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Kritik
10/26/2019

Placido Domingo in Wien: Rückendeckung für einen Giganten

Demonstrativer Applaus, vereinzelte Buhs bei "Macbeth".

von Peter Jarolin

In Los Angeles musste er all seine künstlerischen Funktionen zurücklegen; an der New Yorker Met durfte er nur die Proben für die Titelrolle in Giuseppe Verdis "Macbeth" absolvieren. Danach erfolgte die "einvernehmliche" Trennung. Und der Europäische Kulturpreis soll ihm - wenn überhaupt - erst nächstes Jahr (und nicht wie geplant bereits heuer) verliehen werden. Kein Zweifel: Seit der teils massiv aus dem Ruder gelaufenen #MeToo-Debatte und der damit verbundenen Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Placido Domingo hat der Jahrhundertsänger zumindest in den USA keinen leichten Stand.

In Europa aber ist die Lage eine andere. Hier soll, ja muss Domingo auftreten und wird vom Publikum auch entsprechend gefeiert. Auch an der Staatsoper, wo Domingo am Freitag sein (spätes) Rollendebüt als Giuseppe Verdis "Macbeth" gab.

Und Domingo konnte nach einem extrem nervösen (kein Wunder!) Beginn auch hier das Publikum zum Toben bringen. Denn allfällige stimmliche Probleme macht der Künstler durch seine Präsenz, durch seine Darstellung und die Intelligenz seiner Rollengestaltung mehr als wett. Selbst in einem suboptimalem Umfeld, wie jenem von Christian Räths belangloser Inszenierung, in der Domingo im Military-Look auch als Bruder eines John Rambo durchgehen könnte.

Doch nach seinen großen Szenen und Arien gab es nicht nur demonstrativen Applaus. Am Ende zwei hörbare, vielleicht nicht unbedingt der #MeToo-Debatte geschuldete Buhs und viele, laute Bravo-Rufe. Wien liebt seine Opernlegenden eben bedingungslos.

Vom Legendenstatus weit entfernt sind jedoch Domingos Mitstreiter: Tatiana Serjan ist eine meist sehr schrille Lady Macbeth, konnte sich gegen Ende hin aber auch deutlich steigern. Ryan Speedo Green als Banquo, Carlos Osuna als Malcolm und Jinxu Xiahou als Macduff machen deutlich, wie Repertoire eben auch klingt. Und Dirigent Giampaolo Bisanti ist vor allem um möglichst unfallfreie Koordination - die Wiener Philharmoniker sind bekanntlich offiziell auf Tournee - bemüht.

Beim Schlussjubel war allen Beteiligten, also auch Domingo, die Erleichterung anzusehen!

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