Philippe Jordan will als Chefdirigent der Wiener Symphoniker für neuen Schwung sorgen

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Philippe Jordan
10/02/2014

Auftakt für den neuen Chef

Der musikalische Leiter der Wiener Symphoniker über seine Pläne.

von Peter Jarolin

Am Donnerstag ist es so weit: Philippe Jordan gibt im Konzerthaus sein offizielles Antrittskonzert als Chefdirigent der Wiener Symphoniker. Auf dem Programm: Schubert und Janáček. Im KURIER-Interview skizziert der Maestro seine Pläne.

KURIER: Ihr Vertrag in Wien läuft vorerst fünf Jahre. Wo sehen Sie das Orchester jetzt und wo in fünf Jahren?

Philippe Jordan: Die Symphoniker sind ein erstklassiges Wiener Orchester mit einem ganz spezifischen Klang. Leider geht der spezifische Klang bei vielen Orchestern immer mehr verloren. Da möchte ich gegensteuern und dem Orchester noch mehr Form und Profil geben. Wir wollen auch international nicht die zweiten Philharmoniker, sondern die ersten Symphoniker sein.

Wo liegen musikalisch ihre inhaltlichen Schwerpunkte?

Da steht natürlich die Wiener Klassik im Zentrum. Heuer etwa machen wir einen Schubert-Zyklus, aber auch Bach wird sehr präsent sein. Die modernen Klangkörper haben ja international bei Bach, Mozart, Schubert und vielen anderen Komponisten den Originalklang-Ensembles nur allzu bereitwillig das Feld überlassen. Ich möchte herausfinden, wie diese Musik auf der Basis historischer Erkenntnisse mit den Symphonikern klingen kann. Ich stelle also Fragen und hoffe, Antworten geben zu können. Außerdem ist mir die zeitgenössische Musik ein großes Anliegen. So wird etwa John Adams eigene Werke dirigieren.

Haben Sie bei der Auswahl der Gastdirigenten ein Mitspracherecht?

Es gibt mit dem Musikverein, dem Konzerthaus und dem Theater an der Wien eine sehr gute Kommunikation. Wir legen immer gemeinsam fest, wer Teil unserer Symphoniker-Familie sein soll.

Die Symphoniker sind auch das Orchester der Stadt Wien, spielen Konzerte beim Donauinselfest oder am Heldenplatz ...

Diese Konzerte sind wichtig. Auf die Art kann man einem breiteren Publikum vielleicht Lust auf klassische Musik machen. Aus einem ähnlichen Grund werden wir die CD-Einspielungen intensivieren. Diese dienen auch international als künstlerische Visitkarte des Orchesters.

Im Theater an der Wien sind die Symphoniker regelmäßig als Opernorchester im Einsatz. Sie selbst sind musikalischer Direktor der Opéra National de Paris. Werden Sie an der Wien auch selbst Opern dirigieren?

Das ist vor allem eine Zeitfrage. Intendant Roland Geyer und ich haben schon viele Gespräche geführt und sogar über Stücktitel gesprochen. Konkrete Pläne gibt es bis jetzt aber nicht. Ich kann mir aber vorstellen, etwa im Konzerthaus mit den Symphonikern auch einmal eine Oper konzertant aufzuführen. Und vielleicht klappt es eines Tages auch mit dem Theater an der Wien.

Mit der Bayerischen Staatsoper hat es geklappt. Sie werden im Juli 2015 im Rahmen der Münchner Opernfestspiele die Neuproduktion von ,Arabella‘ und eine Wiederaufnahme von ,Tristan und Isolde‘ betreuen ...

Intendant Nikolaus Bachler wollte mich schon lange nach München holen. Endlich haben wir ein Zeitfenster gefunden, das für beide passt. Aber das ist eine Ausnahme. Ich werde mich in Zukunft vor allem auf die Wiener Symphoniker und die Pariser Oper konzentrieren.

Auch in Paris wurde finanziell massiv gekürzt. Wie geht es Ihnen an der dortigen Oper?

Wir haben etwa ein bis zwei Millionen Euro weniger an Subventionen. Aber im Vergleich zu anderen Institutionen leben wir immer noch im Elfenbeinturm. Zudem hat die jetzige Regierung zugesagt, dass es keine weiteren Einschnitte geben wird. Und mit dem Budget, das wir haben, kann man schon gute Produktionen machen.

Die Bregenzer Festspiele, bei denen die Symphoniker seit Anbeginn das Festspielorchester sind, mussten aufgrund der finanziellen Situation zuletzt etwa den Schauspielbereich streichen. Befürchten Sie unter der neuen Intendantin Elisabeth Sobotka auch einen Rückgang der Symphoniker-Konzerte?

Elisabeth Sobotka hat sich klar zu den Symphonikern als Bregenzer Festspielorchester bekannt. Und wir bekennen uns ganz klar zu den Bregenzer Festspielen. Zwar wird der Vertrag stets neu verhandelt, aber ich bin sicher, dass wir immer eine gute Lösung finden werden.

In Wien ist die Stadt Ihr Hauptgeldgeber. Was wünschen Sie sich von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny?

Ich träume von einer Orchesterakademie, in deren Rahmen unsere Musiker ihr Wissen und Können an junge, internationale Orchestermusiker weitergeben können. Ich habe mit dem Stadtrat darüber auch schon gesprochen. Und ganz so unrealistisch ist dieser Traum nicht.

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