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Kultur
08/03/2020

Pressestimmen zu den Salzburger Festspielen: "Welch gespenstischer Leichtsinn"

Verhaltene Stimmen zu "Jedermann", großes Lob für "Elektra", Kritik an Umsetzung des Corona-Sicherheitskonzepts.

Die Eröffnung der 100. Salzburger Festspiele ist geschlagen - doch das internationale Feuilleton widmet sich nicht nur dem Geschehen auf der Bühne. Neben eher verhaltenen Kritiken zum "Jedermann" und größtenteils jubelnden "Elektra"-Hymnen steht auch das Sicherheitskonzept in Sachen Coronavirus auf dem Prüfstand. Folgend ein Überblick:

CORONAVIRUS - Sicherheitskonzept

Die "Stuttgarter Zeitung" konstatiert bereits vor der Kritik der "fulminanten Elektra" und des "eher lauen" "Jedermann": "Vor dem und im Theater bildeten sich Menschenpulks. Viele Besucher wurden ohne Kontrolle ihrer Personalausweise (...) einfach durchgewinkt." Auch der Kritiker der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" startet mit Corona in seine "Elektra"-Kritik: "Welch gespenstischer Leichtsinn, welch dickfelliger Bequemlichkeitsegoismus", heißt es zu Beginn. "Wer einen Sicherheitsabstand lässt, muss erleben, wie andere die Lücke schließen. Je teurer das Tuch um die Hüften, desto geringer die Bereitschaft, Maske zu tragen", wird hier kritisiert. Auch der Umstand, dass (nicht personalisierte) Last-Minute-Tickets auf dem Schwarzmarkt verkauft werden, durchkreuze das Sicherheitskonzept: "Die Infektionskettenverfolgung ist schon im Ansatz perdu." Auch das "Hamburger Abendblatt" mahnt: "Ein Versuchsballon mit Absturz-Risiko. Was hier passiert, wie auch immer, wird europaweit Folgen haben." Und die "Abendzeitung" ortet einen "ersten, etwas chaotischen Stresstest für das Hygienekonzept der Festspiele".

"JEDERMANN" mit neuer Buhlschaft Caroline Peters

Weitgehend einig ist sich das deutschsprachige Feuilleton über die Wiederaufnahme der Inszenierung Michael Sturmingers. Für die "tz München" ist Caroline Peters mehr "große Schwester oder junge Stiefmutter" und "womöglich eine der charmantesten Fehlbesetzungen der 100-jährigen Jedermann-Geschichte." Die "FAZ" wiederum attestiert der Burgschauspielerin eine "souveräne Sexyness", sie hole "aus der kleinen Rolle das Mögliche" heraus. Tobias Moretti zeige sich "nicht auf der Höhe seiner eigentlich überbordenden Lebenskraft", die neue Buhlschaft Caroline Peters überzeuge wenig mit einer "(absichtlich/unabsichtlich?) verunglückten Marilyn Monroe-Parodie", so die "Stuttgarter Zeitung". "Moretti tritt nächstes Jahr nicht mehr an und mit ihm steht und fällt Sturmingers Regiekonzept. Vielleicht gibt es ja 2021 eine Neuinszenierung?", hofft die "Abendzeitung" zwischen den Zeilen.

"ELEKTRA"

"Die Wiener Philharmoniker spielen jede Tonverrenkung und jede Klangskurrilität mit Nonchalance und Understatement", zeigt sich der Kritiker der "Süddeutschen Zeitung" angetan. Zu Ausrine Stundyte heißt es da: "Tollkühn und virtuos stürzt sie sich in die Klangkaterakte, droht zu versinken, taucht aber immer wieder auf, wird verschlungen und kehrt doch zurück." Krzysztof Warlowskis "Blick ist kalt, er hält sich raus, er stellt das Monströse zur Schau", lobt die "Frankfurter Rundschau" das Regiekonzept. "Das sind wahrlich die treffenden Bilder zum von Welser-Möst ideal dosierten, in Zaum gehaltenen Irrsinn der Musik." Asmik Grigorian weiß für "Die Welt" "ihre hohen Töne als Leuchtraketen abzufeuern, ist vokal wendig und sexy girlielike". "Ihre ähnlich timbrierten Stimmen ergänzen sich ideal, und vor allem gegen Ende scheint es, als triebe eine die andere zu immer glanzvolleren Strauss-Höhen an", resümiert die "Neue Zürcher Zeitung" das Zusammenspiel der beiden Frauen.

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