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Kultur
11/16/2021

Rekord-Auktion nach Scheidungskrieg: Sotheby's setzt 676 Millionen um

Werke von Rothko, Giacometti und Pollock erzielten in der "bisher größten Versteigerung eines einzelnen Besitzes" Top-Preise

von Michael Huber

Die Auktionsbranche kennt die "3-D-Regel", die besagt, wann hochwertige Werke geballt auf den Markt kommen: "Death, Divorce, Debt" - also Tod, Scheidung oder Schulden - sind die häufigsten Gründe für eine Schwemme an Kunst- oder anderen Wertgegenständen, die lange außer Reichweite schienen und plötzlich wieder zugänglich sind.

Eine ganz besonders bitter ausgefochtene Scheidung stand nun hinter jener Auktion, die Sotheby's am Montagabend (Ortzeit) zu neuen Höhenflügen antrieb und dem nach Top-Werken hungernden Kunstmarkt eine Vitalitätsspritze bescherte: Die Meisterwerke der so genannten "Macklowe Collection" wechselten um die Gesamtsumme (inkl. Prämien) von 676.055.001 US-$ (umgerechnet rund 595 Mio. €) den Besitzer, kein Los blieb unverkauft. Dabei war die Auktion erst der erste Teil der vom Gericht angeordneten Versteigerung des Ex-Ehepaares Harry und Linda Macklowe - eine zweite Auktion soll im Mai 2022 folgen.

Vier Werke erzielten bei der Auktion Preise jenseits der 50 Millionen Dollar - darunter die Skulptur "Le Nez" (Die Nase) von Alberto Giacometti mit 78.396.000 US$ (rund 69 Mio. Euro), das Gemälde "No. 7" von Mark Rothko aus dem Jahr 1951  (82.468.500 US-$, rund 72,6 Mio Euro) und das Bild "Number 17" des Abstrakten Expressionisten Jackson Pollock (61.161.000 US-$, rund 53 Mio. Euro). Die letztgenannte Summe ist ein neuer Auktionsrekord für den Maler, von dem nur mehr höchst selten Werke auf den Markt gelangen.

Scheidungskrieg

Der Auktion waren extrem harte Kämpfe vor Gericht vorangegangen. Fast 60 Jahre lang waren der New Yorker Immobilien-Mogul Harry Macklowe und die Kunst-Expertin Linda, die neben ihrer Sammeltätigkeit auch diverse Ämter in Kunstinstitutionen, etwa im Aufsichtsrat des Metropolitan Museums, bekleidet, verheiratet. 2016 eröffnete Macklowe seiner Frau, dass er eine Affäre mit einer anderen Frau, Patricia Landeau, hatte; er sollte sie später heiraten.

Kurz nach einer mühsam errungenen Einigung ließ der inzwischen 84 Jahre alte Macklowe 2019 zwei riesige Porträts von sich und seiner frisch angetrauten neuen Ehefrau Landeau an der Seite eines ihm gehörenden Wolkenkratzers mitten in Manhattan aufhängen - als „Verkündung der Liebe“. Linda Macklowe hatte in dem Gebäude eigentlich eine Wohnung beziehen wollen, ein Gericht gab ihr aber das Recht, aus dem Vertrag auszusteigen.

In der Scheidung ging es neben der Kunst auch noch um Luxus-Apartements, eine Yacht und vieles mehr. Einige der Kunstwerke aus der Sammlung, deren Wert vorab auf eine Milliarde US-$ geschätzt worden war, durfte Linda Macklowe behalten, der Großteil aber musste verkauft werden. Das Leid der Sammlerin ist nun die Freude der Auktionshäuser - und anderer Milliardäre, die sich die Trophäen schnappten. 

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