Tessa Thompson als Sylvie in einem Kleid von Chanel: „Sylvies Liebe“ auf Amazon Prime

© Nicola Goode/Nicola Goode/Amazon Studios

Kultur
01/05/2021

Regisseur Eugene Ashe: "Ich liebe den Glamour dieser Zeit"

Der afroamerikanische Regisseur Eugene Ashe erzählt mit "Sylvies Liebe" eine elegante Romanze. Abrufbar auf Amazon Prime.

von Alexandra Seibel

Oft spielt die Hautfarbe eine Hauptrolle, aber nicht immer.

Für schwarze Amerikaner ist Rassismus eine tägliche Erfahrung. Viele Filme, die afroamerikanische Hauptdarsteller im Mittelpunkt haben, erzählen deshalb zentral von dieser Erfahrung. Umso mehr, wenn sie sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen, wie etwa in der akklamierten Verfilmung von James Baldwins "Beale Street" (2018), wo ein Mann in den 70er Jahren nur deswegen ins Gefängnis geworfen wird, weil er schwarz ist.

Der afroamerikanische Regisseur Eugene Ashe aber wollte eine andere Geschichte aus der Vergangenheit erzählten. Eine, in der die Hautfarbe keine Rolle spielt. Oder zumindest keine große.

Sein gefühlvolles Liebesdrama "Sylvies Liebe" (abrufbar auf Amazon Prime) handelt von einer jungen Frau namens Sylvie (Tessa Thompson), die Ende der 50er Jahre in New York lebt und dort auf ihre große Liebe, einen Saxofonisten, trifft. Sylvie ist allerdings verlobt mit einem Sohn aus reichem Haus. Als ihr heimlicher Geliebter Robert (Nnamdi Asomugha) eine Angebot als Jazz-Musiker in Paris annimmt, trennt sie sich von ihm und heiratet.

Die Geschichte gleitet über das Ende der 50er Jahre hinein in die Sixties. Sylvies Cousine Mona engagiert sich für die Bürgerrechtsbewegung von Martin Luther King, doch diese politischen Ereignisse bleiben dezidiert im Hintergrund. Regisseur Ashe konzentriert sich auf Sylvies Leben als gutbürgerliche Ehefrau, die zwar im Herzen unglücklich (weil immer noch in den anderen Mann verliebt) ist, aber eine beachtliche Karriere hinlegt: Sie wird die erste schwarze Produzentin einer erfolgreichen Fernseh-Show.

"Sylvies Liebe" zeichnet sich vor allem durch seine prächtigen Farben, seine fabelhaften Kostüme und seine Eleganz aus: "Zu meinen Lieblingsfilmen gehören ,Frühstück bei Tiffany’ mit Audrey Hepburn oder ,Ein Hauch von Nerz’ und ,Ein Pyjama für zwei’ mit Doris Day’", schwärmt Eugene Ashe im KURIER-Gespräch: "Ich liebe den Glamour und den Stil dieser Zeit. Ich wollte, dass mein Film an diese Filme und ihre eleganten Roben erinnert. Und ich wollte zeigen, dass wir schwarze Amerikaner damals auch existierten."

Um seine Schauspieler prächtig auszustatten, griff Eugene Ashe für seinen zweiten Spielfilm auf das Modearchiv von Chanel zurück: "Wir durften Kleider von Chanel aus der Zeit von 1960 bis 1963 benutzen. In ,Frühstück bei Tiffany’ trägt Audrey Hepburn ein schwarzes Kleid von Givenchy. Meine Hauptdarstellerin trägt in der Anfangsszene ein Kleid in Tiffany-blau von Chanel. Das ist meine Verbeugung vor ,Frühstück bei Tiffany’."

Für seine modischen Outfits ließ sich Ashe aber nicht nur von alten Filmen, sondern auch von Fotos aus dem eigenen Familienalbum der 50er und 60er Jahre inspirieren: "Wenn ich mir diese Bilder von meinen Verwandten ansehe, dann erzählen sie eine komplett andere Geschichte von schwarzem Leben, als ich es aus den Filmen von damals kenne. Sie sind elegant angezogen und erinnern mich an Schauspieler und Stars von Platten-Covern oder aus dem Fernsehen. Es hat mich stutzig gemacht, dass man schwarze Menschen nie so zeigt, vor allem nicht in historischen Filmen. Da steht dann immer Diversität im Mittelpunkt, und der Film handelt von Sklaverei oder Befreiungskämpfen. Aber ich wollte einen Film über unsere Vergangenheit machen, in dem es um unsere Menschlichkeit geht."

Rap-Milliardär

Mit Menschlichkeit meint Ashe, 1965 in New York geboren und vor seiner Karriere als Regisseur als Musiker tätig, die Dramatik einer nicht gelebten Liebe und die Kämpfe einer Frau um eine eigenständige Karriere.

Rassismus spielt in den bürgerlichen Kreisen, in denen sich Sylvie bewegt, ebenfalls eine Rolle, tritt aber nie in den Fokus: „Diese Aspekte sind deshalb nicht so zentral, weil sie normalerweise immer im Vordergrund stehen. In gewisser Weise ist auch das eine Form von Auslöschung“, findet Ashe: "Wir Schwarze sind keine monolithische Einheit, die sich nur im Kampf gegen Rassismus definiert. Natürlich protestieren wir, wenn so etwas wie die Tötung von George Floyd passiert. Aber gleichzeitig gibt es auch eine schwarze Vizepräsidentin wie Kamala Harris oder Rap-Milliardäre wie Jay-Z. Sogar Martin Luther King oder Malcolm X haben sich auf dem Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung verliebt, geheiratet und Familien gegründet. Offensichtlich...." – und hier muss Eugen Ashe lachen – "hatten auch sie noch so etwas wie ein Liebesleben."

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