© ©helgebauer/Musikverein/Helge Bauer

Kritik
06/22/2020

"Rosenheim-Cop" Max Müller: Wiener Schmäh, der richtig gut rennt

Max Müller und Pianist Volker Nemmer im Musikverein.

von Peter Jarolin

Als „Rosenheim-Cop“ Michi Mohr begeistert er regelmäßig Millionen im Fernsehen. Und auch im Gläsernen Saal des Musikvereins begeisterte Max Müller gemeinsam mit seinem kongenialen Pianisten Volker Nemmer das Publikum. Corona-bedingt allerdings keine Millionen, sondern nur jeweils die erlaubten 100 Besucher an insgesamt vier Abenden.

„Wien – eine Annäherung!“ nennt der Schauspieler und ausgebildete Bariton den ersten Teil einer Art musikalischer Städtetrilogie, die ihn auch noch in seine Heimat Kärnten und nach Bayern führen wird. Vorerst aber hieß es noch „Von Amtsweg bis Fetzenschädel, von Gustokatz bis Zwickerbussi“.

Das Alphabet

Und wer diese Ausdrücke so gar nicht kennen sollte, dem gab Müller gleich zum Auftakt mit dem „Wiener Alphabet“ von Richard Österreicher (Text: Trude Marzik) am Klavier eine kleine Nachhilfestunde in Sachen Wiener Dialekt. Ein perfekter Einstieg in einen pausenlosen, etwa 70-minütigen Abend, der in seiner Stringenz überzeugt.

Virtuos wechselt Müller hier nämlich zwischen Gesang und Wort, rezitiert auswendig Johann Nestroy, Karl Kraus oder Franz Schubert, lässt Ernst A. Kein, Trude Marzik oder Andrea Maria Dusl zu Wort kommen.

Aber auch Klassiker des Wiener Lieds fehlen da nicht. Etwa „Im Prater blüh’n wieder die Bäume“ von Robert Stolz oder „Der Musikkritiker“ von Georg Kreisler und „Der g’schupfte Ferdl“ von Gerhard Bronner. Ein eigener Block ist Hermann Leopoldi gewidmet. Logisch, denn „In einem kleinen Café in Hernals“, „In der Barnabitengassn“ oder in einer „Badehütt’n drunt in Kaisermühlen“ sollte man doch einmal gewesen sein. Volker Nemmer gibt am Klavier den stets passenden Ton vor, Max Müller stellt seinen schönen Bariton ganz in den Dienst der zutiefst Wiener Botschaften.

All das geschieht herrlich natürlich, mit viel Witz und Schmäh. All das ist charmant, aber nie sentimental, durchaus rasant und stets brillant. Wie im Flug vergeht diese Milieustudie, bei der Müller auch als Gerhard Bronners „Chesterfield-Girl“ die Lacher auf seiner Seite hat.

Wer dies verpasst hat, darf sich auf nächste Saison freuen. Dann präsentiert Max Müller im Gläsernen Saal die komplette Trilogie.

Peter Jarolin

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