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Kultur
08/18/2021

"Pornhub" nimmt nach Protesten Kunst-Inhalte vom Netz

Der pornografische Museumsführer des Streamingportals löschte Inhalte aus dem Prado, Uffizien und dem Louvre

von Michael Huber

Als die Website Pornhub im vergangenen Juli ihre Website "Classic Nudes" lancierte, erregte das viele Gemüter, allerdings nicht unbedingt im erotischen Sinn.

Der vordergründig seriös anmutende, optisch ansprechende "Museumsführer" zu Weltklasse-Institutionen wie dem Louvre, den Uffizien oder dem Metropolitan Museum of Art entpuppte sich nämlich schlicht als Plattform für pornografische Inhalte: Werke des klassischen Kanons wie Botticellis "Geburt der Venus" wurden da - teils mithilfe einschlägig bekannter Größen wie Ilona "Cicciolina" Staller, der einstigen Kurzzeit-Ehefrau von Kunststar Jeff Koons - nachgestellt. In den "Tableaux vivants" - so lautet der Fachbegriff für solche Nachstellungen - ging es dann oft sehr explizit zur Sache, die Texte des "Museumsführers" waren ebenso sexuell-suggestiv.

Einige Museen drohten sofort mit Klagen, andere hielten sich öffentlich bedeckt. Vor allem die Reaktionen des Prado in Madrid, der Uffizien in Florenz und des Louvre in Paris dürften entsprechend heftig ausgefallen sein: Die Inhalte der genannten drei Museen sind nämlich von der "Classic Nudes"-Website gänzlich verschwunden. Was bleibt, ist ein Gerüst, das noch zu einzelnen Werken aus dem Musée d'Orsay (etwa Manets "Frühstück im Grünen"), des Metropolitan Museum New York oder der Londoner National Gallery führt. Die Links zu Videos sind aber auch hier tot.

Anders als bei Werken zeitgenössischer Kunst ist die Verwendung von Bildern, deren Urheber länger als 70 Jahre tot sind, schwerer zu handhaben; es gibt allerdings Mittel, um sich eine grobe Verunglimpfung von Werken zu wehren. Die Idee, die erotische Komponente von Altmeistergemälden explizit zum Thema zu machen, ist auch beileibe nicht neu und hat längst Eingang in Vermittlungsprogramme und Publikationen von Museen gefunden. Als Bildungsinstitutionen sind diese freilich auch darauf bedacht, diese Geschichten selbst zu erzählen - und sich nicht zur Plattform eines Web-Anbieters zu machen, der sich mit bildungsbürgerlichen Mäntelchen tarnt.

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