Familienunternehmen - und erfolgreich: Peter und Renate Loidolt

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Kultur
05/07/2021

Die widerständigen Loidolts im Clinch mit den Rechnungshof-Prüfern

Peter Loidolt, Chef der Festspiele Reichenau, kontert: „Wir sind ein Familienbetrieb, der RH hat uns gar nichts zu sagen!“

von Thomas Trenkler

Der Titel klingt wenig sexy: Der Rechnungshof überprüfte im Herbst 2018 „Ausgewählte Aspekte der Kulturförderungen in den Ländern Burgenland und Niederösterreich sowie in der Stadt Wien“. In seinem Bericht, jetzt veröffentlicht, zerpflückt der RH aber mit Genuss das Firmengeflecht des Ehepaars Renate und Peter Loidolt, Gründer der Festspiele Reichenau, und deren Tochter.

 

Peter Loidolt will sich nicht zu den Vorwürfen äußern: „Wir sind ein Familienbetrieb, der RH hat uns gar nichts zu sagen!“ Und weil die Subvention der öffentlichen Hand mit 13 Prozent nur einen Bruchteil des Budgets ausmacht (die Festspiele sind in der Tat wirtschaftlich höchst erfolgreich), hat der RH auch kein Recht, Einschau zu halten.

Was diesen aber gefuchst haben dürfte. Er beginnt seine Darstellung mit dem Jahr 2008. Damals konnte eine Vor-Ort-Kontrolle des Landes Niederösterreich erst „nach anfänglichen Schwierigkeiten“ abgeschlossen werden. Zwei Jahre später beauftragte das Land einen externen Wirtschaftsprüfer mit der Kontrolle. Dieser hielt „zahlreiche Mängel“ fest. Sie betrafen die Beziehungen der geförderten Festspiele Reichenau Ges.m.b.H. mit zwei anderen Loidolt-Unternehmen, die Nicht-Einhaltung des Vier-Augen-Prinzips und „die nicht branchenüblichen, zu hohen Entlohnungen der Geschäftsführungen und der Intendanz“.

Renate Loidolt gestand sich, wie der KURIER erfuhr, pro verkaufter Karte eine Provision von 7,5 Prozent zu. Aufgrund der hohen Eintrittspreise und der vielen restlos ausverkauften Vorstellungen kam in manchen Jahren eine Summe von über 200.000 Euro zusammen. Peter Loidolt findet das richtig: „Wenn wir erfolgsorientiert bezahlt werden: Ist das schlecht?“ Seiner Meinung nach sollte man auch den Burgtheaterdirektor nach Erfolg entlohnen.

Zurück ins Jahr 2010: Das Land überwies die Subvention (440.000 Euro) an einen Treuhänder, der den Betrag nur dann auszahlen durfte, wenn die Mängel behoben waren. Im April 2011 hielt er fest, dass die Mängel bei der Entlohnungsstruktur und beim internen Kontrollsystem nach wie vor bestünden. Daraufhin kam es zu einer Besprechung der Loidolts mit dem Land.

In der Folge sah das Wirtschaftsprüfungsunternehmen die Mängel als behoben an. Unter anderem deshalb, weil vierteljährliche Besprechungen mit dem Land über die wirtschaftliche Situation in Aussicht gestellt worden waren. Daher floss wieder das Steuergeld. Die Besprechungen aber gab es nie.

„Vermögensakkumulation“

Der RH ersuchte im Zuge der Prüfung das Land um Unterlagen zur Frage der Gehälter und sonstigen Auszahlungen, die von den drei Gesellschaften an das Ehepaar und dessen Tochter geleistet wurden. Das Land konnte bei den gewohnt widerständigen Loidolts jedoch keine Übermittlung von Unterlagen an den RH erwirken. Das Ehepaar akzeptierte schließlich eine Vor-Ort-Kontrolle durch das Land im April 2019. Erst danach lieferte das Land.

Der RH stellte nun intransparente Vorgänge und Verstöße gegen das Bundesvergabegesetz fest. Weil die Förderbedingungen nicht eingehalten worden seien, habe das Land die Subvention ganz oder teilweise zurückzufordern. Die Prüfer ärgerte, dass auch „fast zehn Jahre nach Feststellung der Mängel“ das Vier-Augen-Prinzip nicht verankert war.

Zudem vermerkte der RH, dass im einem der Unternehmen zur Bedeckung der Pensionszusagen 2,82 Millionen Euro angesammelt worden waren: „Die Akkumulation dieses Vermögens für die Gewährung von Pensionsauszahlungen, die auch nach Einstellung der Tätigkeit für diese Unternehmen fällig waren und auch Witwen- bzw. Witwerpensionsansprüche erzeugten – anstelle der Auszahlung von Gehältern und Honoraren beim geförderten Unternehmen – sah der RH kritisch.“

Aber, wie gesagt: Der RH hat kein Mandat. Und die Loidolts haben die Festspiele Reichenau in drei Jahrzehnten groß gemacht.

Nun erklären sie ihren Rückzug. Was nicht das Ende des Festivals bedeutet. Auch dem Land ist es wichtig, „dass es weitergeht“, so Kulturabteilungschef Hermann Dikowitsch. Eine Ausschreibung findet Peter Loidolt aber nicht wirklich zielführend. Weil eine Person gefunden werden müsse, die das auch halbwegs kann.

Die zentrale Botschaft des RH-Berichts lautet übrigens: Die Förderkontrollen sind in allen drei Bundesländern unzureichend. Die Stadt Wien gelobte Besserung.

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