrada gestaltete Intendant und Gastgeber Rudolf Buchbinder am Wochenende einen Klavierabend im Auditorium. Und - man kann es nicht anders sagen - Buchbinder erwies sich einmal mehr als Ausnahme-Pianist. Aber der Reihe nach: Wenn Rudolf Buchbinder in die Tasten greift, ist der Konzertsaal bis auf den letzten Platz gefüllt, da jubelt das Publikum beim "Heimspiel" des großen Künstlers vor Glück.

Zu Recht: Denn Buchbinder ist das, was man salopp ein Naturereignis am Klavier nennt. Er kennt keine technischen Grenzen, er beeindruckt mit seiner natürlichen Virtuosität und seinem profunden Wissen rund um jene Stücke, die er am Steinway so grandios zum Klingen bringt. Im konkreten Fall Ludwig van Beethovens Sonate in G-Dur (op. 14/2) sowie die als "Waldstein-Sonate" bekannte Sonate in C-Dur (op. 53). Genial, wie zart, mit welcher Liebe zum Detail und mit welch federleichten melodischen Ausformungen Buchbinder die charmante G-Dur-Sonate zum Leben erweckte. Sensationell, wie der Pianist die "Waldstein-Sonate" perfekt auskostete.

Vollendet

Denn hier zeigte sich die wahre Meisterschaft des Virtuosen. Buchbinder spielt Beethoven nicht nur, er gestaltet ihn. Als große Geschichte, als vollendetes, tönendes Märchen. Die vorwärts drängende Motorik, die zarten Seitenthemen, die filigranen Einschübe und die dramatischen Steigerungen - all das ließ Buchbinder erstehen. So herrlich, so ehrlich, so tief empfunden hört man Beethoven nicht alle Tage. Kein Wunder, dass auch nach der Pause die "Symphonischen Etüden" (inklusive der fünf nachgelassenen Etüden) von Robert Schumann in den Bann zogen. Denn auch hier kostete Buchbinder jede technische Feinheit aus, setzte auf hinreißendes, aber nie oberflächliches, sondern von Liebe erfülltes Spiel und demonstrierte eindrucksvoll, warum er der vielleicht beste Pianist unserer Tage ist.

Das Publikum im Auditorium jubelte und bekam noch zwei weitere Geschenke. Ein faszinierend (und intensiv) dargebotenes Schubert-Impromptu sowie eine Johann-Strauß-Paraphrase. Und insgeheim seht man sich bereits nach dem nächsten Buchbinder-Klavierabend. Mit ganz viel Schubert und noch mehr Beethoven - denn diese Kombinationen sind einfach unschlagbar.

Weitere Höhepunkte

Rudolf Buchbinder ist nochmals in Grafenegg zu erleben. Am 30. August interpretiert der Pianist das erste Klavierkonzert von Brahms mit dem Israel Philharmonic und Dirigent Zubin Mehta.

Weiters zu Gast: Das Philadelphia Orchestra mit Dirigent Charles Dutoit (25. und 26. August) sowie den Solisten Jean-Yves Thibaudet und Janine Jansen. Das Orchestre de Paris kommt mit Paavo Järvi (28. 8.), das Pittsburgh Symphony Orchestra mit Manfred Honeck und den Solisten Anne-Sophie Mutter (1. 9.) und Hélène Grimaud (2. 9.).

Die Wiener Philharmoniker sind mit Franz Welser-Möst (3. 9.) zu erleben; das Concertgebouw Amsterdam am 6. und 7. 9. mit Andris Nelsons. Die Tonkünstler spielen mit HK Gruber und Angelika Kirchschlager die "Sieben Todsünden" von Weill (4. 9.) und Berlioz' "Lélio" (27. 8.) mit Andrés Orozco-Estrada.

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