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Kultur
02/09/2019

Rammstein-Gitarrist Richard Kruspe: Respektvoll ins Comeback

Der 51-Jährige spricht im KURIER-Interview über Sänger Till Lindemann und sein Solo-Projekt Emigrate

Zehn Jahre lang, haben Rammstein kein neues Album veröffentlicht. Doch bald hat das Warten ein Ende. Der Nachfolger zu „Liebe ist für alle da“ wird im Frühjahr erscheinen. Gleich danach gehen Rammstein auf Tour und treten am 22. und 23. August auch im Wiener Ernst-Happel-Stadion auf.

Doch bevor es mit dem Rammstein-Comeback losgeht, hat Gitarrist und Bandgründer Richard Kruspe das Album „A Million Degrees“ mit seinem Solo-Projekt Emigrate veröffentlicht: Eine Platte mit sattem, hymnischen Rocksound, auf der Rammstein-Sänger Till Lindemann bei „Let’s Go“ Gast-Vocals beigesteuert hat.

Till und ich waren auch vor Rammstein schon ewig lang befreundet“, erzählt Kruspe im KURIER-Interview. „Die Entstehung von Emigrate hat auch etwas mit Till zu tun: Wir wollten einmal etwas zusammen machen – nur wir beide. Das fand aber bei den anderen Bandmitgliedern von Rammstein nicht so großen Anklang. Das haben wir auch verstanden und es sein gelassen. Es gab damals schon diesen Song ,Let’s Go’. Den habe ich aber nicht auf das erste Emigrate-Album genommen, weil ich das nicht so cool fand. Jetzt habe ich ihn wiederentdeckt und überlegt: Was würde ich gerne über unsere Beziehung schreiben? Da ist mir die Zeit rund um den Mauerfall eingefallen, in der der Osten so ein Wild-West-Feeling hatte, denn die haben wir gemeinsam sehr intensiv verbracht. Aus dieser Zeit berichte ich in dem Song.“

Obwohl der Album-Titel „A Million Degrees“ wie ein Kommentar zum chaotischen Zeitgeschehen klingt, sind auch die anderen Songs älteren Datums. Denn eigentlich war „A Million Degrees“ schon 2015 fertig. Doch aufgrund eines Wasserschadens musste der 51-Jährige neu beginnen. Auch wenn er vieles „aus der Erinnerung nachschrieb“, ist in den Songs trotzdem ein Unbehagen mit dem Jetzt rauszuhören.

„Ich bin schon auch ein sehr politischer Mensch. Ich versuche aber, das nicht mit einer Zeigefingerhaltung zu kommunizieren. Aber natürlich betrachte ich die Welt um mich herum. Und was heute stark gegen mein Empfinden geht, ist zum Beispiel, dass in der digitalen Welt Quantität wichtiger ist als Qualität. Google und Facebook sind Überwachungsmaschinen, durch die wir noch mehr kontrolliert werden. Davor habe ich Angst.“

Gefährlich

Natürlich sind für den im Osten aufgewachsenen Musiker auch der Rechtsruck und die Vorfälle in der Region um Chemnitz angsteinflößend. Aber: „Ich glaube nicht, dass wir in Deutschland jetzt auf einmal so viel mehr Rechtsradikale haben. Die waren schon immer da und sind von der Anzahl her nicht die Massen. Aber es gibt viele Leute, die auf den Zug aufspringen, weil sie Angst vor der Zukunft haben. Das ist das Gefährliche.“

Was wird das Rammstein-Album bieten? „Es ist auf jeden Fall harmonischer und melodiöser. Denn ich hatte immer das Gefühl, dass Rammstein durch diese wahnsinnige Live-Performance mit all der Pyrotechnik gehandicapt war. Deshalb dachte ich, wir müssen mal wieder ein Zeichen setzen, dass wir auch musikalisch auf der ersten Bahn stehen. Und ich hoffe, dass wir das mit diesem Album erreichen. Ich muss auch sagen, dass ich am Anfang sehr, sehr skeptisch war, wieder mit den Jungs ins Studio zu gehen. Aber es war wirklich wunderbar. Wir haben wieder so einen Respekt voreinander bekommen, das hätte ich gar nicht mehr erwartet. Es war wieder so ein Miteinander wie in der Zeit rund um das erste Album.“

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