Ein Bild aus besseren Zeiten: das Ehepaar Loidolt, Gründer der Festspiele Reichenau

© APA/GEORG HOCHMUTH

Kultur
05/30/2021

Rettungsaktion für die Festspiele Reichenau ist angelaufen

"Trenklers Tratsch": Große Bühnen in Wien sind in der Post-Lockdown-Depression - und Nöku-Chef Paul Gessl verhandelt mit den Loidolts

von Thomas Trenkler

Am Freitag wurde bekannt gegeben, dass ab 10. Juni nicht nur 50, sondern 75 Prozent der Sitzplätze verkauft werden dürfen. Ab Juli ist noch viel mehr möglich. „Große Freude“ herrsche nun, so die APA, angesichts der weiteren Öffnungsschritte in der Kulturbranche. Und Andrea Mayer, die Staatssekretärin, zeigte sich – laut Aussendung – „erleichtert“.

Die großen Wiener Theaterbühnen haben aber bereits vor der Entscheidung w.o. gegeben. Das Burgtheater sperrte das Hauptgebäude nicht einmal auf (weil eine Klimaanlage eingebaut wird), es spielt im Juni keine Vorstellung im Kasino am Schwarzenbergplatz, macht nur im Akademietheater Programm.

Das Volkstheater, unter der neuen Direktion von Kay Voges erst am 26. Mai gestartet, beendet die Saison bereits am 6. Juni, nach nicht einmal zwei Wochen.

Und Herbert Föttinger, der wütend das Spielen-Dürfen eingefordert hatte, bringt im Theater in der Josefstadt nicht nur keine Premiere heraus: Ab 16. Juni steht gleich 13-mal „Keine Vorstellung“ auf dem Programm (was sich nur zum Teil mit der Absage von dreimal „Kirschgarten“ erklären lässt). Darf das wahr sein? Bei Betrieben, die mit Millionenbeträgen subventioniert werden und einen Kulturauftrag haben?

Aufgegeben haben auch Renate und Peter Loidolt, die Gründer der höchst erfolgreichen Festspiele in Reichenau. Sie ermöglichen also den anderen Sommertheatern in Niederösterreich, gemächlich über die Ziellinie zu traben – das bedeutet w. o. eigentlich. Das profitorientierte Ehepaar hat mit der Entscheidung fast alle gegen sich aufgebracht: die am Tourismus interessierte Gemeinde, die Künstler – und auch das treue Publikum.

 

Das Land duldete über Jahrzehnte ein „Family Business“, das eigentlich nicht mit Steuergeld unterstützt werden darf. Aber nun, nach einem desaströsen Rechnungshofbericht, ist Feuer am Dach. Denn keiner hat ein Interesse, die Festspiele vor die Hunde gehen zu lassen. Als Troubleshooter wurde daher Paul Gessl requiriert. Er ist der Geschäftsführer der Nöku (Niederösterreich Kulturwirtschaft). Diese GmbH hat sukzessive so gut wie alle problematischen Kulturbetriebe im Land unter ihre Fittiche genommen und straff neu organisiert.

Das Portfolio um Reichenau zu erweitern, ist nicht das Ziel von Gessl. Aber er hat die Botschaft verstanden: Die Festspiele, ein konservativer Kontrapunkt zur Burg, muss es weiterhin geben – gerade in Zeiten von Sommerfrische post Corona. Mit Vollmacht der Kulturabteilung des Landes trat Gessl daher am Freitag in Verhandlungen mit den Loidolts ein.

Laut den über Reichenau kreisenden Schwalben soll das Ehepaar gewillt sein, sich zurückzuziehen – und auf eine Einmischung in die Geschicke des Festivals (über Loidolts Kulturverein) zu verzichten. Gerüchteweise mache Gessl gehörig Druck: Er will, unterstützt von der Gemeinde, die Übernahme bis Ende Juni unter Dach und Fach haben.

Der mit den Hufen scharrende Nicolaus Hagg dürfte keine Chancen haben, Intendant zu werden.

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