Kultur
16.12.2011

Ramón Vargas: "Ich bin ein Bentley auf der Bühne"

Weihnachten naht und damit auch die jährliche „Christmas in Vienna“-Gala im Wiener Konzerthaus. Heuer mit dabei: Top-Tenor Ramón Vargas.

Ich freue mich sehr und ich bin glücklich, bei diesem Konzert dabei sein zu können“, sagt Vargas. Dieses Konzert ist „Christmas in Vienna“ , das diesen Samstag (Beginn: 19.30) im Konzerthaus über die Bühne geht. Schon heute, Freitag, kann man bei der Generalprobe dabei sein. Es gibt noch einige Restkarten.

Ein wohl lohnender Besuch, sind neben Vargas doch auch Angela Denoke, Liliana Nikiteanu, Paul Armin Edelmann, Alois Mühlbacher, die St. Florianer Sängerknaben und die Wiener Singakademie im Einsatz. Sascha Goetzel dirigiert das ORF Radio-Symphonieorchester. Vargas dazu: „Es ist schön, mit so großartigen Kollegen das Publikum musikalisch auf Weihnachten einzustimmen.“

Ramón Vargas muss die Vorpremiere am Freitag und die Aufführung des Traditionskonzerts am Samstag wegen eines Stimmbandvirus absagen, teilten die Veranstalter mit. Als Einspringer wird nun Herbert Lippert zu hören sein.

Ferrari

Weihnachten, das ist für den mexikanischen Sänger mit österreichischem Pass „die Zeit mit Familie und mit Freunden“. Vargas: „Wichtig wäre, dass wir uns rückbesinnen, warum wir dieses Fest eigentlich feiern. Denn oft droht der Sinn von Weihnachten im Kommerzrausch völlig unterzugehen.“ Was der Startenor bei „Christmas in Vienna“ singen wird? Vargas lacht: „Natürlich auch etwas Mexikanisches. Das ist doch fast Ehrensache.“

Ehrensache ist es für Vargas auch, immer wieder an der Wiener Staatsoper aufzutreten. „Das ist ja mein Stammhaus“, sagt er. Erst vor Kurzem hat Vargas am Ring als Rodolfo in Puccinis „La Bohème“ einen großen Erfolg gefeiert. Und er streut dem Orchester Rosen: „Das Staatsopernorchester, das ja aus vielen Philharmonikern besteht, ist der Ferrari unter den Klangkörpern. Da muss jeder Dirigent genau prüfen, ob er dieses Auto denn auch fahren kann.“ Sich selbst charakterisiert er so: „Ich bin ein Bentley. Vielleicht nicht ganz so schnell, aber zuverlässig und ausdauernd. Und was die Stimme betrifft, hoffentlich auch schön.“

Tugenden, die Vargas am Ring wieder beweisen wird und will. Im März und April 2012 singt er den Nemorino in Donizettis „Liebestrank“. Im Juni bestreitet er die Titelpartie in einer Neuproduktion von VerdisDon Carlo“. „Leider in der italienischen Fassung. Ich halte die französische Version ja auch dramaturgisch für besser. Abgesehen davon hat Verdi den Tenor in der italienischen Variante nicht unbedingt mit tollen Aufgaben betraut.“ Lachend: „Alle haben ihre großen Solo-Arien. Nur ich darf überall nur ein wenig mitsingen.“

 

Experiment

Größere Aufgaben kommen auf den gefeierten Sänger mit anderen Partien zu. „Ich gehe vermehrt in Richtung Mozart. Da gibt es für Wien viele Pläne, auch für Premieren.“ Zudem probiert Vargas noch etwas anderes aus. „Ich werde an einem kleineren Haus meinen ersten Verdi-,Trovatore‘ singen. Ich möchte einfach wissen, ob das geht.“

Jüngeren Kollegen rät er aber eines: „Man muss Nein sagen können. Man sollte immer auf seine Stimme, auf sein Inneres hören. Nicht zu früh und nicht zu viel singen – darauf sollte man achten. Sonst kann es leicht passieren, dass eine Karriere bald wieder zu Ende ist. Das erleben wir leider ziemlich oft.“

Und was denkt Vargas über den Star-Hype rund um manche Sänger? „Das gehört inzwischen fast zum Geschäft. Und es ist auch nichts dagegen zu sagen. Aber mir persönlich gibt das nicht allzu viel. Ich stehe eher auf dem Standpunkt: Man muss nicht alles mitmachen. Man sollte auf der Bühne seine Leistung bringen, nicht auf dem Society-Parkett.“

 

Vargas: Fakten und Wiener Termine

Biografie: Ramón Vargas wurde 1960 in Mexiko geboren und zählt inzwischen zu den führenden Tenören seiner Generation. Er singt an allen bedeutenden Opernhäusern der Welt (von Wien bis zur New Yorker MET) und ist auch karitativ tätig.

Gala: „Christmas in Vienna“ am 16. (Vorpremiere) und 17. Dezember im Konzerthaus.

Mit Vargas, Denoke, Nikiteanu, Edelmann. Sascha Goetzel dirigiert das RSO Wien. Karten unter www.scheibmaier.at

Staatsoper: „Elisir d’amore“ (Donizetti) am 31. März und am 3., 7., 10. April 2012. „Don Carlo“ (Verdi, Dirigent: Franz Welser-Möst) am 16. (Premiere) sowie am 19., 22., 26. und 29. Juni.